Aktion im Zeichen der Menschlichkeit

Protestcamp der Seebrücke: Salzmarkt wird zum „sicheren Hafen“

Mitglieder der Seebrücke Kaufbeuren
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Die Mitglieder der Seebrücke Kaufbeuren rückten mit ihrer Protestaktion die Notlage der Menschen in den Flüchtlingscamps an den Außengrenzen der EU ins öffentliche Bewusstsein.

Kaufbeuren – Mit ihrem Protestcamp machten die Aktivisten der Seebrücke am Wochenende in der Kaufbeu­rer Fußgängerzone auf die „katastrophale Situation von Flüchtlingen an den europäischen Außengrenzen“ aufmerksam – und setzten damit ein Zeichen gegen die „menschenverachtende Abschottungspolitik“ der Europäischen Union. Besucher konnten während der Aktion vorbeikommen, um ihre Solidarität zu zeigen, eine Kerze anzuzünden oder Botschaften zu hinterlassen. Verschiedene Redebeiträge wurden regelmäßig via Live-Stream in soziale Netzwerke übertragen.

Die Seebrücke ist eine bundesweite Bewegung, die sich für Seenotrettung im Mittelmeer und die Aufnahme geflüchteter Menschen einsetzt. Für die Seebrücke Kaufbeuren ist das Protestcamp die erste öffentliche Aktion der Lokalgruppe. Eine große Menschenansammlung vor Ort war coronabedingt ohnehin nicht vorgesehen, dafür konnten die Beiträge unter dem Hashtag #keinpushbackistlegal online verfolgt werden. „Aufnahme statt Abschottung“ lautete das Motto der Mitglieder, die unter anderem das Ende der Kriminalisierung von Seenotrettung, die Evakuierung der Lager mit ihren menschenunwürdigen Bedingungen und mehr humanitäre Aufnahmeprogramme in Deutschland und Europa fordern.

Kaufbeuren als „sicherer Hafen“

Sie riefen dazu auf, nicht länger wegzusehen, die Augen vor der humanitären Notlage nicht zu verschließen. „Dort, wo die Bundespolitik ihrer Verantwortung nicht gerecht wird, muss die kommunale Politik tätig werden. Wir fordern unsere Stadt Kaufbeuren auf, sich zum sicheren Hafen zu erklären“, so Stadtratsmitglied Christoph Gänsheimer (Die Linke). Die Mitglieder der Bewegung prangern die Menschenrechtsbrüche der EU an ihren Außengrenzen an. „Wir müssen den Druck auf die Staaten an der Grenze erhöhen“, sagt Gänsheimer. Die Initiative wünscht sich dazu eine klare Positionierung seitens der Politik, ein solidarisches Vorgehen und den aktiven Einsatz für die Seenotrettung.

„Menschliche Katastrophe“

Dem schloss sich auch die Kaufbeurer Bundestagsabgeordnete Susanne Ferschl (Die Linke) an, die von einer „menschlichen Katastrophe“ sprach. „Die Menschenrechte werden mit Füßen getreten“, machte sie auf die Dringlichkeit des Themas aufmerksam. Als eines der reichsten Länder müsse Deutschland mit gutem Beispiel vorangehen. „Wir haben Platz“, bekräftigte Ferschl, und so sei es „eine Frage der Menschlichkeit, den Menschen auf der Flucht unter die Arme zu greifen und ihnen einen sicheren Hafen zu bieten“.

„Wir könnten genug Geflüchtete hier in Kaufbeuren aufnehmen“, fand auch Günther Kamleiter vom Arbeitskreis Asyl. Die Flüchtlingscamps seien durch die Ansammlung von Menschen auf engstem Raum außerdem Corona-Hotspots. Indem „weniger egoistisch gedacht“ werde, sei also allen geholfen. Kamleiter lobte insofern die „kreative Aktion der jungen Aktivisten, die sich inmitten der Pandemie für ein so relevantes Thema stark machen“.

Mahi Kola

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