Startpunkt gesetzt

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Diskussion am Obstmarkt: Viele Anregungen wurden vom Planungsbüro gleich aufgenommen.

Kaufbeuren – Der Anlass konnte kaum passender sein: Zum deutschlandweit durchgeführten „Tag der Städtebauförderung“ eröffnete Oberbürgermeister Stefan Bosse das neue Projektbüro im Zuge der geplanten Sanierung der Fußgängerzone. Dieses Büro dient während des gesamten Sanierungsprozesses als Informationsstelle für alle Betroffenen und Bürger.

Im Anschluss fand ein Rundgang durch die Fußgängerzone mit Verantwortlichen der Stadt und inter- essierten Bürgern statt. Dadurch sollte den Teilnehmern die Möglichkeit gegeben werden, sich mit Kritiken und Ideen zur Fußgängerzone einzubringen. 

In seiner Begrüßung im Beisein von Vertretern der Stadtverwaltung und einigen ausschließlich weiblichen Stadträten erläuterte der OB den sogenannten „Fünf-Punkte-Plan“ (wir berichteten) im Rahmen der Bürgerbeteiligung für das Mammutvorhaben „Sanierung der Fußgängerzone“. Die bereits abgeschlossene Bürgerumfrage und die Eröffnung des Projektbüros gehören ebenso dazu wie Internetauftritte über den Baufortschritt oder die geplante Bürgerwerkstatt, in der jeder Bürger zu Wort kommen soll. „Wir können nicht alle Wünsche erfüllen, aber möglichst viele und versuchen, alles aufzunehmen“, so die Stadtspitze. 

Den nachfolgenden Spaziergang durch die Fußgängerzone sah er als Möglichkeit für „neue Perspektiven und Aspekte, die sich nicht auf den ersten Blick erschließen“. Dr. Manfred Heider vom gleichnamigen Büro für Standort- und Wirtschaftsberatung in Augsburg erklärte die Notwendigkeit des Projektbüros: „Es ist wichtig, für ein derartiges Vorhaben eine neutrale Anlaufstelle für Kunden, Eigentümer und Inhaber vor Ort zu haben“. Ansprechpartner ist Daniel Abben- seth. 

Das Büro am Salzmarkt 6 liegt praktisch im Herzen der zukünftigen Sanierungsmaßnahme und wird zunächst nur donnerstags am Vormittag besetzt sein. In der Bauphase soll die Präsenz erhöht werden und mit fachlicher Kompetenz für Detailfragen und deren Umsetzung zur Verfügung stehen. 

Rundgang mit mehreren Stationen 

Beim anschließenden Rundgang unter Führung von Baureferent Helge Carl brachten sich die Teilnehmer in intensiven Gesprächen mit Beiträgen und Ideen ein. Erste Station war der Platz an der Einmündung des Kaisergässchens in den Salzmarkt. 

Früher befand sich dort ein Blumenarrangement mit alten Straßenlaternen und Sitzgelegenheiten. Heute stehen dort in unmittelbarer Nähe zum Stadtmuseum eine Bank (mit Blick zu Schaufenstern) und das Wolkenhaus. Carl sprach von einem „kleinen, feinen Platz mit der Möglichkeit zur Schaffung von Aufenthaltsqualität“. Die Teilnehmer kritisierten den sichtbaren Leerstand und stellten fest, es fehle in der gesamten Fußgängerzone vor allem an Sitzgelegenheiten auch ohne Verzehrzwang.

 Ähnlich stellt sich die Situation an der Urzelle Kaufbeurens, am Obstmarkt, dar. Ehemals vorhandene Bänke fehlen und ein gewerblicher Nutzer belegt nahezu die Hälfte des historischen Platzes, darunter ein budenartiger Stand. 

Auch der Tänzelfestbrunnen mit ergänzenden Sitzgelegenheiten rückte in den Fokus der Betrachtung. „Der Brunnenstandort ist nicht fest zementiert“, so der Referatsleiter im Hinblick auf eine mögliche Verlagerung. Dr. Heider sieht im gesamten Bereich aber auch die angrenzenden Eigentümer in der Pflicht: „Sie müssen mitziehen.“ 

Kritisiert wurde ebenso die teilweise überzogene Warenpräsentation vor Geschäften. Das Interesse der Bevölkerung war mit rund 20 Teilnehmern allerdings erstaunlich gering. Bleibt nur zu hoffen, dass die Veranstaltungen der Bürgerwerkstatt besser genutzt werden, denn viel mehr Möglichkeiten für das Einbringen eigener Ideen und Wünsche wird es wohl kaum geben.

von Wolfgang Becker

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