Raiffeisenbank schließt vier Filialen

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Wie hier in Westendorf werden die Filialen der Raiffeisenbank Kirchweihtal eG in Irsee, Ketterschwang, und Osterzell zum 30. Juni 2017 geschlossen.

Pforzen/Landkreis – Andere Banken haben es bereits praktiziert, jetzt zieht auch die Raiffeisenbank Kirchweihtal eG nach und schließt vier ihrer Filialen. Die Einrichtungen in Irsee, Ketterschwang, Osterzell und Westendorf werden demnach von Juli 2017 an mit Pforzen, Obergermaringen und Aufkirch zusammengelegt. Entlassungen soll es nicht geben. Die betroffenen Mitarbeiter bleiben die gewohnten Ansprechpartner für die Kunden an den neuen Standorten.

Bereits 2015 hatten andere Geld­institute wie die Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren und die VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu Zweigstellen in und um Kaufbeuren geschlossen und ihre Aktivitäten verstärkt auf den Ausbau der Online-Angebote und der Kundenservicecenters gesetzt. Nun musste auch die Raiffeisenbank Kirchweihtal eG aktiv werden. Wie Vorstandsmitglied Andreas Fischer betonte: „Es geht der Bank nicht schlecht, wir wollen nur rechtzeitig vorausschauend reagieren“. Die Gründe liegen in der anhaltenden Niedrigzinsphase durch den niedrigen Leitzins der Europäischen Zentralbank EZB, regulatorischen Anforderungen der Europäischen Kommission wie beispielsweise höheren Eigenkapitaluntergrenzen nach BASEL IV und einem sich verändernden Kundenverhalten, weil zunehmend mehr Kunden ihre Bankgeschäfte von zu Hause übers Internet abwickeln.

In allen aufgelösten Standorten sollen die Geldautomaten über den Schließungstermin hinaus bis zum 31.Dezember 2017 zur Bargeldversorgung beitragen, in Irsee sogar bis 30. Juni 2019. „Für wenig mobile Kunden werden wir einen regelmäßigen Fahrdienst zur Erledigung der Bankgeschäfte anbieten“, so Fischer. Auch sollen für ältere Kunden Bankdienstleistungen übers Telefon mit einer Kundendienstabteilung möglich werden. „Auf die persönliche und fachkundige Beratung sowie das umfassende Leistungsangebot der Raiffeisenbank Kirchweihtal eG dürfen sich unsere Mitglieder und Kunden auch weiterhin verlassen“, betonte Vorstandsmitglied Fischer.

Wie reagieren die Kunden auf die Filialschließungen?

• Seinen Namen möchte er freilich nicht öffentlich nennen, dennoch findet ein Kunde der Raiffeisenbank Kirchweihtal eG deutliche Worte: „Ich werde nach und nach meine privaten Bankverbindungen mit der Raiffeisenbank auflösen. Nach dem Betrugsskandal (der Kreisbote berichtete mehrfach), der meines Erachtens im letzten Jahr nicht sauber aufgearbeitet wurde, weil die damaligen Vorstände nicht in Haftung genommen worden sind, kommt jetzt das. Jetzt hol ich mir bis Ende des Jahres noch Geld am Automaten und dann wird man sehen“. Überweisungen mache er zu Hause am Computer, in die Filiale ging er nur noch zur Beratung. Das sei aber wegen der bereits reduzierten Öffnungszeiten auch wieder nicht immer möglich gewesen.

• Eine Geschäftsfrau erklärte: „Mir ist es egal wo ich hinfahre. Das war schon lange im Gespräch, wir haben schon damit gerechnet.“ Ihr würden aber dann vor Ort die Kontoauszüge fehlen, die sie wegen des Finanzamtes brauche.

• Eine Westendorferin erklärte, dass es im Ort zwei Autowerkstätten, einen Elektroladen, einen Friseur, einen Metzger und einen Bäcker geben würde. Dort würde viel Geld umgesetzt. „Wenn sie jetzt die Bankfiliale schließen, wo sollen wir dann das Geld hinbringen?“ Die Stimmung im Dorf sei „am Brodeln“. „Wir sind nicht begeistert davon, aber ändern können wir es auch nicht. Dann werden wir uns eben darauf einstellen müssen“.

• Ein anderer Kunde der Bank merkte nachdenklich an, dass der Gedanke vom Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen nicht mehr zu spüren sei. „Eigentlich wäre das wieder eine neue Geschäftsidee, dass sich diejenigen, die Bargeld brauchen und die, die Bargeld bringen, wieder in irgendeiner Form zusammenschließen und die einfachen Bankgeschäfte erledigen“.

von Wolfgang Krusche

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