Kampf um sechs Wochenstunden

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Die Hauptstelle der Psychlologischen Beratungsstelle in Marktoberdorf hat eine Außenstelle in Füssen.

Landkreis – 13.500 Euro jährlich – eigentlich eine Lappalie für den Landkreis. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, entspann sich im vergangenen Jugendhilfeausschuss im Landratsamt Marktoberdorf eine rege Diskussion darüber, ob der Kreis eine Aufstockung der Beratungskapazität an der Psychologischen Beratungsstelle für Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung Marktoberdorf mit Außenstelle Füssen um sechs Wochenstunden genehmigen sollte oder nicht.

In der Sitzungsvorlage war eine Ablehnung empfohlen worden. Vor allem Ilona Deckwerth (SPD) und Gertrud Kustermann (Grüne) setzten sich aber vehement dafür ein, die Aufstockung zu genehmigen und schafften es, die übrigen Ausschussmitglieder zu überzeugen. Zumindest für ein Jahr wurden die zusätzlichen Stunden am Ende genehmigt.

Die Psychologische Beratungsstelle deckt grundsätzlich den Beratungsbedarf im mittleren und südlichen Landkreis ab. Die Stelle ist entsprechend der vom Staat geförderten Personalausstattung derzeit besetzt mit einer Fachkraftstelle Psychologie, zwei Fachkräften für Sozialpädagogik und Verwaltungskräften. Vergleich: Die Beratungsstelle in Kaufbeuren mit ihrer Außenstelle in Buchloe, die den Bereich der Stadt Kaufbeuren und den nördlichen Landkreis abdeckt, verfügt über die gleiche Personalausstattung. Gefördert wird jede Stelle seitens des Staates mit einer Pauschale in Höhe von rund 45.000 Euro.

Der Träger der Marktoberdorfer Beratungsstelle, die Katholische Jugendfürsorge, hatte bereits im Juli den Antrag gestellt, die bisher sechs psychologischen Fachdienststunden, die an der Heilpädagogischen Tagesstätte (HPT) in Füssen vorgehalten wurden, in die Beratungskapazität der Erziehungsberatungsstelle aufzunehmen, da nach dem Wegfall der HPT mit einer erhöhten Anfrage von Familien gerechnet werden müsse. Mit einer Integration der sechs Fachdienststunden könnten demnach Leistungen ausgebaut werden wie die Familienberatung, Elternseminare und -kurse, die Psychologische Unterstützung von Kindertagesstätten oder Familientherapie-Angebote.

Kreisjugendamtsleiterin Petra Mayer argumentierte jedoch für eine Ablehnung des Antrags. So würden zum Beispiel bestimmte Kurse nicht ausgelastet und deshalb zum Teil gar nicht stattfinden. Auch die Kaufbeurer Beratungsstelle komme mit den bestehenden Wochenstunden der Fachkräfte aus.

Hier sprang allerdings Harald Plaschke, Gesamtleiter EJV Kaufbeuren-Ostallgäu und Verbandsvertreter im Jugendhilfeausschuss, in die Bresche. „Der Vergleich Kauf­beuren und Marktoberdorf greift so nicht“, erklärte er. Die Belegung der Kurse in Marktoberdorf und Füssen könne nicht als ausschlaggebendes Argument herangezogen werden, da hier dafür der Anteil der Beratungen überdurchschnittlich hoch sei.

Ilona Deckwerth betonte, ihrer Erfahrung nach sei der Bedarf in Füssen definitiv gegeben. Schließlich müsse ja der Wegfall der Heilpädagogischen Tagesstätte mit in Betracht gezogen werden. Unterstützung erhielt sie von Gertrud Kustermann: „Der finanzielle Aufwand ist für den Landkreis ohne weiteres zu stemmen. Wir brauchen diese Wochenstunden unbedingt. Je früher man anfängt, die Kinder und Jugendlichen zu betreuen, umso besser“.

Wolfgang Eurisch (CSU) waren diese Argumente „zu schwammig“. Er sagte zudem, die geringe Höhe der Förderkosten sei kein Grund für eine Zustimmung – „wenn wir immer so argumentieren, läppert sich schnell einiges zusammen“.

Landrätin Maria Rita Zinnecker zeigte sich den Argumenten zugänglich. Schließlich habe es in diesem Bereich von staatlicher Seite keine Personalsteigerungen mehr gegeben. Eva Severa-Saile vom staatlichen Schulamt und beratendes Mitglied, brachte die Frage auf, ob mit den zusätzlichen Wochenstunden an der Beratungsstelle auch jugendliche Flüchtlinge mit betreut werden könnten. Dies sei jedoch nicht „von einer Erziehungsberatungsstelle zu machen“, stellte Mayer vom Jugendamt klar. Hier gebe es eigene Konzepte.

 Heike Krautloher von der Gleichstellungsstelle des Kreises sah dieses Thema hier aber auch gar nicht im Fokus: „Wenn mit der Betreuung junger Flüchtlinge neue Aufgaben auf den Landkreis zukommen und neue Konzepte sowie mehr Personal dafür nötig werden, ist es doch umso wichtiger, hier die mögliche Kapazität für eine gute Betreuung der einheimischen Kinder und Jugendlichen zu nutzen“, erklärte sie.

Schließlich schlug Joachim Spengler vom ev.-luth. Dekanat einen Kompromiss vor: Die Aufstockung um sechs Wochenstunden für die Psychologische Beratungsstelle für Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung Marktoberdorf mit Außenstelle Füssen vorerst für ein Jahr zu genehmigen. Dies fand am Ende die Zustimmung aller Ausschussmitglieder.

von Michaela Frisch

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