Rasanter Thriller mit Liam Neeson auf beschränktem Raum

Kinotipp: „The Commuter‘‘

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Michael MacCauley (Liam Neeson) lässt sich auf ein verhängnisvolles Angebot der fremden Joanna (Vera Farmiga) ein.

Wer eine Reise tut, kann viel erleben. Dass man jedoch gar keine weite Reise machen muss, sondern auch bei alltäglichen Kurzfahrten mit der Bahn viel erleben kann, können Pendler bestätigen. Jaume Collet-Serra zeigt mit seinem Thriller „The Commuter‘‘, dass eine scheinbar zufällige Bekanntschaft mit einer Fremden das Leben binnen einer Zugfahrt für immer verändern kann.

Inhalt

Seit zehn Jahren pendelt Versicherungsmakler Michael MacCauley (Liam Neeson) täglich von seinem beschaulichen Vor­ort nach Manhattan und zurück. Während der Fahrt trifft er auf bekannte Gleichgesinnte, mit denen er kurze Gespräche führt, oder liest die Bücher seines Sohnes, um ihm bei dessen Hausarbeiten zu helfen. Jeder Tag verläuft nach dem gleichen Schema.

Doch dann sticht ein Tag heraus. Nachdem Michael von seinem Vorgesetzten die Kündigung erhalten hat, trifft er sich mit einem Kollegen in einer Bar. Verspätet eilt er zum Zug. Als er endlich in einem hinteren Abteil einen Sitzplatz bekommen hat, setzt sich die fremde Joanna (Vera Farmiga) zu ihm. Sie verspricht ihm eine Belohnung von 100.000 Dollar, wenn er für sie einen ganz bestimmten Passagier findet, der etwas sehr Wertvolles zu transportieren scheint. Michael erfährt von dem gesuchten Passagier nur dessen falschen Namen und den Zielbahnhof des Unbekannten. Als Joanna den Zug verlässt, denkt Michael über das verlockende Angebot nach. Als er kurz darauf einen Anruf von Joanna erhält, macht sie ihm unmissverständlich klar, dass sie ihn in der Hand hat. Nimmt er ihren Auftrag nicht an, bringt er nicht nur das Leben der Passagiere im Zug und sein eigenes in Gefahr, sondern auch das seiner Familie. Die Zeit drängt und Michael erkennt, dass er nur die Spielfigur einer kriminellen Verschwörung ist.

Rezension

Nach „Unknown Identity‘‘ und „Non-Stop‘‘ arbeiten Hollywood-Superstar Liam Neeson und Regisseur Jaume Collet-Serra wieder zusammen. Erneut präsentieren sie einen action- und spannungsreichen Thriller, der sich diesmal in einem sehr beschränkten Raum abspielt. Gekonnt greift die Handlung die finanziellen Nöte der Hauptfigur und zugleich die Frage auf, wie weit man für Geld gehen würde. Das Thema Erpressung spielt zudem eine große Rolle, da die Hauptfigur mit dem Leben seiner Familie ringen muss. Hin- und hergerissen zwischen der Verlockung des Gelds und der Abneigung des Auftrags findet sich Michael zunächst in einem inneren Dilemma wieder.

Nahezu in Echtzeit erzählt, leitet der Film den Zuschauer zum Mitfiebern an, wie sich der Versicherungsmakler entscheiden und welche Konsequenzen seine Taten haben werden. Die im Zug befindlichen Passagiere entsprechen den bekannten Stereotypen, die sich grob in Kategorien einteilen lassen.

Nun liegt es an Liam Neeson, der bereits in seinen Vorfilmen immer wieder Ermittlergeist beweisen musste, mit den wenigen Hinweisen den gesuchten Passagier zu entlarven. Mit jedem Halt des Zuges minimiert sich der Kreis der Verdächtigen, während die Zeit abläuft. Ganz im Stil von Hitchcocks „Der Fremde im Zug‘‘ oder zuletzt „Mord im Orient Express‘‘ verdichten sich allmählich die Hinweise. Per Ausschlussprinzip fallen nach und nach alle Verdächtigen durch das Raster, bis es nur eine Person gibt, die Versicherungsmakler Michael eliminieren soll.

Bis es dazu kommt, findet sich der Zuschauer in einem bunten Mix aus rasanten Verfolgungsjagden quer durch den Zug, brutalen Aufeinandertreffen und halsbrecherischen Stunt­szenen wieder. Die Grenzen zwischen Gut und Böse vermischen sich stets. Jeder der Passagiere könnte einen Anschlag planen oder selbst ins Visier eines Mörders gelangen. Unerwartete Twists drehen die Handlung immer wieder in eine neue Richtung, um die Spannung bis ins Unermessliche zu schüren.

Das komplett im Studio nachgebaute Set inklusive authentisch wirkendem Zug erweist sich als idealer Handlungsort, der dank bemerkenswerter Kamera- und Schnitttechnik stets glaubhaft in Szene gesetzt wird. Lediglich die Entgleisung, die mitunter an „Unstoppable: Außer Kontrolle‘‘ erinnert, ist etwas zu viel des Guten.

Mit „The Commuter‘‘ beweisen Liam Neeson und Jaume Collet-Serra erneut, dass sie ein gutes Team sind und präsentieren einen spannungsgeladenen Thriller auf beschränktem Raum, der alleine dank der Schnitttechnik unterhalten kann.

von Sandy Kolbuch


Zum Film:

Originaltitel: The Commuter

Land: USA

FSK: 12

Regisseur: Jaume Collet-Serra

Darsteller: Liam Neeson, Vera Farmiga, Patrick Wilson, Sam Neill, Elizabeth McGovern u.a.

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