Ortstermin

Reservat für eine Prinzessin: Grünen-Fraktion informiert sich bei Bachmuschel-Experten

Eine typische, wenn auch leere Bachmuschel. Im Bett des Ettwieser Baches fanden sich vor gut zehn Jahren noch rund 10.000 Exemplare.

Marktoberdorf – Über Jahrzehnte waren Ettwieser Bach und Weiher ein Biotop für seltene Lebewesen und vergnügte Badegäste. Nun bringen Trockenheit und erhöhte Temperaturen dieses Miteinander aus dem Gleichgewicht. Die Bachmuschel wird zum Stein des Anstoßes (wir berichteten mehrfach). Denn die streng geschützte Art hat als eines ihrer letzten Reservate im Ostallgäu den Ettwieser Bach auserkoren.

Mit der Aufstauung des Ettwieser Weihers zum Badesee droht nun die gesamte Population auszutrocknen. „Kein Wasser aus dem Weiher, keine Bachmuschel“, sagt der Ostallgäuer Naturschutzwächter Gerhard Northemann, der vor wenigen Jahren noch tausende Exemplare im Ettwieser Bach gezählt hatte.

Die Stadtratsfraktion der Grünen hatte Northemann um einen Ortstermin gebeten, um mehr über die Bachmuschel zu erfahren und so zur Lösung des Dilemmas am Ettwieser Weiher beizutragen. „Baden oder Artenschutz – das kann nicht die einzige Alternative sein“, sagte Christian Vavra, Umweltbeauftragter der Stadt. Deshalb trafen sich die Stadträte der Grünen, Vavra, Georg Martin, Jörg Schneider und Anne-Dore Fritzsche mit Gerhard Northemann, um auszuloten, ob nicht Badevergnügen und die Rettung der Bachmuschel zu vereinbaren seien.

Verstecktes Bachmuschel-Biotop

Die Grünen-Stadträte besichtigten ein weiteres Bachmuschel-Vorkommen auf dem Stadtgebiet Marktoberdorfs und erfuhren von Naturschutzwächter Gerhard Northemann Wissenswertes über die vom Aussterben bedrohte Art.

Northemann führte die Stadträte jedoch nicht nach Ettwiesen, sondern an einen zweiten Bachlauf im Stadtgebiet, der über ein besonders ausgeprägtes Vorkommen von Muscheln verfügt. Ein Paradies also, dessen Koordinaten der Naturschützer lieber im Unklaren lassen möchte. Die Stimmung sei aufgeheizt, so Northemann, und er wolle nicht, dass unkundige Personen auf eigene Faust versuchten, das Bachmuschelvorkommen am Ettwieser Weiher kurzerhand umzusiedeln. Damit würden beide Bestände extrem gefährdet.

Die Bachmuschel ist nämlich äußerst heikel, was ihren Lebensraum betrifft. Sie sei ein sehr guter Indikator für die Wasserqualität, so Northemann, sie benötige entsprechende Sauerstoff- und Nährstoffgehalte. Verschlammung, Trockenheit und die Bisamratte (die übrigens auch der Mensch einschleppte) führten zu ihrer Ausrottung. „Jede Muschel hat ihre spezielle Lieblingsstelle im Bach, je nach Verschattung, Wassertemperatur und -qualität“, erklärte Northemann. Deshalb sei auch die Umsiedlung so schwierig. „Eine Prinzessin auf der Erbse“, lächelte Anne-Dore Fritzsche. Der Ortsbesuch hinterließ bei den Beteiligten dennoch etwas Zuversicht. Auch Northemann wagte die Überlegung, an diesem noch unberührten Bachmuschel-Paradies das Experiment einer Umsiedlung des Ettwieser Bestands unter fachkundiger Leitung zu versuchen. Jedoch wiesen sowohl der Naturschutz-Experte als auch die Stadträte darauf hin, dass die Planung eines umfassenden Gewässermanagements für Markt­oberdorf dringend nötig sei.

von Angelika Hirschberg

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