Der Kasperle ist wieder da

Puppentheater Kaufbeuren bemüht sich um Wiederbeginn der traditionsreichen Vorstellungen

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Verlassen kann sich der neue Vorstand auf die langjährige Erfahrung, das handwerkliche Geschick und den Ideenreichtum von der vorläufigen Theaterleiterin, Katrin Keetman.

Kaufbeuren – Das im Frühsommer neu gewählte Führungsteam des hiesigen Puppentheatervereins um den ersten Vorsitzenden Raphael Bobritz muss in Zukunft einen anspruchsvollen Spagat machen: Welche andere kleine Stadt hat das Glück, das Erbe einer mehr als siebzigjährigen Puppentheatertradition weiterentwickeln zu können? Kulturelle Traditionen, die einerseits verpflichten und binden, dürfen andererseits bei der Entwicklung einer zeitgemäßen Theater-Konzeption nicht abhalten, neue, eigne kreative Inszenierungsmöglichkeiten zu suchen.

Beim Gespräch unserer Zeitung zur aktuellen Situation und der geplanten Entwicklung mit der vorläufigen Theaterleiterin, Katrin Keetman, herrschte trotz aller aktueller Herausforderungen ein vorsichtiger Optimismus. Keetman, seit 1977 im Verein, gab sich bei den konkreten Zukunftsprojekten noch etwas zurückhaltend, weil sich die neue Leitung verständlicherweise möglichst viele Türen offenhalten will. Auf keinen Fall sollen vor den sondierenden Gesprächen mit den Verantwortlichen der Stadt und mit anderen möglichen Fördereinrichtungen bereits unveränderbare Tatsachen geschaffen werden.

Strategie der kleinen Schritte

Die engagierte und erfahrene Leiterin weiß sich den vorgegebenen Traditionen und Gegebenheiten verpflichtet. „Es geht darum, das Erbe von Herrn Raab weiterzuführen“, stellte sie sachlich fest. Alois Raab hatte den Puppentheaterverein 1957 gegründet.

Für das neue Team geht es jetzt erst einmal darum, eine analysierende Bestandsaufnahme zu machen. Bisheriges, vorläufiges Fazit: Es besteht eine solide Basis für einen Neuanfang. Mit dem zwischen 1971 und 1981 etappenweise entstandenen Gebäude des Puppentheaters in der Wagenseilstraße, das der Stadt Kaufbeuren gehört, besteht bereits ein prinzipiell ansprechendes bauliches Fundament. Keetman, als Goldschmiedin selbst aus dem ästhetisch-handwerklichen Bereich kommend, ist sich jedoch auch der Notwendigkeit einer Renovierung und Umgestaltung bewusst. Nach 50 Jahren entsprechen die Räumlichkeiten wie Theatersaal, Proberaum, Werkstatt, Foyer und Seminarraum nicht mehr ganz den Erwartungen und praktischen Erfordernissen.

Gemeinsam mit der Stadt gilt es also umsetzbare Lösungen zu finden. Als wichtigste Punkte stehen derzeit auf der Wunschliste des Führungsteams: Zwingend erforderliche Brandschutzmaßnahmen, eine farblich freundlichere Gestaltung, ein zeitgemäßes Lichtkonzept und eine verbesserte Tontechnik.

Zur erforderlichen Inventur rechnet aber auch die kritische Prüfung des vorhandenen Inventars, das sich im Besitz des Vereins befindet. So manche Herausforderung wird sich auch hier in naher Zukunft stellen: Im handwerklich-technischen Bereich müssen Puppen restauriert und Kulissen handwerklich aufgearbeitet werden. Einiges müsse gänzlich neu gestaltet werden, so Keetman.

Theater-pädagogisches Update erforderlich

Aber auch inhaltlich sei so mancher Umbruch notwendig: Theatervorstellungen mit Marionetten, Stabfiguren oder Handpuppen bedürften jeweils ihrer eigenen Technik. Da es zur Politik des Vereins gehört, in kleinen, überschaubaren Schritten vorzugehen, konzentrieren sich die Überlegungen des Vorstands derzeit zunächst auf den Bereich der Handpuppen. Unter dem Motto „Tri tra trallala – der Kasperle ist wieder da“, könnte es nach der zuversichtlichen Sichtweise der Leitung schon in absehbarer Zukunft mit den Aufführungen weitergehen. Wann genau müsse allerdings offen bleiben, da man sich selbst nicht unter Zeitdruck setzen möchte.

Zu viele Details gebe es noch zu klären. Besonders bei der kinder-pädagogischen Konzeption sieht sich Keetman in einer verpflichtenden Tradition. So bedürften einige Stücke mit bereits fertigen Texten einer gründlichen Überarbeitung, wobei der Mitmachcharakter als tragendes Element erhalten bleiben müsse. Eine hohe Flexibilität würde von den Spielern der Handpuppen gefordert, folgten sie doch einerseits einem vorgegebenen, oft traditionsreichen Handlungsverlauf. Andererseits müssten die Aufführenden aber gleichzeitig im lebendigen Dialog mit den lautstarken Ideen der Kinder bleiben, schließlich sollen die Kinder mit eingebunden werden.

Tatkräftige Unterstützung notwendig

Neben der Unterstützung von Stadt und Sponsoren brauche es auch in Zukunft die Hilfe von Ehrenamtlichen, betonte Keetman. Da es viele Einsatzbereiche im Theater gibt, sei es im handwerklich-organisatorischen, sei es im künstlerisch-darstellenden Bereich, hätte jeder Helfer die Möglichkeit, seine eigenen Talente einzubringen und zu entwickeln.

von Peter Suska-Zerbes

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