Präsenz-Ostergottesdienste erlaubt

Geistliche aus Kaufbeuren freuen sich nach Kehrtwende der Politik

Osternacht 2015 Dreifaltigkeitskirche
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So wie auf dem Bild wird die Osternacht 2021 nicht begangen. Aufgrund der Corona-Pandemie wird der Gottesdienst ins Freie verlegt.

Kaufbeuren – Für Gläubige in der katholischen und evangelischen Kirche sind es gute Nachrichten: Zu Ostern sind Präsenzgottesdienste erlaubt. Anders als noch vor einem Jahr, als zu Beginn der Pandemie auch die Kirchen vom Lockdown betroffen waren, dürfen Kirchgänger von Gründonnerstag bis Ostermontag die Gotteshäuser besuchen. Dabei gelten strenge Hygiene- und Schutzmaßnahmen. Allerdings bieten viele Kirchen auch virtuelle Angebote und Alternativen zum normalen Gottesdienst an.

Thomas Hagen ist mehr als nur erleichtert. Der Pfarrer der Herz-Jesu-Kirche Neugablonz sei sehr glücklich, dass die Gottesdienste zu Ostern in Präsenzform stattfinden dürfen. „Jeder Gottesdienst und jede Liturgie ist angelegt auf ein Miteinander von Zelebrant und Gemeinde. Sie werden im Großen und Ganzen so gefeiert, wie es im Messbuch steht. Dazu kamen ja auch von der Gottesdienstkongregation in Rom Ausführungsbestimmungen, die unser Bischof noch einmal konkret formuliert hat“, verweist Hagen dabei auf die wichtigsten Einschränkungen: Der Verzicht auf die Palmprozession am Palmsonntag, der Wegfall der Fußwaschung und der Kommunion unter beiderlei Gestalten am Gründonnerstag.

In Pandemie-Zeiten sind in der Herz-Jesu-Kirche 84 Plätze ausgewiesen, die aber auch mit zwei Personen eines Haushalts belegt werden können. Dann sind sogar 168 Gläubige zugelassen. Gottesdienstbesucher können mit oder ohne Anmeldung an den Messen teilnehmen. Wer einen bestimmten Platz möchte, kann sich im Pfarrbüro anmelden. Besucher dürfen an Ostern ohne Weiteres ihre Körbe mit Speisen für die Segnung mitnehmen. Nicht erlaubt ist weiterhin der Gesang. Alternativ singen aber drei bis vier Sängerinnen und Sänger, stellvertretend für die Gemeinde die Lieder aus dem Gotteslob. „Ich finde das wichtig, dass die Gemeinde dann eben nicht nur Orgel- oder Chorliteratur hört, sondern das Hören und Empfinden der zu dieser Zeit passenden Lieder erlebt“, so Pfarrer Hagen. Das Einbinden der Ministranten sei für ihn die größte und organisatorische Herausforderung. „An Ostern haben wir wieder mehr Ministranten als die vergangenen Monate im Altarraum, wofür es dann ein gutes Maß im Umgang miteinander braucht.“

Auswahl an Alternativen

In der Dreifaltigkeitskirche Kaufbeuren geht man in Pandemie-Zeiten neue Wege. Gottesdienste werden in der Kirche, im Freien und sogar virtuell für Zuhause angeboten. Am Karfreitag bietet die Kirchengemeinde ein Actionbound in Mauerstetten an. „Das ist wie eine Art Geocaching. Wer einen QR-Code downloadet, kann bestimmte Plätze anlaufen“, so Pfarrer Alexander Röhm. An den jeweiligen Stationen gibt es eine Lesung oder jeder für sich kann ein Gebet sprechen. Der Weg kann individuell beschritten werden. Die Osternacht am Sonntag findet nicht in der Kirche, sondern auf dem Jakob-Brucker-Gelände in der Markgrafenstraße statt. Der ökumenische Gottesdienst wird ab sechs Uhr morgens mit der Pfarrei St. Peter und Paul gefeiert. „Wir haben unser gesamtes Osterprogramm so aufgestellt, dass keiner in einen Kirchenraum muss. Wer sich nicht sicher fühlt, kann das breite Angebot auch daheim erleben“, verweist Röhm auf den eigens erstellten Pfarrbrief, der auch online einsehbar ist.

Strenge Regeln bei den Muslimen

Vor großen Herausforderungen in Corona-Zeiten steht auch der türkisch-islamische Kulturverein. Soziale Aktivitäten sind abgesagt. „Wir können unsere Gebete nur eingeschränkt praktizieren. Es wird darauf geachtet, dass wir die Gebete und Predigten kurz halten“, so der Kauf­beurer Ditib-Vorsitzende Osman Öztürk. Nur jeder dritte Platz wird überhaupt in der Moschee belegt. Gläubige müssen ihre eigenen Gebetsteppiche mitbringen.

Die rituelle Waschung verrichten die Gläubigen zu Hause, weil die Waschräume geschlossen sind. Waren es vor der Pandemie bei den Freitagsgebeten im Schnitt zwischen 250 und 300 Gläubige, so sind nun in Corona-Zeiten nur um die 70 Personen vor Ort. Mit Blick auf den Beginn des Fastenmonats Ramadan werden die strengen Regelungen beibehalten. Das festliche Fastenbrechen in der Moschee müsse entfallen, so Öztürk. Ob das besondere Teravih-Gebet in der Nacht während des Ramadans stattfinden könne, sei noch unklar. „Wenn, dann wird es auch nur verkürzt.“,

von Stefan Günter

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