»Kulturhauptstadt im Allgäu«

Preisverleihung der 13. Kaufbeurer »filmzeit« im Corona Kinoplex

Regisseur und Drehbuchautor Arkadij Khaet und Produzentin Christine Duttlinger erhalten  von Sparkassenvorstand Tobias Streifinger  den Jurypreis
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Regisseur und Drehbuchautor Arkadij Khaet und Produzentin Christine Duttlinger erhalten aus der Hand von Sparkassenvorstand Tobias Streifinger (rechts) den Jurypreis für ihren Film „Masel Tov Cocktail“. Den Preis teilen sie mit Albin Wildner und dessen Film „Der Wächter“, der wegen Corona nicht anwesend sein konnte. Der „Blasi“ wurde zum Wanderpreis erklärt.

Kaufbeuren – Die 13. Kaufbeurer filmzeit ging letzten Sonntag zu Ende. Am Samstagabend fand im Corona Kinoplex die Prämierung in den Kategorien Dokumentarfilm, Innovation, Publikumspreis und Jurypreis statt. Um es gleich vorweg zu nehmen: Größter „Abräumer“ war der Film „Masel Tov Cocktail“, eine 31-minütige Dramedy von Arkadij Khaet. Der Film musste sich zwar den Jurypreis mit dem gleich bewerteten Spielfilm „Der Wächter“ von Albin Wildner teilen, hatte jedoch bereits am Freitag den von der Bürgerstiftung neu gesponserten Schulfilmpreis mit 500 Euro und zusätzlich den von „Demokratie leben“ gestifteten Antisemitismus-Preis in Höhe von 300 Euro erhalten.

Der 16-jährige Gymnasiast Dima ist Sohn russischer Einwanderer – und er ist Jude. Das wäre eigentlich nicht der Rede wert, wenn nicht alle ständig darüber reden würden. Als ihn sein Klassenkamerad Tobi mit einem sehr schlechten Witz über Juden in Deutschland provoziert, schlägt Dima zu. Er wird daraufhin der Schule verwiesen und muss sich außerdem bei Tobi entschuldigen. Auf dem Weg zu Tobi trifft er auf eine Reihe von Menschen, die alle eine mehr oder weniger absurde Haltung zum Judentum haben.

Unter den Gästen der Preisverleihung ist auch OB Stefan Bosse (rechts) mit Familie, ein treuer Fan der Filmzeit.

In „der Wächter“ spielt Rainer Wöss den verwitweten arbeitslosen Techniker Raphael mit einer 86-jährigen, pflegebedürftigen Mutter. Mit zunehmendem Alter ist Raphael nicht mehr für den Arbeitsmarkt interessant. Er wird vom österreichischen Arbeitsamt zu einem Job als Nachtwächter gedrängt.

Vier Jury-Mitglieder

Die vier Jury-Mitglieder – der Berliner Schauspieler Rudolf Krause, der diplomierte Kultur- und Medienmanager Ulrich Wegenast, die Journalistin und Frauenpower-Verfechterin Maria Fodorova und der Autor, Produzent und Regisseur Christian Wagner aus Immenstadt – hatten sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht. Schließlich einigte man sich darauf, den mit 1.500 Euro dotierten, von der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren (KSSK) gestifteten Jurypreis zwischen „Masel Tov Cocktail“ und „Der Wächter“ aufzuteilen und den „Blasi“ – den filmzeit-„Oscar“ – zum Wanderpreis zu erklären. Tobias Streifinger, Vorstandsmitglied der KSSK, lobte bei der Überreichung den Mut der Festival-Organisatoren, gerade in dieser Zeit das Festival auf Kempten und Immenstadt zu erweitern und meinte, dadurch werde Kaufbeuren sicher bald zur „Kulturhauptstadt im Allgäu“ werden.

Auch der von Lotto Bayern mit 750 Euro dotierte Publikumspreis wurde mit Stimmengleichheit unter den Filmen „Lychen 92“ von Constanze Klaue und „Girl meets Boy“ von Ferdinand Arthuber geteilt. Den mit 1000 Euro dotierten, von der VWEW gestifteten Innovationspreis erhielt der schwarz-weiße Animationsfilm „Freeze Frame“. Regie, Drehbuch, Produktion und Stop-Motion-Technik stammen von Soetkin Verstegen. Laut Jury wird „wie in einer Schatulle die Vergänglichkeit des Lebens von Mensch und Tier in einer hermetischen Eislandschaft präsentiert“ und bis hin zum Skelett transparent gemacht. Marion Kellmanns aus Szenen europäischer Stummfilme montierter Experimentalfilm „Ekstase“ über „die Geschichte der weiblichen Stigmatisierung und Unterdrückung, die Frau am Rande des Wahnsinns, die so gegen das Patriarchat rebelliert“ wurde von der Jury mit einer „lobenden Erwähnung“ hervorgehoben.

Preisgeld verdoppelt

Als bester Dokumentarfilm wurde „My Past, Not Your Future“ von Johannes Krug ausgezeichnet, der sich nur in einer Videobotschaft für den Preis bedanken konnte, weil er wegen Corona nicht anreisen durfte. Obwohl der Film über ein katholisches Zeltlager im Herzen Oberschwabens, wo über ein rassistisches Lagerfeuer-Lied eine Diskussion entbrennt, nur vier Tage vor der Einreichung komplett umgeschnitten werden musste, konnte auch die neue Version überzeugen. Darin verleiht Krug nun in einem Monolog der Hoffnung Ausdruck, dass die künftigen Kinder mit seiner farbigen Ehefrau keiner Diskriminierung ausgesetzt sein werden. Der bisher mit 500 Euro dotierte Preis wurde von der Bürgerstiftung auf 1000 Euro aufgestockt.

„Für Kaufbeuren sind wir im Rahmen der Corona Abstandsregeln fast die ganze Woche ausverkauft gewesen und mussten vielen absagen. Für Kempten und Immenstadt liegen die genauen Zahlen noch nicht vor. Insgesamt sind wir aber sehr zufrieden mit der Zuschauer-Resonanz“, zieht Birgit Kern-Harasymiw die Bilanz der 13. Kaufbeurer Filmzeit, es habe ein tolles Feedback auch von allen anwesenden Filmleuten gegeben. Für die Zukunft könne man aber durchaus noch ein paar helfende Hände gebrauchen...

Ingrid Zasche

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