Vom Schulleiter zum Krisenmanager

Wie Rektor Hortig die Gustav-Leutelt-Schule durch die Corona-Zeit führen will

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Coronakrise und bevorstehende Baumaßnahmen (im Hintergrund die neuen Container für die Ausweitung der Klassenzimmer): Die Schulleitung der Gustav-Leutelt-Schule mit Rektor Frank Hortig und Konrektorin Anita Bauer ist zuversichtlich, die Aufgaben zu meisten.

Kaufbeuren-Neugablonz – Die Gustav-Leutelt-Schule in Neugablonz steht wie viele Schulen im Landkreis und in der Stadt Kaufbeuren auch vor einer immensen Herausforderung, um ab kommenden Dienstag täglich Schule in Corona-Zeiten zu ermöglichen. Nicht nur dies dürfte für die rund 470 Schülerinnen und Schüler sowie das gesamte Lehrerkollegium zu einer echten Mammutaufgabe werden lassen. Denn es kommen noch Baumaßnahmen dazu. Am 28. September erfolgt der lang ersehnte Spatenstich.

Schon jetzt rollen die Bagger, schweres Gerät steht parat. Auf dem Sportgelände zwischen dem Vereinsgebäude des TV Neugablonz und der Leutelt-Schule wurden bereits Container um Container aufgestellt. Insgesamt entstehen erst einmal acht Klassenzimmer, inklusive Hort, der ebenfalls dort integriert sein wird. Nicht nur, dass der Hartplatz zum neuen Pausenhof wird, auch der Weg dorthin wird verkürzt. Die Schüler kommen ab der jetzigen Höhe des Fahrradstellplatzes geradewegs zum Containerkomplex. „Wir freuen uns auf den Umbau, der schnell vonstatten gehen soll“, so Schulleiter Frank Hortig. Im besten Fall soll die Baumaßnahme in gut drei Jahren fertig sein. Fakt ist, mit Beginn der Arbeiten kann der nördliche Pausenhof von den Schülerinnen und Schülern nicht mehr benutzt werden. Auch das öffentlich zugängliche DFB-Kleinspielfeld ist davon betroffen. In diesem Zuge fällt auch die Pausenhalle für die Schüler weg. Wie Hortig betont, sollen ab November dieses Jahres die Planungen für den Rest der Leutelt-Schule in Angriff genommen werden.

Aber nicht die Baumaßnahmen, sondern die Coronakrise steht derzeit im Fokus. Das Beschäftigungsprofil habe sich für den Rektor seit Mitte März komplett verändert. Seinen Worten zufolge sei vieles ein ganzes Stück weit verloren gegangen. Er fühle sich wie ein Krisenmanager. „Das ist nichts Schönes, es ist etwas Bedrückendes. Die Belastung hat zugenommen.“

So richtig abschalten konnte er in den Sommerferien deshalb nicht. Viel hänge von den kommenden Tagen ab, so Hortig, der sich wie alle wohl nach Normalität sehnt. Doch die aktuelle Situation wird nicht einfach, auch wenn der Schulleiter schaut, dass die Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln den Alltag nicht zu sehr beeinträchtigen. Dennoch: „Wir nehmen das Thema sehr ernst.“

Der Schulstart wird das Lehrerkollegium nicht in Festlaune versetzen. Die Feierlichkeiten sind abgespeckt. Die beiden erste Klassen, mit insgesamt 42 Schülern, werden zeitlich versetzt ihren ersten Schultag erleben, der maximal eine Stunde dauern wird. Nur zwei Erwachsene pro Kind dürfen bei der Einschulung mit dabei sein. Kaffee und Kuchen, der sonst vom Elternbeirat gestellt wird, ist gestrichen. „Wir werden uns nicht einschüchtern lassen“, hebt Hortig hervor. Für die Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse besteht keine Maskenpflicht, ab der fünften Klasse ist die Mund-Nasen-Bedeckung vorgeschrieben. Hortig selbst würde neue Maßnahmen wie einen Plexiglasschutz an den Tischen oder Entlüftungsgeräte, die in den Räumen aufgestellt werden können, begrüßen. „Ich hoffe, dass wir nicht zum Distanzunterricht zurückkehren müssen.“

Auch der Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (FW) beschäftigt sich täglich mit den Folgen der Coronakrise, richtet vor dem neuen Schuljahr wohlwollende Worte an Eltern, Schüler und Lehrer: „Wir haben beim Lockdown im Frühjahr dieses Jahres allen eine ganze Menge abverlangt. Wir wissen auch, einen zweiten Lockdown darf es nicht geben. Deswegen müssen wir alles tun, um die Infektionsgefahren so klein wie möglich zu halten. Dazu hilft die Maske.“ Sie sei zwar nicht das Eilheilmittel, aber mit der Mund-Nasen-Be­deckung habe man eine geringere Infektionsgefahr. „Die Maskenpflicht müssen wir temporär in den Blick nehmen, um Schlimmeres zu vermeiden.“ Pohl rechnet in diesem Schuljahr mit unterschiedlichen Handhabungen. „Es wird verschärfte Phasen geben und auch Zeiten, wo wir lockern werden, alles situationsangepasst. Das ist aus Gründen des Schutzes vor gesundheitlichen Risiken auch notwendig.“

Auch sonst dürften die ersten Tage in der Gustav-Leutelt-Schule spannend verlaufen. Ein Präsenzunterricht mit allen Schülern und Lehrern gab es seit dem Lockdown nicht mehr. Primär geht es darum, wie die Ganztagesbeschulung aussieht, auch die Essenssituation wird der Schulleiter genau betrachten. Eine Durchmischung der verschiedenen Schülergruppen soll vermieden werden, da es anfangs nur Klassenleiterunterricht gibt. Für Frank Hortig ist es zudem wichtig, die Omnipräsenz von Corona zurückzudrängen, um den Bildungsauftrag als Schwerpunkt zu fokussieren und „damit eng verbunden, die latente Angst bei allen Schülern, Mitarbeitern der Schule und Eltern zu zerstreuen.“

von Stefan Günter

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