Macher von ein "Ein Tollhaus" im Kreisboten-Gespräch zum missglückten Premierenabend

Konzept nicht aufgegangen

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Blick von der Bühne in den Zuschauerraum – eine ungewöhnte Perspektive für Theaterbesucher.

Kaufbeuren – Empört hatten bei der Wiedereröffnung des Stadttheaters mit der Premiere von „Ein Tollhaus“ (wir berichteten) viele Besucher das Theater schon in der Pause verlassen, nachdem sie teilweise ihrem Unmut gegenüber den Darstellern deutlich Luft gemacht hatten.

Das Dargebotene hatte ganz offensichtlich nicht ihren Ansprüchen an eine Wiedereröffnungs-Gala genügt. Der Kreisbote sprach mit Johanna Klüpfel, der Projektleiterin für „Ein Tollhaus“, noch einmal über das zugrunde liegende Konzept, über die mutmaßlich für den Misserfolg verantwortlichen Faktoren und die daraus gezogenen Konsequenzen. „Wir sind alles andere als glücklich mit dem Eröffnungsabend. Leider ging unser Konzept nicht auf. Wir wollten kein fertiges Bühnenstück präsentieren, sondern eine Performance, die gemeinsam von allen Beteiligten erarbeitet wurde. Als erstes Projekt der Theater- landschaften Kaufbeuren sollte die Aufführung der Aufbruch in eine neue Zusammenarbeit der Kaufbeurer Theaterszene sein. Gleichzeitig wollten wir die bauliche Umgestaltung erlebbar machen und konkret mit in die Performance einbeziehen. Die Vorstellung sollte nicht besonders progressiv oder provokativ sein, sondern vielmehr den Ehrengästen einen unterhaltsamen Abend bieten. Das ist uns nicht gelungen“, sagte die junge Kulturamtsmitarbeiterin und fuhr fort: „Es war nicht unsere Absicht, den Gästen den Abend zu verderben oder sie lächerlich zu machen. Wir wollten nicht beleidigen, nicht verstören und uns schon gar nicht über das Publikum erhöhen.“ 

Bei der noch am Premierenabend abgehaltenen Krisen- sitzung war klar, dass der Abend nicht nach den Vorstellungen von Veranstaltern, Regisseuren und Darstellern verlaufen ist. Besonders die Darsteller - „Menschen aus unserer Stadt, Menschen, die in ihrer Freizeit Theater spielen, die für diesen Abend viel Kraft und Liebe aufgewandt haben“ – seien „zutiefst erschüttert“ gewesen ob der ihnen von einigen Besuchern offen entgegen gebrachten Aggression. Man habe das Provokationspotential nicht so eingeschätzt. Ohne den Abend schönreden zu wollen, sei es den Machern nun wichtig, das Urteil um einige Aspekte ergänzen zu dürfen. Im Nachhinein sehe man, dass weder das Thema „Tollhaus“ noch das Genre „Performance“ zu den Erwartungen der geladenen Gäste einer offiziellen Eröffnungsfeier gepasst haben. „Es war das falsche Angebot zum falschen Zeitpunkt. Die Diskrepanz zwischen Erwartung und Angebot war zu groß, Enttäuschung war vorprogrammiert“, so Klüpfel.

Darüber hinaus dürften auch das technische Versagen des Aufzuges und der Lautsprecheranlage und eine falsche zeitliche Taktung vor der Pause dazu geführt haben, „das Publikum dramaturgisch orientierungslos und verunsichert zurückzulassen“. 

Für die Folgeveranstaltungen hat die Regie deshalb den ersten Teil um fast eine halbe Stunde gekürzt und anstelle der akustisch untergegangenen, teils künstlerischen, teils organisatorischen Lautsprecheransagen vom Band diese Texte mit einem zusätzlichen Mikrofon life sprechen lassen. Außerdem wurden Handzettel mit Informationen verteilt. Diese Vorstellungen seien dann – „unabhängig von einem künstlerischen Urteil“ – zufriedenstellend verlaufen. 

In künstlerischer Hinsicht schließlich zähle nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Prozess. Es sei sehr schade, dass dessen positive Seiten in der allgemeinen Aufregung weitgehend unbemerkt geblieben seien: Die Chancengleichheit der Theatergruppen, ein für sie maßgeschneidertes Stück, der Mehrwert für die einzelnen Darsteller, die Einbindung des Gebäudes und Raum für Experimentierfreude. „Das Stück spielt mit Bildern und Momenten der Entschleunigung, des zur-Ruhe-Kommens, des Drängens und Zögerns, von der Suche und Sehnsucht nach Veränderung“, erläuterte Johanna Klüpfel. Variationen zum Thema „La Paloma“ sollten zum Beispiel die Wiederkehr des immer Gleichen symbolisieren und Spiele wie „Blinde Kuh“ die Kraft der Fantasie aus Kindertagen. 

Das Risiko zu scheitern sei der Kunst immanent, variierte Johanna Klüpfel einen oft benutzten Satz. Wer Kunst mache oder fördere, müsse bereit sein, dieses Risiko zu tragen. Aber obwohl der Eröffnungs-Abend missglückt sei, halte man das Projekt „Tollhaus“ insgesamt nicht für gescheitert, fasste sie zusammen: „Aus einer heterogenen Projektgruppe ist eine eingeschworene Gemeinschaft geworden. Die persönliche Bilanz der Arbeit mit den beiden professionellen Regisseuren fällt bei allen Beteiligten positiv aus. Und es wurden Kontakte zwischen verschiedenen Vereinen geknüpft, die im Moment schon konkret in die Tat umgesetzt werden.“

Von Ingrid Zasche

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