Kein Verständnis

Regierung wälzt Beschaffung für Lehrer-Laptops ab

Lehrerin
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Nun sollen auch die Lehrer der landkreiseigenen Schulen mit Laptops ausgestattet werden. Diese Order kam aus dem Kultusministerium des Freistaats.
  • vonSelma Höfer
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Landkreis – Laut wurde Ostallgäus Landrätin Maria Rita Zinnecker in der ersten Sitzung des Kreisausschusses in diesem Jahr. Das lag allerdings weder am Haushaltsplanentwurf, der auf dem Programm stand, noch an einem der anwesenden Kreisräte. Vielmehr bezog sich ihr Ärger auf die Arbeit des Bayerischen Kultusministerium im Umgang mit der nötigen Digitalisierung der Schulen in Reaktion auf die Covid-19-Pandemie. „Wir haben für unsere Schulen bereits viel getan“, sagte Zinnecker. Denn vor zwei Jahren schon nahm sich der Landkreis dieser Aufgabe an.

Es war die Bitte von Kreisrätin Clara Knestel (Bündnis 90/Grüne), zu prüfen, wie hoch der Bedarf an Laptops für die Lehrer der kreiseigenen Schulen ist. „Ich habe unlängst gehört, dass Bayerns Kultusminister Michael Piazolo sagte, es gebe mehrere 1000 Laptops beim Ministerium, welche über die Schulen abgerufen werden können.“ Ihrer Meinung nach sollte der Landkreis sich darum bemühen. Ein Thema, auf das die Landrätin überhaupt nicht gut zu sprechen ist. Denn nach der Bedarfsdeckung von Laptops für Schüler, wurde den Landkreisen nun auch die Aufgabe übertragen, fehlende Geräte für ihre Lehrer zu besorgen.

Lehrer sind Angestellte des Freistaats

„Ich schaue jetzt die Sachaufwandsträger der Schulen an, das sind die Gemeinden genauso wie der Landkreis, die jetzt die Verantwortung übertragen bekommen haben, für die Lehrer Laptops zu beschaffen“, begann Zinnecker noch ruhig. Um dann jedoch ihrem Ärger laut Luft zu machen: „Weil das Kultusministerium nicht in der Lage ist, einen zentralen Rahmenvertrag abzuschließen und allen beschäftigten Lehrern die Geräte zu organisieren. Ich sage das hier bewusst in diesem Ton.“ Es entziehe sich ihrem Verständnis, weshalb im Ministerium darüber diskutiert wurde, auf wen die Verantwortung abgewälzt werden soll, „anstatt einfach zentral einen solchen Vertrag zu machen und entsprechend einen Auftrag zu vergeben, um diese Laptops zu beschaffen“, monierte Zinnecker. Die Gemeinden und der Landkreis seien eigentlich nur für den Sachaufwand der Schulen zuständig, erläuterte die Landrätin. Bei diesen Anschaffungen gehe es jedoch um Geräte für die Beamten. „Die Lehrer sind Mitarbeiter des Freistaates!“ Die Lösung sei unbefriedigend. Aber der Landkreis stelle sich auch dieser Herausforderung, schloss Zinnecker.

Das ist eine schallende  Ohrfeige an die  kommunale Ebene.

Lars Leveringhaus,  stellvertretender Landrat, CSU

Nicht ganz so laut wollte der stellvertretende Landrat Lars Leveringhaus (CSU) seine Meinung zu diesem Thema sagen. Dennoch fand er klare Worte für das Agieren auf Landesebene: „Das ist eine schallende Ohrfeige an die kommunale Ebene, die auch in diesem Jahr nicht gerade mit auskömmlichen Finanzmitteln gesegnet ist“. Dabei sei nicht allein die wochenlange Lieferzeit für die entsprechenden Geräte problematisch. Vielmehr würde der Personalaufwand, der mit diesen Geräten verbunden ist, ein nachhaltiges Problem mit sich bringen. „Das ist nicht fair und das ist deutlich zu kritisieren“, bezog Leveringhaus Stellung.

Lieferzeiten enorm verlängert

Insgesamt stehe der Landkreis gut da, was die Digitalisierung der Schulen betrifft. Wie Zinnecker betonte, sei hier bereits vor zwei Jahren damit begonnen worden, auch was die möglichen Fördermittel dafür betreffe. „Wir sind 2018 mit einem Millionen-Paket dafür gestartet. Das war sehr vorausschauend.“ Kreiskämmerin Bettina Schön bestätigte: „Bereits im vergangenen Jahr haben wir die Bedarfe abgefragt und 240 Laptops beschafft“. In einer zweiten Order seien im Oktober weitere 125 Geräte bestellt worden. Das Problem dabei sei nur, dass sich die Lieferzeiten enorm verlängert haben, sagte Zinnecker.

Aktuell, so Schön, laufen die Förderprogramme für Lehrer-Laptops. Außerdem, ergänzte die Landrätin, startete der Landkreis im ersten Lockdown eine Laptop-Sammelaktion für Kinder aus sozial schwächeren Familien (wir berichteten). Bereits einen Monat nach dem Spendenaufruf waren über 250 Laptops zusammengekommen, aufbereitet und an bedürftige Schüler verteilt worden.

Selma Höfer

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