Bezirkskliniken Schwaben stellen Konzept für psychosomatische Fachklinik vor

Krankenhaus mit Hotelcharakter

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Bürgermeister Lars Leveringhaus (links) freut sich auf die Partnerschaft mit den Bezirkskliniken: „Das ist ein wichtiges Projekt in unserer Gemeinde“. Es folgen: Thomas Düll (Vorstandsvorsitzender Bezirkskliniken Schwaben), Dr. Albert Putzhammer (leitender ärztlicher Direktor BKH Kaufbeuren) und Architekt Michael Gibbesch.

Obergünzburg – In den Räumlichkeiten des stillgelegten Kreiskrankenhauses Obergünzburg soll eine psychosomatische Fachklinik mit „Wohlfühlfaktor“ entstehen. In einer öffentlichen Informationsveranstaltung wurden die konkreten Pläne zur Nachnutzung des Klinikums als psychosomatische Fachklinik bekannt gegeben.

In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der psychischen Erkrankungen in Deutschland stark an. Laut Statistiken der Krankenkassen DAK und AOK hat sich der Anteil psychischer Erkrankungen als Ursache für Arbeitsunfähigkeitstage mehr als verdoppelt. Seit 2012 sind psychische Krankheiten die Hauptursache für Erwerbsminderung oder Erwerbsunfähigkeit – noch vor Erkrankungen des Bewegungsapparates, Herz-Kreislauferkrankungen oder Krebs. 

Dem gestiegenen Bedarf an Behandlungsmöglichkeiten für psychische Erkrankungen kommen die Bezirkskliniken entgegen, indem sie neue Therapieplätze schaffen und neue medizinische Konzepte entwickeln. So auch in Obergünzburg, wo eine psychosomatische Fachklinik zur Behandlung entstehen wird. 

Im vergangenen Jahr hat das seit 2008 bestehende Kommunalunternehmen „Bezirkskliniken Schwaben“ das 2013 stillgelegte Kreiskrankenhaus gekauft – schon 2016 soll in den Räumlichkeiten der Betrieb aufgenommen werden. Nachdem der Obergünzburger Marktgemeinderat bereits positiv über das Bauprojekt beschieden hat, liegt der Bauantrag für die Fachklinik derzeit dem Landratsamt zur Genehmigung vor. Noch im Frühjahr dieses Jahres soll der Startschuss für die Umbaumaßnahmen fallen. 

Ziel der Unternehmenspolitik der Bezirkskliniken sei, entgegen vieler Kliniken, die möglichst hohe Belegzahlen anstreben, eine „überwiegend ambulante Versorgung“ der Patienten, so Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben, Thomas Düll. Aus diesem Grund strebt das Kommunalunternehmen auch für den Standort Obergünzburg neben einer stationären Betreuung von Patienten mit psychischen Erkrankungen die Einrichtung einer ambulanten Betreuung an. Auch die frühzeitige Behandlung psychischer Leiden, bevor schwerwiegende Krankheitsbilder entstehen, soll künftig in Obergünzburg im Mittelpunkt stehen. Daher soll dort auch keine Akutklinik im herkömmlichen Sinne entstehen, sondern es sollen nur geplante Aufnahmen erfolgen. 

Notfallambulanz endgültig vom Tisch 

Was für das ehemalige Kreiskrankenhaus Obergünzburg stets einen Standortnachteil bedeutet habe, passe in das Konzept der psychosomatischen Fachklinik. In Ruhe und Abgeschiedenheit sollen die Patienten neue Kraft schöpfen und gesund werden können. Aus diesem Grund sprach sich Dr. Albert Putzhammer, leitender ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren, auch gegen eine chirurgische Notfallambulanz aus. Jedoch sei denkbar, dass sich im ehemaligen Verwaltungstrakt, wo noch Kapazitäten frei sind, Fachärzte, die die psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten ergänzen können, ansiedeln. 

Diesen Regenerations-Gedanken des medizinischen Konzepts greifen auch die baulichen Planungen für die Fachklinik auf. „Mehr Hotel - weniger Krankenhausatmosphäre“ sehen die Planungen von Architekt Michael Gibbesch vor. So beschränken sich die Umbauten vor allem auf die optische Gestaltung. Mit Farben, neuen Böden und Gemälden soll eine Wohlfühlatmosphäre geschaffen werden, die den Heilungsprozess positiv unterstützt. Die gut erhaltene Bausubstanz bleibt weitgehend belassen. Als einzige größere bauliche Maßnahmen sind der Abriss des renovierungsbedürftigen Schwesternheims und der Anbau eines neuen Empfangsbereichs geplant. Ein kleiner Wellness-Bereich soll das Wohlfühl-Konzept abrunden. 

Obergünzburgs Bürgermeister Lars Leveringhaus begrüßte das vorgestellte Konzept der Bezirkskliniken für die geplante Fachklinik mit 50 Betten als eine „sinnvolle und zukunftsträchtige“ Möglichkeit der Nachnutzung des ehemaligen Krankenhauses. von Sabrina Hartmann

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