"Bayerisches Grusical" feiert Premiere

Die Vampertinger

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Vampir Graf Krolock (Helmut Götz) ist sehr angetan von der Wolpertingerin ‚Wolpi‘ (Andrea Murk), die ihre Hörndl züchtig unterm Hut versteckt hat.
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Die Kinder von ‚Wolpi‘ und Krolock sind fünf Vampir-Wolpertinger-Mischlinge, die ‚Vampertinger‘ (von links) Kare (Rhys Barthram), Lucke (Philipp Höbel), Fonse (Jonas Bucher), Grole (Jakob Bartenschlager), und Zenzi (Susi Kohrn).
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Krolock saugt nur noch an Hasen und Rehen „und gelegentlich an einem Wurm“.
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(von rechts) Kare (Rhys Barthram), Lucke (Philipp Höbel) und Grole (Jakob Bartenschlager) verteidigen ihre Zuzel-Aktion: „...aber die wollten doch Wolpertinger fangen – das konnten wir doch nicht zulassen...“
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Die reinrassigen Wolpertinger mögen die Vampir-Mischlinge auch nicht besonders.
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Vampertingerin Kreszentia ‚Zenzi‘ (Susi Kohrn) hat ihre Hörndl in der Frisur versteckt und flirtet unverhohlen mit dem Reisebüro-Azubi Axel (Alexander Neumann).
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Die immer zu Schabernack aufgelegte, jedoch im Grunde gutmütige Durlhex (Panja Martin) erinnert mit den roten Wuschelhaaren und einer exaltierten Stimme stark an Pumuckl.
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Fassungslos betrachten Gendarm Hias (Markus Schindele, links) und die Sennerin (Birgit Steuer) den braven Polizisten Hans (Horst Rettenmayr), der mit der Durlhex das ‚wahre Leben‘ kennengelernt hat und jetzt nur noch so richtig die Sau rauslassen will.

Kaufbeuren-Großkemnat – Endlich weiß man, wie Wolpertinger aussehen – sie haben ein buntes Fell, Hörndl, Nagezähne und Klauen. Der „Theaterverein Burgspiele Kemnat e. V.“ hat vergangenen Samstag in seiner jüngsten Premiere „Die Vampertinger“ gleich ein halbes Dutzend der scheuen bayrischen Fabelwesen auf der Bühne gezeigt.

Mit leichter Hand und in bester Bauerntheater-Manier hat Regisseur Johannes Höbel das Singspiel von Gerlinde Wöhrl (Text) und Harry Kulzer (Musik) inszeniert und dabei gleich zwei besondere Schwierigkeiten gemeistert: Zum einen waren mit über 30 Darstellern, Musikern, Souffleusen und Technikern ungewohnt viele Menschen zwischen 14 und 77 Jahren im gar nicht so großen Theaterstadel zu dirigieren, und zum anderen war Höbel erstmals mit Live-Musik und Gesang auf der Bühne konfrontiert. „Das konnte ich aber bloß, weil ich in unserem musikalischen Leiter Andreas Böhme so einen kompetenten Partner hatte“, meinte Höbel bescheiden. Schallendes Gelächter, häufiger Szenenapplaus und lang anhaltender Schlußbeifall des Premierenpublikums belohnte die Mitwirkenden im ausverkauften Theaterstadel.

Das Stück handelt auf vergnügliche Weise von den Schwierigkeiten der Integration in eine festgefügte, traditionsgebundene Gemeinschaft und dem Schutz von andersartigen Minderheiten. Der „zuagroaste“ Vampir Graf Krolock (Helmut Götz) verliebt sich in die auf dem Scharfreuter im Karwendelgebirge lebende Wolpertingerin „Wolpi“ (Andrea Murk). Obwohl der Berggeist Bluthardt (sehr authentisch Ewald Grotz) dagegen ist – „der Bluatzuzler, der preißische, der g’hert net daher!“ –, tun sich Wolpi und Krolock zusammen und bekommen fünf Kinder – die Vampertinger Kare (Rhys Barthram), Lucke (Philipp Höbel), Grole (Jakob Bartenschlager), Fonse (Jonas Bucher) und die hübsche Kreszentia, genannt Zenzi (Susi Kohrn). Sie haben Hörndl wie ihre Mutter und Blutdurst wie ihr Vater.

Der allerdings hatte, damit es keine Schwierigkeiten mit dem Volk im Tal gibt, Wolpi schwören müssen, nur noch an Hasen und Rehen „und gelegentlich an einem Wurm“ zu saugen, anstatt Jagd auf Sommerfrischler zu machen. Da jedoch den mutwilligen jungen Vampertingern die Pilz-, Gemüse- und Wilddiät überhaupt nicht schmeckt, fangen sie sich heimlich immer wieder einmal ein paar Touristen zum Blutzuzeln.

Aus der Gaudi wird unversehens Ernst, als nach ihrer jüngsten Zuzelaktion Gendarmen (urkomisch Markus Schindele und Horst Rettenmayr) den Berg auf der Suche nach zwei vermissten Sommerfrischlerinnen durchkämmen. Jetzt kann nur noch die immer zu Schabernack aufgelegte, jedoch im Grunde gutmütige Durlhex (stark an Pumuckl erinnernd Panja Martin) mit ihren Streichen und nicht zuletzt ihren Zauber-Elixieren helfen. Zu allem Überfluss verliebt sich Zenzi unpassenderweise in den Reisebüro-Azubi Axel (Alexander Neumann als klassischer jugendlicher Liebhaber), der Sommerfrischler zu Abenteuertouren mit Wolpertingerjagd auf den Berg führt. Und Fonse, der jüngste Vampertinger, lässt sich erwischen und landet in der Wolpertinger-Ausstellung des Heimatmuseums. Zum Glück erstarren Wolpertinger, wenn sie gefangen werden und müssen deshalb nicht ausgestopft werden.

Wie nun Graf Krolock seinen Sohn und die übrigen Wolpertinger aus dem Heimatmuseum befreit, wie ihre Erstarrung rückgängig gemacht wird, wie Krolock „nur aus Notwehr“ die Museumsleiterin (Brigitte Gans) anknabbert, wie er die Anerkennung des wortkargen Berggeists Bluthardt gewinnt und von ihm mit Handschlag in die Gemeinschaft der Scharfreuter-Bergbewohner einschließlich einer Sennerin (Birgit Steuer) aufgenommen wird, wie Zenzi ihren Axel kriegt und wie sich – es ist ja schließlich eine Gruselkomödie – am Ende alles zum Guten wendet, das muss man sich schon selbst ansehen. Das unterhaltsame Stück wird noch bis zum 21. Oktober aufgeführt.

von Ingrid Zasche

Aufführungstermine:

6., 7., 8., 13., 14., 15. (15 Uhr), 20., 21. Oktober jeweils um 20 Uhr im Theaterstadel Großkemnat

Vorverkauf: Pianofactum, Schmiedgasse 23, Kaufbeuren

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