Mordprozess: Angeklagter schweigt

Mit einem Küchenmesser soll ein 38-Jähriger elfmal auf seine Frau eingestochen haben

Prozess im Gericht
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Ein 38-jähriger Mann aus Obergünzburg soll seine Ehefrau in einem Bus getötet haben. Seit letztem Dienstag muss er sich vor Gericht wegen Mordes verantworten.

Kempten/Obergünzburg – Ein vierfacher Vater afghanischer Herkunft wird beschuldigt, am 6. Juli des vergangenen Jahres in einem Regionalbus von Kempten Richtung Obergünzburg seine Ehefrau heimtückisch mit einem Küchenmesser getötet zu haben. Am vergangenen Dienstag begann vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Kempten die Hauptverhandlung. Das öffentliche Interesse war groß, es bildete sich eine lange Warteschlange vor dem Gerichtsgebäude.

Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, sei es im Vorfeld des Tattags zu verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen zwischen dem damals 37-jährigen Angeklagten, dem 27-jährigen Opfer sowie der gemeinsamen Tochter gekommen. Bereits damals soll er ein Messer in die Hand genommen und gegenüber der Tochter gedroht haben, ihre Mutter erstechen zu wollen. Es folgten auch nach damaligem Platzverweis weitere verbale Drohungen durch den Angeklagten, weshalb es diesem untersagt wurde, sich in der Nähe der Wohnung und der Ehefrau aufzuhalten.

Bereits seit Anfang November 2019 wohnte der von seiner Frau getrennt lebende Mann wieder in einer Flüchtlingsunterkunft in Obergünzburg. Eine Freundin des Opfers, die vor Gericht als Zeugin aussagte, bestätigte, dass die Frau in ständiger Angst vor ihrem Ehemann gelebt habe, dieser sehr eifersüchtig gewesen sei und ihr vorgeworfen habe, fremdgegangen zu sein.

Auf der Heimfahrt vom Deutschkurs

Infolgedessen habe der Angeklagte einen „erheblichen Groll“ gegenüber seiner Frau entwickelt, insbesondere, weil er sich daran gestört haben soll, seiner Rolle als Familienoberhaupt nicht weiter gerecht werden zu können und er nach eigener Aussage dadurch in der afghanischen Gemeinde an Ansehen verloren habe, wie aus der Anklageschrift weiter hervorgeht. Der Mann habe daher den Entschluss gefasst, am Tattag seine Frau auf der Heimfahrt vom Deutschkurs in einem Bus zu töten. Da er den Tagesablauf des Opfers kannte, sei er erst später in den Regionalbus zugestiegen. Im Laufe der Fahrt habe er sich seiner Frau von hinten genähert und diese vor den Augen der als Zeugin auftretenden Freundin und zehn im Bus mitgefahrenen Schulkindern mit elf Messerstichen getötet. Da der Angeklagte sie zuvor nicht angesprochen habe und sich ihr außerhalb ihres Blickwinkels genähert habe, sei die Frau von dem Angriff so überrascht gewesen, dass sie keinerlei Gegenwehr habe leisten können, wie in der Anklageschrift zu lesen ist.

Der Freundin sei aufgefallen, dass der Ehemann des Opfers bereits einen sehr nervösen Eindruck gemacht habe, als er in den Bus einstieg. Als es zur tätlichen Auseinandersetzung kam, sei sie so schockiert gewesen, dass sie selbst nicht hätte eingreifen können. Sie habe es nur geschafft, den Namen des Opfers zu rufen, in der Hoffnung, dass diese sich wehre.

Der Busfahrer geht dazwischen

Auch der damalige Busfahrer trat in den Zeugenstand und gab an, dass es im Rückspiegel zuerst so ausgesehen habe, als würden sich zwei Kinder prügeln, weshalb er den Bus angehalten habe. Als er dann die Situation habe erkennen können, sei er eingeschritten, wodurch er letztlich zusammen mit dem Angeklagten „aus dem Bus rausgeflogen“ sei. Während der Angeklagte weggerannt sei, sei er zurück in den Bus gegangen, habe die Türen verschlossen und die Polizei gerufen.

Die das Opfer obduzierende Ärztin schilderte ebenfalls vor Gericht die ausweglose Lage der Frau und bestätigte mindestens elf Messerstiche gegen den Kopf, die Brust, den Rücken und den Oberarm. Die wohl tödlichste Verletzung und somit Todesursache sei mit hoher Wahrscheinlichkeit der Stich ins Herz gewesen. Doch auch die weiteren Verletzungen, unter anderen der Lunge, hätten zu einer geringen Überlebenschance geführt. Die Ärztin habe während der Obduktion keine Abwehrverletzungen seitens des Opfers feststellen können.

Der Angeklagte, der selbst vor Gericht keinerlei Angaben machen wollte, sitzt seit dem 7. Juli 2020 in der JVA Kempten in Untersuchungshaft. Weitere drei Verhandlungstermine sind bis zur Urteilsverkündung angesetzt. Der Kreisbote wird berichten.

Dominik Baum

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