Das Profil noch stärker schärfen

Sie hat viele Ideen und scheut sich nicht diese mit ihrem Team umzusetzen: Maria Mascia (43) ist die neue Leiterin des Bildungszentrums Pforzen, einer Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Schwaben.

Zum 1. März hat Robert Janknecht-Roelfs die Leitung abgegeben und sich in den Ruhestand verabschiedet. Die verschiedenen Aufgaben seien Mascia allerdings nicht fremd, da ihr Vorgänger stets einen „sehr demokratisch-partnerschaftlichen Führungsstil“ gepflegt habe. Außerdem ist die 43-Jährige seit 1999 als pädagogische Mitarbeiterin bei der Bildungsstätte angestellt. Für sie steht fest, dass als Bildungsstätte „Bildungsbedarfe frühzeitig erkannt werden und in Angeboten umgesetzt werden müssen“. Die Bildungsstätte, die es seit 1983 gibt, basiert auf drei Säulen: Fort- und Weiterbildung im Bereich Altenpflege sowie im Bereich Kindertageseinrichtungen und Gastbelegungen. Mascias Vorhaben ist es in der Altenpflege den Punkt der „Palliative Care“ auszubauen. „Das ist ein Thema, das in der Region vernachlässigt wurde und noch immer wird“, unterstreicht die Leiterin. Bei der Palliative Care steht die ganzheitliche Versorgung sterbender und schwerstkranker Menschen im Vordergrund - beispielsweise die Linderung von Schmerzen, Atemnot oder Erbrechen. In den letzten drei Tagen vor dem Tod leiden über 70 Prozent der Menschen an Atemnot, berichtet Mascia. Ganzheitlich bedeutet in der Palliative Care, dass auf vier Dimensionen die schwerstkranken oder sterbenden Menschen betreut werden und zwar auf sozialer, körperlicher, spiritueller und seelischer Ebene. Seit sechs Jahren bietet die Bildungsstätte Pforzen, als einzige Einrichtung im größeren Umkreis, zwar Weiterbildungen für Pflegekräfte an, dennoch müsse „das Profil noch geschärft werden“. Bei der Ausweitung des Themas kommt der Leiterin vor allem ihre eigene Bildung „total entgegen“. Sie ist gelernte Krankenschwester und studierte Sozialpädagogin, hat einen Masterabschluss im Bereich der Erwachsenenbildung und schließt im Juli ihren Masterstudiengang Palliative Care an der Universität Wien ab. Durch ihre Kontakte zur Uni Wien hat sie es auch geschafft in der neuen Broschüre „Seminargrogramm Palliative Care“ eine Weiterbildung anzubieten, die fachlich von der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung Palliative Care und Organisations-Ethik der Alpen-Adria Universität Wien-Klagenfurt unterstützt wird. „Die Uni stellt einige Referenten und ist auch bei der Zertifizierung dabei“, sagt Mascia. „Ein totales Stiefkind“ sei auch das Thema Palliative Care bei Menschen mit geistiger Behinderung. Auch dazu gibt es eine Weiterbildung im Seminarprogramm 2010. Einen weiteren Schwerpunkt will die 43-Jährige auf die „In-House-Schulungen“ legen. Vorteil bei diesen sei, dass sie mit wenig Aufwand in den Häusern durchzuführen seien. Auch die individuellen Probleme vor Ort sowie „was drückt den Praktiker“ können besprochen und behoben werden. Gerne ist sie auch bereit in den einzelnen Häusern Projekte anzubieten. So habe sie beispielsweise in den vergangenen zwei Jahren in Göggingen das Projekt „Implementierung einer Sterbekultur“ durchgeführt. Dieses sei gerade ausgelaufen und es wurden während der Projektphase Strukturen entwickelt, so dass man jetzt sagen könne: „Hier kann gestorben werden.“ Die Nachhaltigkeit solcher speziellen Projekte sei „viel größer“ als bei einzelnen Seminaren. Nicht nur mit den 24 Alten- und Pflegeheimen sowie den 34 Kindergärten der AWO-Schwaben arbeite die Bildungsstätte zusammen, sondern „wir sind prinzipiell offen für alle“, betont Mascia. „Die wissenschaftlich-aktuellen Erkenntnisse einbauen“, ist für die Leiterin Pflicht bei der Entwicklung des Bildungsangebotes. Jährlich zirka 47 Weiter- und Fortbildungen im Bereich Altenpflege, wie Weiterbildung zur Altentherapeutin oder gerontopsychiatrischen Pflegekraft und Fortbildungen in Sachen Morbus Parkinson oder Psychopharmaka, werden in der Bildungsstätte Pforzen angeboten. Im Bereich Kindertageseinrichtungen sind es rund 28 Angebote. Im Schnitt seien „25 Leute pro Tag da“. Hinzu kommen noch die Gastbelegungen, meistens über das Wochenende. Diese nutzen die 24 Zimmer, wovon allerdings nur acht mit einer Nasszelle ausgestattet sind. Doch das Schwimmbecken, das auch für Menschen mit Behinderung bestens geeignet ist, „die liebevolle Atmosphäre, die freundlichen Mitarbeiter und das gute Essen“ machen den älteren Standard wett. Deshalb ist Mascia völlig „zufrieden mit der Belegung“.

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