Bürgerversammlung Kaufbeuren:

Verkehrsprobleme im Vordergrund

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Neben schattigen und sonnigen Plätzen in idyllischer Lage bietet der Jordanpark auch Zugänge zum Wasser. Doch er hat sich im Lauf seines Bestehens stark verändert.

Kaufbeuren – Der Zeitpunkt für die Bürgerversammlung im Kaufbeurer Stadtsaal am späten Nachmittag ist sicherlich für viele Berufstätige nicht optimal, dennoch fanden rund 80 Besucher den Weg zur vierten Veranstaltung in diesem Jahr.

Nachdem bereits im Vorfeld mehrere schriftliche Anfragen eingegangen waren, hatte sich Oberbürgermeister Stefan Bosse entschieden, die Versammlung nicht nach herkömmlichem Muster mit der Vorstellung größtenteils bekannter Informationen ablaufen zu lassen. So war viel Spielraum zur Beantwortung der schriftlichen Anfragen und für Fragen aus der Versammlung, was die Bürger intensiv nutzten. Der Schwerpunkt lag auf Problemen im Verkehrsbereich, es gab aber auch lobende Worte.

Eingangs erläuterte die Stadtspitze, dass der tiefere Sinn im frühen Beginn der Versammlung darin liege, eine von sechs Veranstaltungen zu haben, bei der man bei Tageslicht kommen und heimgehen könne.

Verkehr

Die Einfahrt vom Hochstadtweg in die Neugablonzer Straße stand wie schon oft im Fokus, da sich der Verkehr insbesondere zu Stoßzeiten weit zurückstaut. Der Wunsch nach einem „Grünen Pfeil“ für Rechtsabbieger tauchte wieder auf. Dies sei aber nicht möglich, da dies mit dem grünen Ampelpfeil von der Gegenseite konkurrieren würde, wie Bosse erklärte. Die Planung zur Osttangente laufe unabhängig weiter, obwohl derzeit die Eigentumsverhältnisse an der Moserwiese immer noch unklar seien und auch welcher Wohnbau als klassische Wohnraumverdichtung vorgesehen sei. Fest stehe, dass die Brücke bis 2020 gebaut werde.

Während ein Bürger ein Hupverbot für Autokorsos bei Hochzeiten forderte – was allerdings schon besteht – wurde dies von Besuchern weniger kritisch gesehen. „Man sollte die Kirche im Dorf lassen“, so eine Bürgerin.

Der Fahrradweg beispielsweise auf der Neugablonzer Straße ist teilweise in sehr schlechtem Zustand und ohne Trennsteine zwischen Fußgänger und Radfahrer. Baureferent Helge Carl sprach von etwa 32.000 Euro Kosten für einen laut OB nicht „klassischen Radweg“, die nicht vorhanden seien. Auch die Fahrradaufstellung an den Ampeln der Spittelmühlkreuzung ließe sich wegen mehrerer Fahrspuren nicht realisieren, sagte Bosse. Im Bereich Liegnitzer Straße entstünde laut Beschreibung eines Bürgers dort häufig durch schnelle Radfahrer eine gefährliche Situation. Dies gilt auch für die als „verkehrsgefährdend“ bezeichnete Situation von Radfahrern und Fußgängern bei den Parkplätzen vor der VR Bank. Beides wird geprüft. Im letzteren Fall handelt es sich um Privatgrund, für eine Umgestaltung gebe es jedoch ein „Signal“. Bei Baumaßnahmen, wo auch Gehwege betroffen sind, soll zukünftig stärker auf die Barrierefreiheit durch Absenken der Randsteine geachtet werden, versprach Carl.

Als „katastrophal“ beschrieb Bodo Tröger die Parkplatzsituation am Klinikum. Dieser sei stets „rammelvoll“ und die Fahrzeuge stünden auch auf Rasenflächen. Aus Sicht des KU Kliniken würden zwei mögliche Lösungen geprüft, teilte der OB mit. Ein kleineres Parkhaus nur für Mitarbeiter oder ein großes Parkhaus, in dem dann auch die Besucher zahlen müssten.

Eine Bürgerin war beunruhigt („ich kann nicht mehr schlafen“) über eine eventuelle Abfahrt an der Frankenrieder Straße bei vierspurigem Ausbau der B12. Die Stadtspitze sagte, dass es derzeit lediglich Planungen des Staatlichen Bauamtes gebe und im Juni im Stadtrat darüber gesprochen werde. „Ich sehe hier keine riesigen Verkehrsströme“, stellte Bosse fest, der eine solche Abfahrt nur für den Fall der Fliegerhorstanbindung sah.

Die Anbindung des Forettle zur Altstadt soll mittels einer Fußgängerampel erfolgen, erläuterte der OB auf Nachfrage.

Ein Bürger wünschte sich ein elektronisches Fahrgastinformationssystem für den Nahverkehr am Bahnhof und am Plärrer. „Das wäre toll“, sagte Bosse, „lässt sich wegen 250.000 Euro Kosten aber schwierig realisieren.“

Jordanpark und Bürgerverhalten

Auch der Jordanpark war ein Thema. Ob das Alpinum nicht dem geplanten „Parkpflegewerk“ vorgezogen werden könne, fragte Ulrich Fürst. Da nur die ganzheitliche Maßnahme förderungswürdig sei, sei dies nicht möglich, sagte der OB. Laut Carl handele es sich bei dieser Parkanlage um ein Kulturgut ähnlich dem „Englischen Garten“ in München, welches aus Unwissenheit über Jahrzehnte anders gepflegt und bepflanzt worden sei. Der Rückbau lasse ein Areal mit „größter innerstädtischer Qualität“ entstehen.

Nur am Sonntag in Reih und Glied am richtigen Platz, ansonsten seien die Hilfsmittel am Friedhof häufig irgendwo abgestellt, klagte ein Bürger.

Das Verhalten der Bürger stand ebenfalls im Fokus. Rudolf Uhrle hat festgestellt, dass zahlreiche Friedhofsbesucher es nicht für notwendig halten, die sehr begehrten Transportkarren nach Gebrauch wieder an die „Parkplätze“ zurückzubringen. Um dieser schlechten Angewohnheit Abhilfe zu schaffen, beantragte er die Einrichtung von Stationen nach dem Einkaufswagen-Prinzip, wo für einen Euro oder Chip der Wagen entnommen werden kann. Das wird umgesetzt. 

Für den Müll an Wertstoffinseln wünschte sich ein Bürger eine Video-Überwachung, was laut OB leider nicht erlaubt ist. Gewünscht wurden auch mehr Fahrradständer an der Volkshochschule, aber auf der Nordseite wegen der im Sommer hohen Temperaturen. Toni Heider stellte fest, das Schrader-Denkmal sehe nicht gut aus – das solle man „wieder mal a bissle richte“.

Großes Lob von mehreren Seiten erhielt der Bauhof. Das galt für die Gestaltung von Blumenrabatten ebenso wie die in der Regel schnelle Behebung von gefährlichen Schäden an Fahrbahnen durch den Bauhof. In einem Fall sei dies sogar innerhalb einer halben Stunde geschehen, berichtete Georg Vogt.

von Wolfgang Becker

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