Mehr Zuwanderer, mehr Straftaten

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Die Aufklärungsquote bei Verbrechen liegt im Einzugsbereich des Polizeipräsidiums Süd/West bei 69,4 Prozent.

Kempten/Landkreis – Die Zahl der einer Straftat verdächtigten „Zuwanderer“ hat sich im Einzugsgebiet des Polizeipräsidiums Süd/West im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Das geht aus dem „Sicherheitsbericht 2015“ des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West hervor. Diesen stellte Polizeipräsident Werner Strößner am Donnerstagvormittag in Kempten vor.

Demnach wurden insgesamt 999 „Zuwanderer“ als Tatverdächtige ermittelt (2014: 481). Das entspricht fünf Prozent der Gesamtzahl der Tatverdächtigen. Zum Vergleich, allein im Ostallgäu lebten Ende vergangenen Jahres rund 1570 Zuwanderer, dass sind etwa dreimal mehr als 2014. Laut Strößner registrierten seine Beamten im gesamten Präsidiumsbereich im vergangenen Jahr 41.463 Straftaten. 3287 davon seien von „Zuwanderern“ begangen worden, teilte der Polizeipräsident am Donnerstag im Präsidium in Kempten mit. Darin enthalten sind allerdings auch sämtliche „ausländerrechtliche Verstöße“. Rechnet man diese heraus, bleiben noch 1278 von „Zuwanderern“ begangene Straftaten. 

Dabei verzeichneten Strößners Beamten in allen Deliktbereichen zum Teil deutliche Steigerungen im Vergleich zum Vorjahr. So stieg beispielsweise die Zahl der „Straftaten gegen das Leben“ von einer im Jahr 2014 auf 14 im vergangenen Jahr. 

Besonders hoch ist jedoch der Anstieg bei den sogenannten Rohheitsdelikten. Darunter werden unter anderem Raubdelikte, Nötigung, Bedrohung, Freiheitsberaubung, Geiselnahme sowie teilweise Körperverletzungsdelikte zusammen gefasst. Hier stieg die Zahl der registrierten Taten von 187 in 2014 auf insgesamt 496 in 2015. 

Die Zahl der „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ stieg um sieben auf 18, „einfache Diebstähle“ nahmen um 132 auf insgesamt 213 zu und die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte stieg von 174 auf 278. 

Die meisten tatverdächtigen „Zuwanderer“ kommen laut Sicherheitsbericht mit 108 aus Syrien, dicht gefolgt von Nigerianern (107) und Afghanen (106). Die wenigsten Verdächtigen (15) kommen aus dem Irak und Serbien (29). Bei über 72 Prozent der mutmaßlichen Täter handelt es sich übrigens um Erwachsene. Fast 80 Prozent der tatverdächtigen „Zuwanderer“ werden der Behörde zufolge nur einmalig straffällig. 

Die Hälfte der Fälle ereignete sich laut Polizeistatistik in einer der insgesamt 559 Asylbewerberunterkünfte im Bereich des Präsidiums. Dabei handelte es sich vor allem um „Rohheitsdelikte“ (293), gefolgt von „Einfachem Diebstahl“ (32) und Sachbeschädigung (28). „Straftaten gegen das Leben“ wurden in den Unterkünften insgesamt sieben (+ 6) begangen. „Bei den polizeilich registrierten Fällen handelt es sich meistens um Streitigkeiten unter den Asylbewerbern“, heißt es dazu im Sicherheitsbericht. Oftmals seien die Beteiligten betrunken. „Neben Alkohol haben auch die beengten Wohnverhältnisse in den Sammelunterkünften und unterschiedliche Ansichten in der Lebensführung und Weltanschauung Einfluss auf das Konfliktpotential der Bewohner.“ 

Von den insgesamt 458 in Unterkünften begangenen Straftaten konnten 412 geklärt werden, teilte das Präsidium am Donnerstag mit. Dabei wurden auch zwölf Tatverdächtige ermittelt, die nicht Zuwanderer waren. 

Im gleichen Zeitraum kam es auch zu einer Steigerung der Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte. Dabei handelte es sich laut Sicherheitsbericht aber vor allem um Drohungen gegen Unterkünfte sowie „niederschwellige Sachbeschädigungen durch Schmierereien und das Anbringen von Aufklebern“. Außerdem registrierten die Beamten eine versuchte Brandstiftung an einer noch nicht bewohnten Unterkunft in Marktoberdorf Ende Dezember. 

Info „Zuwanderer“: Mit „Zuwanderern“ sind Personen gemeint, die den Aufenthaltsstatus Asylbewerber haben, Inhaber einer Duldung oder Kontigent-/Bürgerkriegsflüchtlinge sind. Ebenso zählen Menschen, die sich unerlaubt in Deutschland aufhalten zu den „Zuwanderern“.

von Matthias Matz und Kai Lorenz


Die Jahresstatistik des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West weist insgesamt eine geringe Steigerung auf. Die Gesamtzahl der Straftaten ist im vergangenen Jahr um rund vier Prozent gestiegen. In einzelnen Deliktsbereichen ist der Anstieg jedoch größer. Erfreulich dabei ist jedoch, dass die gute Aufklärungsquote der vergangenen Jahre erneut gesteigert werden konnte und nun bei 69,4 Prozent liegt. Insgesamt entstand im Zuständigkeitsbereich durch Straftaten ein finanzieller Schaden von 94,6 Millionen Euro.

Gesamtüberblick: 

Insgesamt wurden im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West 41.463 Straftaten begangen.

• Gewaltkriminalität um +9,9% auf 1.325 Fälle 

• Straßenkriminalität um +0,9% auf 6.329 Fälle • Rauschgiftdelikte um +13,7% auf 2.847 Fälle 

• Diebstahlkriminalität um +4,8% auf 11.331 Fälle 

• Vermögens- und Fälschungsdelikte um +5,9% auf 6.839 Fälle 

• Sexualdelikte um -3,6% auf 453 Fälle

Die Eckdaten für die einzelnen Dienststellen im Ostallgäu:

" Buchloe: Hier wurden 876 Straftaten verübt (+10,6 Prozent) Die Aufklärungsquote liegt bei 67,7 (+1,5) Prozent. 

•Gewaltkriminalität: 20 (+25%) 

•Straßenkriminalität: 126 (-11,3%) 

• Rauschgiftdelikte: 42 (+5,0 %)

" Füssen: In Füssen wurden 1572 (+24,9 Prozent) Straftaten verübt. Die Aufklärungsquote liegt bei 76,7 % (+5,5). 

•Gewaltkriminalität: 46 (+130%) 

•Straßenkriminalität: 216 (+6,4%) 

• Rauschgiftdelikte: 81 (+8,0 %)

" Kaufbeuren: In Kaufbeu­ren wurden 3074 (-8,7 %) Straftaten verübt. Die Aufklärungsquote liegt bei 71,4 Prozent (+3,6). 

•Gewaltkriminalität: 129 (+15,2%) 

•Straßenkriminalität: 469 (-21,2 %) 

• Rauschgiftdelikte: 156 (-14,8 %)

" Marktoberdorf: In Markt­oberdorf wurden 1036 (+4,3 %) Straftaten verübt. Die Aufklärungsquote liegt bei 75,3 Prozent (-2,3). 

•Gewaltkriminalität: 30 (+30,4%) 

•Straßenkriminalität: 164 (+17,1%) 

• Rauschgiftdelikte: 71 (+18,3 %)

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