Mit Technik gegen die Zeit

Jagdschutzverein Kaufbeuren: Rehkitze retten mit Drohnen

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Mithilfe moderner Technik können solche im Feld verborgenen Rehkitze aufgespürt und vor der Mahd gerettet werden.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Während die meisten Menschen sich über die steigenden Temperaturen des Frühjahrs freuen, beginnt für manches Tier in der Natur eine gefährliche Zeit. Besonders betroffen sind Rehkitze, die in den Feldern von den Muttertieren abgelegt werden. Die Rettung dieser Kitze ist für jeden Revierpächter und Landwirt ein Kraftakt. Doch mit Drohnen können diese Jungtiere aufgespürt und rechtzeitig gerettet werden. Da diese auf spezielle Eigenschaften ausgerichtete Technik ihren Preis hat, geht der Jagdschutz- und Jägerverein Kaufbeuren e.V. einen Weg über die Crowdfunding Plattform der VR-Bank Kaufbeuren-Ostallgäu.

Die Kampagne läuft unter dem Motto „Viele schaffen mehr“ und ermöglicht es vielen Menschen, auch mit einem kleinen Anteil ihren aktiven Beitrag zum Tierschutz zu leisten. So sollen die erforderlichen 15.000 Euro durch Spenden gesammelt werden.

Drohnen haben mittlerweile in vielen Bereichen ihre Einsatzfelder. Das betrifft nicht nur den Katastrophenschutz, sondern beispielsweise auch die Bergrettung, die Kontrolle von Industrieanlagen oder den Einsatz in der Land- und Forstwirtschaft. Bei der Rehkitzrettung kann eine Drohne zum Lebensretter werden. Der Drückerinstinkt, ein angeborenes Schutzverhalten der Rehkitze, die sich im Alter von nur wenigen Tagen auf den Boden „drücken“ und sich nicht bewegen, um so vor Feinden unentdeckt zu bleiben, sorgt dafür, dass sich Rehkitze bei lauten Geräuschen von Mähdreschern nicht entfernen. Tausende von Kitzen kommen deswegen im Jahr um. Herkömmliche Schutzmaßnahmen sind sehr zeit- und personalintensiv. Mit einer Wärmebildkamera lassen sich Rehkitze aufgrund ihrer Körpertemperatur dagegen leicht auffinden und retten.

„Wettlauf gegen die Zeit“

„Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit in der technisierten Landwirtschaft“, sagt Stefan Schopf als Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins. Mähausleger von bis zu 25 Metern und eine Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h könnten in kürzester Zeit mehrere hundert Hektar Fläche abmähen. Das Zeitfenster für den Einsatz einer Infraroterfassung sei aufgrund der steigenden Temperatur begrenzt, das heißt, ab etwa 5 Uhr in der Früh ist eine Erkennung nur wenige Stunden möglich, um die Kitze aufzuspüren. Dann steigt die Temperatur an und macht eine Differenzierung unmöglich. Daher ist diese Aufgabe nur mit einer leistungsfähigen professionellen Drohne mit einer Normal- und Infrarotkamera zu bewältigen, die in 40 bis 60 Meter Höhe etwa 25 bis 40 Hektar Fläche pro Stunde erfassen kann und selbstständig zum Akkuwechsel an ihren Ausgangspunkt zurückkehrt.

Mittels Spenden und der Crowdfunding Plattform versucht der Jagdschutz- und Jägerverein nun eine entsprechende Ausstattung anzuschaffen. Erforderlich sind 15.000 Euro für das gesamte System mit Software, Hardware und Lizenz für den Betrieb, die bis Anfang September zusammenkommen müssen. Ansonsten werden die Spenden wieder rückabgewickelt. „Wir können nicht alle retten“, so Schopf, „aber mithilfe der verfügbaren Technologie ist dies unser Beitrag im Sinne des Tierschutzes, der auch die Förderung der frei lebenden Tierwelt einschließt.“

von Wolfgang Becker

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