Referatsleiter Ralf Baur verabschiedet

"Er hat das Gesicht der Stadt geprägt"

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Ein Ständchen für den Chef: Städtische Mitarbeiter verabschieden sich auf ihre Art mit einem selbst verfassten Lied von Ralf Baur.

Kaufbeuren – Nach 18 Jahren im Amt, wurde Kaufbeurens Baureferatsleiter Ralf Baur feierlich verabschiedet. 

Viel Lob, Anerkennung und so manche unterdrückte Träne gab es anlässlich der Verabschiedung des städtischen Bau- referatsleiters Ralf Baur. Im Kleinen Sitzungssaal des Kaufbeurer Rathauses wurde der Leiter von sieben Abteilungen, Chef von 154 Mitarbeitern und gewählter berufsmäßiger Stadtrat verabschiedet. Zahlreiche Gäste aus Kommunalpolitik, Wirtschaft und Verbänden, sowie seine Mitarbeiter waren zu dieser Feierstunde gekommen, die von Musikern der Sing- und Musikschule Kaufbeuren umrahmt wurde.Oberbürgermeister Stefan Bosse bezeichnete Baur in seiner Laudatio als einen „äußerst korrekten, fleißigen und zielstrebigen Chef“, der in seiner 18-jährigen Amtszeit in Kaufbeuren „tiefe Spuren“ hinterlassen habe.

An die 5.000 Baugenehmigungen wurden in dieser Zeit erlassen und das „Gesicht“ der Stadt entsprechend geprägt. Viele dieser Baumaßnahmen, Sanierungen und Projekte werden, laut Bosse, auch in Zukunft mit dem Namen Ralf Baur auf das engste verknüpft bleiben. So die beiden Freibäder der Stadt, der Busbahnhof, diverse Kindergärten, Erweiterungsbauten am Krankenhaus, „die perfekte Umgestaltung am Kemptner Tor“, der Münzhalde und am Neuen Markt in Neugablonz, Verkehrsinseln und nicht zuletzt das neue Kaufbeurer Stadtmuseum seien „seine Hinterlassenschaften“, so Bosse. Dabei stand der 55-jährige Familienvater stets in der Öffentlichkeit und musste dementsprechend gegen Wider- stände und Kritik ankämpfen, resümierte Bosse. Mit seiner klaren und eindeutigen „Handschrift“ verfolgte er aber zielstrebig und ohne jegliche Umwege seine gesteckten Ziele. „Eine Persönlichkeit mit Ecken und Kanten“, wie Bosse betonte. Beste Beispiele dafür seien die nun endlich begonnenen Baumaßnahmen am Reifträgerweg und die Schließung des maroden Kaufbeurer Eisstadions Ende vergangenen Jahres. Im Fall Eisarena stand für Ralf Baur die Sicherheit an erster Stelle.

 „Derartige konsequente Entscheidungen – bei denen er unumstößlich seine Meinung und Erfahrung vertrat und Profil zeigte – rief natürlich auch Kritik und Widerstand auf den Plan. Gerade bei der Durchführung so heikler Themen habe er als verantwortlicher Referatsleiter stets alles beobachtet und abgewogen“, so Bosse. Gut sei für ihn nicht gut genug gewesen, es musste immer die beste machbare Lösung verwirklicht werden. In diesem Zusammenhang wies der OB darauf hin, dass während der Amtszeit von Ralf Baur die besten und hervorragendsten Architekten sich in Kaufbeuren die Hand gereicht hätten. Dies habe dann auch zu entsprechenden Ergebnissen geführt, wie beispielsweise das Kaufbeurer Stadtmuseum, von dem alle begeistert sind.

Ex-Oberbürgermeister Dr. Andreas Knie, der viele Jahre mit ihm sehr eng zusammenarbeitet hatte, nannte diese Jahre als eine gute Zeit und erklärte unter dem Beifall der Anwesenden, die Anstellung dieses Mannes „als eine der besten Personalentscheidungen die jemals im Kaufbeurer Rathaus gefällt wurden“. Er bedauere zutiefst, dass dieser „mutige und kreative Planer der Stadt“ nun nicht mehr die große Herausforderung hinsichtlich Umgestaltung des Kaufbeurer Fliegerhorstes für die zivile Nutzung in Angriff nehmen dürfe.Diese Frage stellten sich im Übrigen viele der Anwesenden.Mit Lob schier „überschüttet“ unter anderem auch von der Personalratsvorsitzenden Christa Schönhaar, die besonders die gute Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitern hervorhob. Anita Haas, seine engste Mitarbeiterin, hatte den Abschied „ihres Chefs“ in eine humorvolle kleine Geschichte „Die Arche Noah“ verpackt und das Ganze mit einem Weltuntergang in Verbindung gebracht, wobei die rettende Arche auf Grund bürokratischer Hürden leider nicht so schnell und einfach zu errichten wäre.

Danach gab es noch ein Ständchen der Mitarbeiter, die es sich nicht nehmen ließen, ihren Chef mit einem selbst verfassten Lied zu verabschieden.Ralf Baur selbst tat dies mit Worten des Dankes und einigen Tränen in den Augen an seine anwesende Familie, seinen Mitarbeitern und an seine engste Mitarbeiterin Anita Haas – „ohne die er aufgeschmissen wäre!“„Vielen Dank für diese schöne und würdevolle Feier, aber wir könnten gerne darauf verzichten, denn wir hätten Sie gerne hier behalten“, betonte Stadtplaner Manfred Pfefferle. Und so mancher aus dem Mitarbeiterstab hatte ähnlich gedacht und dies auch im Gespräch mit dem Kreisboten so bestätigt. Denn während der Abschiedsfeier sei nicht nur ein hervorragender Referatsleiter verabschiedet worden , sondern vor allen Dingen ein allseits beliebter Vorgesetzter der stets hinter seinen Mitarbeitern gestanden sei und denen er auch immer sein vollstes Vertrauen geschenkt habe. So zumindest hatte es auch OB Bosse immer wieder betont. „Warum dann wurde Baur mit 19:21 Stimmen vom Stadtrat abgewählt?“, fragten sich daher viele städtische Angestellte auf der Feier.

OB Bosse bereitete aber genau diese Frage offenbar etwas Unbehagen in seiner Abschiedsrede. Er sprach von „zahlreichen Gerüchten“ und betonte, dass an und für sich jedes Stadtratsmitglied, das Anfang dieses Jahres gegen Ralf Baur gestimmt habe, diese Frage nur selbst beantworten könne.

Von Klaus-Dieter Körber

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