Kaufbeuren soll fahrradfreundlicher werden

„Radverkehr boomt“: Radwegekonzept für Kaufbeuren bekommt Rückenwind

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Besonders schmal ist der Radweg in der Sudetenstraße. Radfahrer und Fußgänger kommen sich hier leicht ins Gehege.

Kaufbeuren – Einem „bunten Flickenteppich“ gleiche das Radwegenetz in Kaufbeuren, fasste Angelika Reinartz vom Ingenieurbüro BSV Reinhold Baier ihre gesammelten Eindrücke in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Mobilitätsausschusses zusammen. Sie informierte in einem Zwischenbericht über den aktuellen Planungsstand des gesamtstädtischen Rad- und Fußverkehrskonzepts. Ziel sei es, künftig ein geschlossenes und sicheres Netz zu schaffen.

Dazu waren Reinartz und ihre Kollegen mit Rad und Auto in Kaufbeuren unterwegs, haben die Verkehrssituation genau unter die Lupe genommen, Videoaufnahmen, Luftbilder und Unfallstatistiken ausgewertet. Neben der Beteiligung der städtischen Fachabteilungen und der Polizei Kaufbeuren werden auch die Ergebnisse zweier Bürgerworkshops in das Konzept eingearbeitet. Laut Reinartz war schon der Bürgerworkshop im November letzten Jahres, der auch unter Einbeziehung von Kaufbeurer Schülern stattfand, gut besucht. Insgesamt 300 Maßnahmen sollen umgesetzt werden. Diese reichen von kleineren Maßnahmen, wie Beschilderung oder Markierungen, zu größeren Baumaßnahmen, wie die Umgestaltung von Kreuzungsbereichen. Einem Drittel der geplanten Maßnahmen wurde eine höhere Priorität zugeordnet: Diese sollen in einem zweiten Bürgerworkshop nach den Sommerferien mit den Bürgern diskutiert und konkretisiert werden. Dann könne das ganzheitliche Konzept im Herbst 2020 im Stadtrat beraten und gegebenenfalls beschlossen werden.

Herausforderung für Radler, die auf die andere Straßenseite kommen wollen: Die Einmündung der Moosmangstraße in die Augsburger Straße.

Löchriges Radnetz

Zu den Punkten, die immer wieder bemängelt werden, zählen zum Beispiel schlecht ausgebaute Wege, fehlende Querungshilfen oder ungünstige Ampelschaltungen. In Puncto Radnetz gebe es laut Diplom-Geografin Reinartz einige Löcher zu schließen. Bei der Einmündung der Moosmangstraße in die Augsburger Straße hätten es Radler etwa schwer, auf die andere Straßenseite zu gelangen, um Anschluss an den Radweg zu finden. Für eine sichere Überquerung schlägt Reinartz dort zwei Mittelinseln vor. Damit Radler von der Inneren Buchleuthenstraße auf direktem Wege in die Altstadt kommen, regte Reinartz außerdem an, das letzte Teilstück, also die Einbahnstraße, für Radfahrer freizugeben. Sehr schmal seien die Radwege mitunter in der Mindelheimer- und Sudetenstraße. Hier sei als eine mögliche Lösung ein für Radfahrer freigegebener Gehweg denkbar, dafür sei aber gegenseitige Rücksichtnahme gefragt, so Reinartz. 

Bei der Ampel am Kaufbeurer Amtsgericht müssen Passanten und Radler recht lange auf grünes Licht warten.

Ein Ärgernis stelle für viele Passanten auch die ein oder andere Ampelschaltung im Stadtgebiet dar, wie etwa am Amtsgericht: Dort müssten Fußgänger lange auf grünes Licht warten, gingen deshalb mitunter bei Rot über die Straße. Reinartz legte nahe, zu prüfen, ob eine Verkürzung der Wartezeit für Fußgänger möglich ist. Dass nicht in allen Bereichen ein Optimum erreicht werden könne und Kompromisse nötig seien, stellte die Projektleiterin in diesem Zusammenhang klar.

Verkehrswende?

Reinartz sieht aber gerade in der Coronakrise die Chance, mehr Menschen dazu zu bewegen, aufs Rad umzusteigen, denn „der Radverkehr boomt“. Angesichts der Einschränkungen nehmen Outdoor-Aktivitäten weiter zu. Jetzt bräuchte es nur noch eine einladende Infrastruktur. „Wir sind auf dem besten Weg, um das Konzept auf die Straße zu bringen“, fand Zweiter Bürgermeister Oliver Schill. Laut Baureferent Helge Carl sollen sehr bald schon die ersten kleineren Maßnahmen umgesetzt werden. Auch Catrin Riedl (SPD) wünschte sich eine zeitnahe Umsetzung der ersten 100 Maßnahmen, damit „möglichst viele Geschmack daran finden, das Auto stehen zu lassen“ und so eine „Wende im Individualverkehr“ einzuleiten. Bernhard Pohl (FW) hielt nicht viel davon, „mit Gewalt eine Verkehrswende herbeizuführen“ – es gelte hier, eine gute Abwägung zu finden. Pohls Ansicht nach gebe es „noch Diskussionsbedarf“, ehe man die Punkte umsetze. Wie Oberbürgermeister Stefan Bosse erläuterte, handele es sich nicht um ein „Schubladenkonzept“, aber ebenso wenig um plötzlich auftauchende „Pop-up-Radwege“. Es gehe darum, „mit Maß und Mitte“ vorzugehen, um gemeinsam für eine erhöhte Sicherheit für die Menschen zu sorgen.

von Mahi Kola

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