Gleichbehandlung Fehlanzeige:

Reinigungskräfte am Klinikum Kaufbeuren fordern auch „Corona-Bonus“

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Die Reinigungskräfte des Klinikums Kaufbeuren setzen sich bei ihrer täglichen Arbeit ebenso wie Ärzte, Krankenschwestern und Pflegepersonal dem Coronavirus aus. Doch sie gehen beim Corona-Pflegebonus leer aus. Das finden sie ungerecht.

Kaufbeuren – In Heimen und Kliniken riskieren derzeit nicht nur Pflegekräfte ihre Gesundheit. Auch die Reinigungskräfte, wie die aus dem Klinikum Kaufbeuren, setzen bei der täglichen Arbeit in der Coronakrise ihre eigene Gesundheit aufs Spiel. Doch während Pflegekräfte in Krankenhäusern, Rehakliniken, Alten-, Pflege- und Behinderteneinrichtungen in Bayern einen steuerfreien Bonus von 500 Euro erhalten, gehen die Reinigungskräfte leer aus.

Alle Anträge auf Bewilligung des Corona-Pflegebonus wurden abgelehnt, schreiben die Betroffenen am Kaufbeurer Klinikum in einem Brief an den Kreisbote, der die Unterschrift von 59 Mitarbeiterinnen trägt. Dabei sind auch die Bereiche Hygiene und Hauswirtschaft unverzichtbar. Und auch dort laufen die Mitarbeiter Gefahr, mit dem Virus in Kontakt zu kommen. Daher ist es für die Betroffenen „ungerecht, dass Ärzte, Krankenschwestern und Pflegepersonal den Corona-Pflegebonus erhalten“, sie aber nicht. Der Kreisbote sprach mit dem Landtagsabgeordneten der Freien Wähler und Kauf­beurer Stadtrat Bernhard Pohl über die Forderung der Reinigungskräfte des Kaufbeurer Klinikums.

Warum sind Reinigungskräfte eines Klinikums von dem Corona-Pflegebonus des Freistaates Bayern ausgenommen?

Pohl: Die Bayerische Staatsregierung hat entschieden, dass zusätzlich zu der Zuwendung des Bundes ein einmaliger Pflegebonus in Höhe von 500 Euro ausgezahlt wird. Schon mit Schreiben vom 23. April 2020 habe ich Staatsministerin Melanie Huml gebeten, den Kreis der Berechtigten klar zu definieren. Hätte ich damals schon das Schreiben der Reinigungskräfte gehabt, hätte ich die Ministerin selbstverständlich darum gebeten, den Kreis der Berechtigten auszuweiten. Im Übrigen fallen mir in Kliniken auch noch andere Bereiche ein, die man hätte einbeziehen können, etwa das Küchenpersonal.

Die Reinigungskräfte setzen sich ebenso wie Ärzte und Pflegekräfte dem Risiko aus, sich mit dem Virus anzustecken. Ist das gerecht, dass Ärzte, Krankenschwestern und Pflegepersonal den Bonus erhalten und sie nicht?

Pohl: Wenn man eine bestimmte Gruppe heraushebt und mit einer Bonuszahlung belohnt, ist das einerseits ein gutes Zeichen, es schafft aber immer Ungerechtigkeiten. Auch ich kann nur schwer nachvollziehen, warum Reinigungskräfte anders behandelt werden als sonstige Krankenhausmitarbeiter.

Es gibt aber auch noch andere, die eine finanzielle Anerkennung verdient hätten. Für das Personal in den Supermärkten war die Zeit alles andere als leicht. Und ob eine Einmalzahlung von 300 Euro pro Kind für Familien tatsächlich das aufwiegt, was insbesondere Alleinerziehende in beengten Wohnverhältnissen inklusive Arbeit im Home­office und Homeschooling durchzumachen hatten, kann man durchaus in Frage stellen.

Die Beschäftigten der Klinikum Magdeburg gGmbH erhalten als Anerkennung der Belastungssituation durch die Corona-Pandemie eine Einmalzahlung von 1.500 Euro, steuer- und sozialabgabenfrei. Wäre das auch für das Klinikum Kaufbeuren denkbar?

Pohl: Ich werde das Anliegen der Reinigungskräfte der Ministerin weiterleiten und ihr ans Herz legen, auch dem Reinigungspersonal eine entsprechende Zuwendung zukommen zu lassen. Ganz große Hoffnungen möchte ich aber nicht machen. Meistens kann man nur dann Einfluss nehmen, wenn der Kreis der Berechtigten diskutiert wird. Eine nachträgliche Unterstützung ist eher die Ausnahme.

Ich werde auch den Klinikvorstand und die Spitze des Verwaltungsrats, also Oberbürgermeister Stefan Bosse und Land­rätin Maria Rita Zinnecker darum bitten, zugunsten der Reinigungskräfte ein Zeichen zu setzen. Natürlich hat die Klinik in Zeiten von Corona selbst mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Andererseits ist das Anliegen der Betroffenen auch mehr als berechtigt.

Das Interview führte Kai Lorenz.

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