Coffee-to-go im Pfandbecher

„Recup“: Nachhaltige Alternative zum Einwegbecher bald auch bei Kaufbeurer Kaffeeanbietern

+
OB Stefan Bosse gießt Lisa Henze, Key Account Managerin des jungen Start-Up „Recup“ aus Rosenheim, Kaffee in den Mehrweg-Becher, den es bald in Kaufbeuren geben wird.

Kaufbeuren – Umweltschützer und Menschen, die auf Nachhaltigkeit, Langlebigkeit von Produkten, die Schonung von Ressourcen und Recycling achten, wird es freuen, dass diverse Bäckereien, Cafés und weitere Gastronomiebetriebe in Kaufbeuren bald einen Mehrwegkaffeebecher anbieten werden.

Das Start-Up-Unternehmen „Recup“ macht Coffee-to-go ohne schlechtes Gewissen möglich, indem es einen Pfand­becher für Kaffee entwickelte, der mittlerweile bereits an über 800 Standorten in Deutschland erhältlich ist, darunter im Allgäu auch in den Städten Kempten, Mindelheim und Memmingen. Key Account Managerin Lisa Henze stellte das System am Dienstag im Rathaus zahlreichen Gastronomen aus Kaufbeuren vor.

Der Kaffee zum Mitnehmen gehört für viele, auch in Kaufbeuren, zum Alltag. Der Einwegbecher verbraucht aber eine große Menge Ressourcen – laut Recup werden allein in Deutschland jährlich rund 2,8 Milliarden Einwegbecher für Coffee-to-go verwendet und nach einmaligem Gebrauch weggeworfen; das sind 320.000 Becher pro Stunde. Eine unnötige Belastung für die Umwelt.

Das Start-Up, das im November 2016 mit einem Pilotprojekt in Rosenheim gestartet ist, hat sich zum Ziel gesetzt, ein einfaches und nachhaltiges Pfandsystem für Mehrwegbecher in Deutschland flächendeckend auszurollen und somit Müll zu vermeiden. Das System ist simpel: Kaffeetrinker kaufen ihr Heißgetränk in einem Becher von Recup, für den ein Euro Pfand verlangt wird. Ist der Becher leer, wandert er nicht in den Müll, sondern kann bei jedem Recup-Partner in ganz Deutschland gegen die Pfanderstattung zurückgegeben werden. Die Partner reinigen den Becher und stellen ihn so dem nächsten Kunden zur Verfügung. Laut Lisa Henze soll ein Becher mindestens 500 Spülgänge überstehen können, bis er ersetzt wird. Der Pfandbecher besteht aus 100 Prozent recyclebarem Kunststoff und wird am Ende seines „Lebens“ geschreddert, erhitzt und wieder in Form gespritzt – allerdings nicht wieder in einen Trinkbecher, das geht aus lebensmitteltechnischen Gründen nicht.

Der schmucke Recup-Becher – hier im Allgäu-Design – soll den Einwegbecher ersetzen und Müll verringern.

Für die Recup-Partner sind die Becher ein durchlaufender Posten, das heißt sie werden zum Pfandpreis von einem Euro pro Becher erworben und an den Kunden ausgegeben. Die Partner entrichten einen Euro pro Tag und Standort für die Teilnahme an dem Pfandsystem. Dafür kümmert sich das Unternehmen um den Service der Becherumverteilung sowie die Bewerbung in Social Media Kanälen und via App. Zusätzlich erhalten die Partner Flyer, Aufkleber und Thekenaufsteller, um sie als Recup- Partner zu präsentieren und ihre Kunden zu informieren und sind außerdem als Anbieter in der App gelistet. Für die Anbieter soll sich der Pfandbecher durch Neukundengewinnung, Kundenbindung und einen Imagegewinn (Umwelt und Innovation) lohnen.

Warum sollten Kaffeetrinker auf den Mehrwegpfandbecher umschwenken? Der Umweltfaktor liegt auf der Hand: so können Berge an Einwegbechermüll verringert werden. Zudem muss kein Becher von zu Hause mitgenommen werden und Kunden bekommen von den Recup-Partnern als Belohnung einen Preisnachlass. Der Becher kommt außerdem in ansprechendem Design in mint und cappuccino-farben daher und in der Allgäu-Edition mit aufgedruckter Allgäu-Skyline (siehe unten).

Einziger Haken für Umweltbewusste: Für den Mehrwegbecher gibt es momentan lediglich Einwegdeckel, die das Unternehmen bei Huhtamaki in Ronsberg herstellen lässt. Diese bedeuten also weiterhin Müll, gestand Henze auf die Kritik einiger anwesender Gastronomen ein. In einer Testphase habe das Start-Up herausgefunden, dass der Deckel nicht als Mehrweg funktioniert, erklärte Henze, denn er würde in Spülmaschinen umherfliegen und nicht so einfach wie der Becher sauber werden. Derzeit entwickelt die Firma jedoch ein Mehrwegdeckel, der in vier verschiedenen Farben erhältlich sein soll, aber vom Kunden für um die 90 Cent gekauft werden, stets zur Hand sein und selbst gereinigt werden muss. Die Praxis zeige aber, dass viele Kunden gar keinen Deckel benötigen.

Bäckermeister Ferdinand Dolp zeigte sich bei der Informationsveranstaltung von den Bechern überzeugt und kündigte an, den Mehrwegbecher zeitnah einzuführen. Weitere Gastronomen werden und sollen folgen, wofür sich auch die Stadt einsetzen will.

von Martina Staudinger


Der Recup:

• 100 Prozent Polypropylen (das Unternehmen ist auf der Suche nach alternativen Materialien wie Biokunststoffen, die ähnlich gute Eigenschaften wie PP haben)

• lebensmittelecht, geschmacksneutral und schadstofffrei

• in zwei Größen erhältlich (0,3 und 0,4 Liter) mit einheitlicher Deckelgröße

• optimal stapelbar

• spülmaschinenecht

• made in Germany (Wangen im Allgäu)

• Mittlerweile gibt es unter den zehn Editionen auch einen Allgäu-Becher, dessen Design eine Sykline mit regionalen Sehenswürdigkeiten darstellt. Dort ist auch der Kaufbeurer Fünfknopfturm abgebildet.

www.recup.de

Auch interessant

Meistgelesen

30 Jahre Kulturwerkstatt = 30 Jahre Thomas Garmatsch
30 Jahre Kulturwerkstatt = 30 Jahre Thomas Garmatsch
Teil der Gutenbergstraße in den Pfingstferien gesperrt
Teil der Gutenbergstraße in den Pfingstferien gesperrt
Zwei Schwerverletzte bei Verkehrsunfall bei Ruderatshofen
Zwei Schwerverletzte bei Verkehrsunfall bei Ruderatshofen
Bürgerentscheid zur Moschee kommt
Bürgerentscheid zur Moschee kommt

Kommentare