Angeklagter gesteht Tat

+
Zum Gedenken an das 23-jährige Opfer legten im April viele Bürger Blumen am Tatort ab. Darüber hinaus fand am Pfingstsonntag ein Trauermarsch mit mehreren hundert Menschen statt.

Kaufbeuren/Kempten – Diese Tat erschütterte im April Kaufbeuren. Ein 50-Jähriger sticht bei einem Streit mit einem Messer vor einer Sportsbar in Neugablonz zu, trifft das Herz eines 23-Jährigen, der wenig später im Krankenhaus stirbt. Seit Dienstag muss sich nun der mutmaßliche Täter vor dem Landgericht Kempten verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Totschlag sowie gefährliche Körperverletzung vor.

Der Prozess fand unter starken Sicherheitsvorkehrungen statt. Zahlreiche Angehörige und Freunde des Getöteten hatten vor dem Gerichtsaal viele Bilder des 23-Jährigen aufgestellt. Gleich zu Beginn des Prozesses räumte der 50-Jährige die Tat ein, er könne sich aber nur noch bruchstückhaft erinnern. Der Angeklagte zeigte im Gericht Reue: Ihm tue es „unendlich leid“. Er habe vielmehr aus Notwehr gehandelt, weil zuvor ein Freund von ihm niedergeschlagen worden sei. 

Auslöser des Streits zwischen dem Russlanddeutschen und den vier türkischstämmigen Männern war offenbar, dass der 50-Jährige verbotenerweise in der Sportsbar rauchen wollte. Dann habe sich der Streit nach draußen verlagert, wo es zu dem tödlichen Messerstich ins Herz des 23-Jährigen gekommen war. Der mutmaßliche Täter war zur Tatzeit stark alkoholisiert. Ein Bluttest ergab 1,78 Promille.

Nach Überzeugung der Kemptener Staatsanwaltschaft hat sich das Geschehen wie folgt ereignet:

Gegen ein Uhr brach der Streit erstmals in der Sportsbar aus. Der mutmaßliche Täter war in Begleitung eines Arbeitskollegen dort und wollte unerlaubterweise und trotz Ermahnung durch die Service-Kraft rauchen. Beide sollen vorher schon reichlich Schnaps getrunken haben. 

Heftiger Streit 

Die vier türkischstämmigen Männer spielten zu diesem Zeitpunkt Kicker beziehungsweise Darts. Wenig später mischte sich laut Staatsanwaltschaft die Gruppe um den später Getöteten in die verbale Auseinandersetzung zwischen dem Russlanddeutschen und der Service-Kraft ein. Vor allem zwischen dem späteren Opfer und dem mutmaßlichen Täte entwickelte sich ein Streitgespräch. Immer wieder wurde die Vierer-Gruppe dabei auf russisch beleidigt. Dann zog der 50-Jährige ein Kampfmesser mit breiter und neun Zentimeter langer Klinge und ging auf „aggressiver Art und Weise“ auf das spätere Opfer zu: „Jetzt können wir rausgehen“, soll er demnach gesagt haben. 

Danach beruhigte sich die Situation kurzzeitig. Ob es sich tatsächlich so zugetragen hat, konnte im Prozess am Dienstag bislang nicht abschließend geklärt werden.

Stich in linke Brust 

Laut Staatsanwaltschaft verlagerte sich der Streit irgendwann nach draußen. Ein Freund des mutmaßlichen Täters schlug dort dem späteren Opfer mit beiden Händen gegen die Brust, woraufhin das Opfer ihm ebenso einen Stoß mit den Händen gegen die Brust verpasste. Daraufhin soll ihn der Angeklagte erneut mit dem Messer bedroht haben. Als dann ein Freund des Opfers mit einem Queue bewaffnet wieder aus der Sportsbar kam, ging der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft mit „schnellen Schritten“ auf das spätere Opfer zu und stieß ihm das Messer in die linke Brustseite. Anschließend ging er auf den mit einem Queue bewaffneten Freund des Opfers los und fügte ihm am Hals eine rund fünf Zentimeter lange Schnittwunde zu. Dieser schlug daraufhin auf den 50-Jähigen zweimal mit dem Queue ein, sodass der Stock zerbrach. 

Anschließend floh der Angeklagte, konnte aber wenig später durch die alarmierte Polizei unweit des Tatortes gefasst werden. Zuvor hatte er die Tatwaffe weggeworfen, die die Beamten aber schnell fanden. Der 23-Jährige starb trotz Not-Operation wenige Stunden später im Krankenhaus. 

Der Anklagte selbst sagte in der Verhandlung, dass er niemals jemanden habe töten wollen. Er wisse wie es ist, ein Kind zu verlieren. Seine Tochter sei vor zwei Jahren an Krebs gestorben.

Ein Urteil sprach Richter Christoph Schwiebacher am Dienstag noch nicht. Die Verhandlung wird am kommenden Dienstag, 20. Dezember, fortgesetzt.

Auch interessant

Meistgelesen

Neues Konzept für alten Friedhof
Neues Konzept für alten Friedhof
Einschränkung für Bahnfahrer
Einschränkung für Bahnfahrer
Heimat für begrenzte Zeit
Heimat für begrenzte Zeit
Wer war jetzt der Ideengeber?
Wer war jetzt der Ideengeber?

Kommentare