"Reguläre Struktur unterbrechen"

Esther Stocker.

Hatte der Abriss des Parkhaus Süd lange vor Ablauf der erwarteten Nutzungsdauer doch für einige Diskussionen gesorgt, so warten die Kaufbeurer nun gespannt auf den neuen Bau, der voraussichtlich ab Juli den Parkern zur Verfügung stehen wird. Wie der Verantwortliche der Sparkasse, Werner Lindner, betonte, soll das Konzept aber diesmal über den reinen Funktionsbau hinausgehen: die Fassade wird von der international tätigen Künstlerin Esther Stocker gestaltet (wir berichteten). Vorgesehen ist eine geometrische Grundgestaltung in puristischem Schwarz-Weiß. Dem KREISBOTE hat die Künstlerin, die selbst in Wien lebt, ihre Sicht auf das Projekt geschildert.

Wie genau ist der Kontakt zwischen Ihnen und der Sparkasse bezüglich der Parkhaus-Gestaltung zustande gekommen? Wie schnell war klar, dass Sie den Auftrag übernehmen möchten? Stocker: „2011 war ich öfters in Kaufbeuren, um eine Installation für das Kunsthaus zu planen. So ist der erste Kontakt entstanden. Später gab es dann Entwurfsvorschläge meinerseits und ein Treffen, um die ersten Fragen abzuklären“. Sie haben ja vor Jahren schon einmal im hiesigen „Kunsthaus“ ausgestellt. Wie haben Sie Kaufbeuren damals als Stadt kennengelernt? Worin sehen Sie die Herausforderung, ein Parkhaus speziell in und für Kaufbeuren zu gestalten? Stocker: „Die Stadt Kaufbeuren macht einen sehr gepflegten Eindruck mit wunderschönen historischen Gebäuden und Wandmalereien. Mir persönlich gefällt die Aufgabe, eine zeitgemäße Ergänzung in der Zeichensprache bei einem neuen Gebäude zu finden: das kann auch eine identitätsstiftendes Zeichen sein. Ein Parkhaus ist darüberhinaus sehr gut für eine künstlerische Gestaltung geeignet: die Art der Nutzung lässt eine großen Spielraum an Gestaltung zu“. Der Bauträger Sparkasse hat bereits aufgezeigt, wie das Parkhaus nach Abschluss der Gestaltung in etwa aussehen soll – weiße quadratische Paneele in teilweise unterbrochener Reihenanordnung; Zwischenräume, die bei Nacht per Innenbeleuchtung die Hell-Dunkel-Wirkung umkehren. Können Sie aus Ihrem eigenen Blickwinkel noch etwas zum „Warum und wieso“ der Gestaltung sagen? Stocker: „In der Gestaltung für das Parkhaus geht es in erster Linie um Ordnung und Abweichung. Aufgebaut aus quadratischen Elementen in einem Raster liegend, tanzen einzelne Elemente sprichwörtlich aus der Reihe. Dabei geht es mir vor allem um die ästhetische Darstellung der Unterbrechung einer regulären Struktur und um die Wichtigkeit der Imagination. Die weißen Quadrate in der Darstellung werden in der Realität eine metallische Gitterstruktur sein. Die technische Umsetzung und Abstimmung der Gestaltung ist in enger Zusammenarbeit mit dem Architekten Gerd Grohe entstanden“. Haben Sie schon einmal ein Parkhaus gestaltet? Stocker: „Ich werde bald in Metz in Frankreich die Fassade eines Parkhauses gestalten, allerdings ist es in diesem Fall eine direkte Wandmalerei“. „Wie beurteilen Sie persönlich das „Arbeitsklima“ und die künstlerische Freiheit, die die Stadt Kaufbeuren Kunstschaffenden bietet? Stocker: „Das können natürlich am besten die KünstlerInnen beantworten, die tatsächlich in Kaufbeuren leben. Oder die ansässigen Jugendlichen, die sich in diese Richtung interessieren und entwickeln wollen. Mit dem Kunsthaus Kaufbeuren haben sie sicher eine wertvolle Institution, die hervorragende Ausstellungen anbietet. Sagen wir so: nicht jeder Taxifahrer am Bahnhof hat schon mal davon gehört, dass es in Kaufbeuren ein Kunsthaus gibt. Da würden großzügige Beschilderungen und Ankündigungen der Ausstellungen wirklich weiterhelfen“. Frau Stocker, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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