Leerräume werden kreative Kunsträume

Preisverleihung des Kulturrings schließt Kunstprojekt „Zwischen_Raum“ eindrucksvoll ab

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Freuen konnten sich Karl Engelhardt (v. li.) für den zweiten Preis seiner beiden Töchter Priska und Sharon, Moritz Vordermeier über den 3. Platz, Bertram Maria Keller über den Publikumspreis und Rainer Hahn über den Hauptpreis.

Kaufbeuren – Die Not war die Tür zu einer kreativen Idee. Neben den Theater- und Konzertangeboten ist eine alljährliche Kunstausstellung das traditionelle dritte Standbein des Kaufbeurer Kulturrings, erklärte Manfred Knoll als Vorstandsmitglied die Entstehung dieses Kunstprojekts. Das Problem für eine regelmäßige Ausstellung stellten immer die fehlenden Räume dar. Da boten sich die vielen leerstehenden Geschäftsräume in diesem Jahr geradezu an.

Kein Problem, die Kulturförderung der Stadt und den Fonds Soziokultur als Sponsoren für die insgesamt 4000 Euro Preisgeld zu gewinnen, als es darum ging, das kulturelle Leben im Zentrum der Stadt mit dem Kunstprojekt „Zwischen_Raum“ zu beleben.

So stellten während der drei vergangenen Monate auf Initiative des Kulturrings etwa 40 Künstler in den Schaufenstern von leerstehenden Geschäftsräumen ihre kreativen Werke aus und machten so die Kaufbeurer Innenstadt zu einem künstlerischen Erlebnisraum. Am vergangenen Samstag vergab die Jury, bestehend aus Prof. Oliver Reuter, Christian Hörl, Harry Vogel, Petra Weber und Jan Wilms, am Ende der dritten Staffel die drei Hauptpreise über 3500 Euro.

Gelungene Preisverleihung

Manfred Knoll, der sich für dieses Projekt sehr engagierte, begrüßte in den ehemaligen Geyrhalter-Geschäftsräumen in der Kaiser-Max-Straße die vielen Besucher und sagte seinen Dank an alle Beteiligte. Petra Weber, Leiterin des Stadtmuseums, überbrachte die Grußworte des verhinderten Stadtoberhaupts. Zusammen mit Jurymitglied Christian Hörl moderierte sie informativ und konzentriert sowohl den Ablauf des Projekts als auch die Begründung der Jury.

Zufrieden erklärte die Historikerin, dass die Entscheidungen für die drei Jurypreise klar, einhellig und ohne große Diskussionen getroffen wurden. Bei so vielen kreativen und einfallsreichen Schaufensterausstellungen war so mancher Besucher wohl überrascht über diese Aussage. Bei der Vergabe der Preise ging es nach Webers Erklärung sowohl um künstlerische Kriterien als auch um den originellen Umgang mit der vorgegebenen Thematik: „Was kann aus Leerraum Positives entstehen?“

Sie wies drauf hin, dass diese Kunstaktion durch viele Einzelveranstaltungen, Diskussionen und Workshops begleitet und bereichert wurde. So hatte man beispielsweise auf Initiative des Kaufbeurer Kreativisten Ralf Sobolla in unmittelbarer Nachbarschaft des Rathauses ein Wunschzimmer eingerichtet, in dem die Kaufbeurer Bürger zwei Tage lang mit ihren Wünschen und Zukunftsträumen eine ganz Wand füllen konnten. Diese Anregungen sollen in naher Zukunft dem Oberbürgermeister übergeben werden.

Wichtig war es den Initiatoren, dass die Bevölkerung aktiv in die Aktion mit einbezogen wurde. So konnten die Bürger auf vorgedruckten Kärtchen wie bei einer Wahl oder im Internet für ihren Lieblingskünstler entscheiden. Bei fast 400 Rückmeldungen gewann Bertram Maria Keller auf diese Weise den Publikumspreis über 500 Euro. Das Multitalent aus Marktoberdorf konnte wohl beim Publikum durch seine Vielseitigkeit, seine zeitnahe Kunst und nicht zuletzt durch seine drei Begleitveranstaltungen punkten.

Drei Jurypreise über insgesamt 3500 Euro

Der erste Preis über 1500 Euro ging an den 61-jährigen Rainer Hahn, der jetzt in München zu Hause ist und dort Kunst unterrichtet. Zwölf Jahre war er am hiesigen Jakob-Brucker-Gymnasium. In einer Mischung aus Fotografie und abstrakter Malerei versucht er verschiedene Stadien der Entstehung seiner Kunstwerke und die ständige Veränderung seiner Motive zu betonen. Er geht mit seinem künstlerischen Werk unter anderem den Fragen nach „Wie nehmen wir Wirklichkeit wahr?“ und „Wie verändert sich die Wahrnehmung entsprechend der eingenommenen Perspektiven?“.

Beim zweiten Preis von zweimal 750 Euro entschied sich die Jury für die Geschwister Priska und Sharon Engelhardt. Da beide jungen Frauen derzeit im Ausland Kunst studieren, wurden Urkunden und Preisgeld an den Vater Karl Engelhardt übergeben. Sharon Engelhardt will ihre Installationen als konsumkritisch verstanden wissen. Ihre Schwester Priska schreibt im Konzept zu ihrem Werk: „Vogelkörper, aus Keramik, eingeschweißt in Vakuumbeutel, aus denen jemand langsam die Luft gelassen hat“. Symbolisch stellt sie so in einer aufrüttelnden Metapher dar, was passiert, wenn einer Stadt nach und nach die Grundlage der Existenz genommen wird.

500 Euro und die Urkunde über den dritten Preis gingen an Moritz Vordermeier. Er konnte die Jury mit eindrucksvollen Fotografien beeindrucken. Das besondere an diesen Bildern ist, dass sie mit der Technik des 19. Jahrhunderts aufgenommen wurden. Durch die vergleichsweise langen Belichtungszeiten, erklärt der Künstler, hätte man bei den Fotos den Eindruck „Menschen selbst in die Seele“ zu schauen.

Kulturelles Highlight

Mit dieser Abschiedsveranstaltung wurde der Kulturring seinen eigenen hohen Qualitätsansprüchen gerecht. Die beiden Musiker Markus und Andreas Kerber boten als Gruppe „Kerberbrother Alpenfusion“ weit mehr als die übliche Pausenunterhaltung. Virtuos brachten sie mit immer neuen Instrumentenvariationen sowohl flotte als auch klassisch-beschauliche Stücke zu Gehör.

Gegenüber unserer Zeitung zeigte sich Vorstandsmitglied Manfred Knoll mit der ganzen Aktion mehr als zufrieden. „Es ist uns gelungen, einige Impulse im Stadtbild zu setzen, und die Situation voranzubringen, dem zunehmenden Leerstand etwas entgegen zu setzen“.

von Peter Suska-Zerbes

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