Respekt vor Alois Raabs Erbe

Puppenspielverein meldet sich mit seinen Zukunftsplänen zu Wort

Puppenspielmuseum
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„Die chinesische Nachtigall“ nach dem Märchen von Hans Christian Andersen; Bühnenbild mit Figuren von Alois A.K. Raab aus dem Jahr 1953.

Kaufbeuren – Bis jetzt ist eine Menge über den Puppenspielverein und die Auflösung des Puppentheater-Museums geschrieben worden – nun meldete sich Ekatharina Sperling, Vorstandsvorsitzende des Puppenspielvereins Kaufbeu­ren e.V., mit einer ausführlichen Presseerklärung selbst zu Wort. 

Die Besitzverhältnisse bezüglich der Sammlung sind zweifelsfrei geklärt – es liegt inzwischen ein Testament von Alois Raab vor und sogar ein notarieller Übereignungsvertrag, wonach die gesamte Sammlung dem Puppenspielverein gehört. Der Stadt Kaufbeuren gehören keine Exponate. Daher liegt die Entscheidung über deren Zukunft allein beim Verein – was Gestaltungsspielraum und Verantwortung gleichermaßen bedeute. Im Verein existiert bereits eine Reihe von Ideen, wie man Alois Raabs letztem Willen gerecht werden kann. Denn er wollte, dass möglichst viele Leute Freude an seinen gesammelten Objekten haben.

Teilverkauf – Sondierungsphase

Aktuell erstellen die Helfer – erstmals seit dem Bestehen des Museums – eine umfangreiche Dokumentation der Ausstellungsstücke. Sie werden in den nächsten Wochen zu verschiedenen spezialisierten Museen Kontakt aufnehmen, die Interesse an Teilen der Sammlung bekundet haben. Das Vorhaben befindet sich in der Sondierungsphase. Bis jetzt ist noch kein einziges Objekt „leichtfertig und herzlos verscherbelt“ worden. Der Verein fühlt sich nicht nur an die letztwilligen Verfügungen von Alois Raab, sondern auch an die „Richtlinien zum Umgang mit Museumsgut“ vom Deutschen Museumsbund und vom International Council of Museums gebunden.

Bilddokumentation und Museumstransformation

Die fertige Fotodokumentation soll dann sowohl zu einer digitalen Ausstellung als auch zu einem Bildband weiterentwickelt werden. Daneben reift derzeit die Vorstellung, die ursprünglichen Pläne von Alois Raab aufzugreifen und moderne Ausstellungsflächen im Theater zu schaffen. Dies ist möglich, weil seit Mitte 2019 neu organisiert und nach umfangreichen Aufräum-, Renovierungs- und Umgestaltungsmaßnahmen freier Raum im Puppentheater-Gebäude an der Wagenseilstraße entstanden ist. Mit der Überführung ausgewählter Stücke wäre anschließend ein Besuch im Puppentheater gleichzeitig ein Besuch im transformierten Puppentheatermuseum.

Zusammenarbeit mit Stadt und Bürgern

Dieser Ansatz wird auch von der Stadtverwaltung befürwortet und unterstützt. Stadt und Puppenspielverein stehen in engem Kontakt und regem Austausch, um eine tragfähige und ansprechende Lösung zu erarbeiten. Sobald es die pandemischen Bedingungen zulassen, ist eine Zusammenkunft der Verantwortlichen von Puppenspielverein und Stadt sowie interessierten und engagierten Bürgerinnen und Bürgern geplant. Je mehr Menschen sich aktiv in den Prozess der Museumstransformation einbringen, umso zukunftsfähiger wird das Ergebnis sein.

Wer den Puppenspielverein unterstützen möchte, kann sich natürlich auch schon jetzt in Eigeninitiative mit den Vereinsverantwortlichen per E-Mail an ­ info@puppentheater-­kaufbeuren.de in Verbindung setzen. Vorstandschaft und Mitglieder freuen sich sowohl über weitere fleißige Hände als auch über finanzielle Unterstützung.

Ganz in diesem Sinn beantwortet Oberbürgermeister Stefan Bosse auch alle Zuschriften, welche die Stadt zur Schließung des Puppentheatermuseums erhalten hat und erhält. Der OB versichert, „dass der Puppenspielverein die Auflösung planvoll, seriös und professionell angeht.“ Das betreffe die erbrechtliche Klärung ebenso wie die Begleitung durch Fachbehörden und die Kontaktaufnahme zu einschlägigen Museen sowie die Ideen zur Museumstransformation. Der Puppenspielverein sei jedoch nach wie vor auf weitere aktive Helfer ebenso angewiesen wie auf Geldspenden. Das Stadtoberhaupt vertraut darauf, dass sich das bisher wahrzunehmende Bürgerengagement auch in dieser Richtung äußern wird und nicht nur in verbalen Protesten.

Ingrid Zasche

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