Veranstalter „Pax Europa“ kontra friedliche Demonstranten 

Protest gegen „Islam-Aufklärung“

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Bunte Luftballons wurden vom Stadtjugendring verteilt.

Kaufbeuren – Die Kaufbeurer Fußgängerzone zeigte sich am vergangenen Samstag bunt wie schon lange nicht mehr. Dafür sorgte eine Vielzahl an Besuchern, welche der angekündigten Informationsveranstaltung am Obstmarkt zum Thema „Aufklärung über den Islam und DITIB“ beiwohnten.

Michael Stürzenberger (Mitte) bei seinem Vortrag „Aufklärung über den Islam“.

Der größte Teil – bestehend aus verschiedenen Organisationen hatte vermutlich weniger Interesse an der Veranstaltung der „Bewegung Pax Europa“ (BPE) zum Thema „Aufklärung über den Islam und DITIB“, sondern äußerte mit viel Lärm seinen Unmut über die Vorträge von BPE-Gründer Michael Stürzenberger und seines Gastredners Wolfgang Rotter vom AfD-Kreisverband Ostallgäu. Eine starke Polizeipräsenz im Bereich der Fußgängerzone und am Obstmarkt sorgte von Anfang bis Ende für eine Distanz zwischen den Parteien.

Klare Regularien durch den vorgeschriebenen zehnminütigen Wechsel zwischen Ansprachen und Pausen beherrschten den Ablauf der Veranstaltung von Initiator Stürzenberger, der sich mit Plakaten und einer Lautsprecheranlage eine Bühne geschaffen hatte. Dabei fiel es ihm schwer, gegen das Pfeifkonzert und die Buhrufe anzukommen, sodass häufig nur Fragmente seiner Ausführungen zu verstehen waren. Er äußerte im Wesentlichen seine Meinung gegen den Islam und scheute dabei auch nicht die Vergleiche mit der Diktatur des Nationalsozialismus, der „im Islam verehrt“ werde. Der türkische Präsident Erdogan sei „kurz vor dem Ziel der Islamdiktatur“ und laut Stürzenberger sei der Islam „keine Religion, sondern eine Ideologie“ und er sprach von einer „anarchistischen Medaille“ mit „Krieg zur Durchführung der eigenen Ziele“. Seine eigene Bewegung bezeichnete er als „konservative Patrioten“ und „nicht rechtsradikal“.

Bei der Veranstaltung war ein großes Aufgebot örtlicher und auswärtiger Polizeikräfte eingesetzt.

Unterstützung erhielt Stürzenberger durch Rotter, der Schatzmeister im AfD-Kreisverband Ostallgäu und Landtagskandidat seiner Partei ist. Nach eigenen Aussagen sei er nie politisch tätig gewesen, wolle aber mit der AfD in seinem Leben etwas bewegen. Bezogen auf einen möglichen Moscheebau in Kaufbeuren „mit Kuppeln und Türmen und ohne Einnahmen“ hätten es auch „ein paar Räume“ im ehemaligen San-Depot Neugablonz getan. Nach seinen Worten habe Erdogan gesagt, „die Kopftücher unserer Frauen sind unsere Kriegsflagge“ und im Armenienkonflikt „die Hilfsgüter aus christlichen Ländern“ untersagt.

Gegeninitiativen

Der Stadtjugendring hatte zum gleichen Zeitpunkt in die Kaufbeurer Innenstadt eingeladen. Unter dem Motto „Gut – Besser – Bunt“, „Kaufbeuren zeigt Haltung“ und „Farbe zeigen“ verteilte er an den drei Zugängen zum Obstmarkt entsprechend bedruckte Luftballons an die Besucher der Altstadt. Er wollte damit zeigen, dass Kaufbeuren für eine bunte und weltoffene Haltung stehe und kein Platz für rechtspopulistische Meinungsmacher sei.

Hinter Plakaten und von Protesten begleitet: Michael Stürzenberger (Mitte) bei seinem Vortrag „Aufklärung über den Islam“.

Ebenfalls anwesend war die neu formierte Initiative „Kaufbeuren gestalten – statt spalten“, welche nach Aussage ihrer Initiatoren für eine sachliche und ehrliche Diskussion ohne Vorurteile und extremistische Aussagen steht. Sie wolle sich für eine demokratische und tolerante Auseinandersetzung mit dem Thema einsetzen und möchte verhindern, dass die Stadtpolitik durch sachlich falsche Aussagen beeinflusst wird.

Auch die „Kaufbeurer Initiative für Frieden, Internationalen Ausgleich und Sicherheit“ (KIFAS) demonstrierte mit Plakataufdrucken wie „Kaufbeuren zeigt rechtsradikalen Hass­predigern die Rote Karte!“. Zudem hatte sich spontan eine Mischung aller Kaufbeurer Musikkapellen getroffen, um – so deren Aussage – dem Veranstalter „den Marsch zu blasen“. Immer wieder skandierten die Teilnehmer der verschiedenen Gruppen mit dem Sprechgesang „Geht nach Hause, keiner hat Euch lieb“.

von Wolfgang Becker

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