Der Rest vom (Abschluss-)Fest

„Kaufbeuren ist eine sehr sichere Stadt – auch wenn vielleicht nicht alle Bürger das so wahrnehmen“, so das Fazit von Reinhard Janko, dem stellvertretenden Leiter der Kaufbeurer Polizeidienststelle, bei der jüngsten Sitzung des Sicherheitsbeirats in der vergangenen Woche. Auch sonst gab es tendenziell eher positives zu berichten: die Ergebnisse der Aktion „Dunkle Ecken“ wurden bereits an vielen Stellen umgesetzt und Oberbürgermeister Stefan Bosse hat gute Hoffnung, dass Kaufbeuren bald nicht mehr ganz oben auf der Schadensstatistik der KFZ-Versicherer steht. Handlungsbedarf gibt es indes eher bei den „nicht-klassischen“ Bereichen, wie bei der Gewaltbereitschaft ultra-extremer Fans und dem Feierverhalten der lokalen Jugend.

Ein Ohr für die Ängste der Bürger, eine gute Kommunikation zwischen den verantwortlichen Institutionen und aus- reichend Personal – das sind die Faktoren, auf die Oberbürgermeister Bosse beim Thema „Sicherheit in Kaufbeuren“ setzt. Denn auch wenn die Wertachstadt laut der offiziellen Statistik auf Platz drei der sichersten Städte in Bayern liegt, und Bayern selbst bereits mit Abstand als Bundesland mit der geringsten Anzahl an Straftaten gilt, seien „objektives und subjektives Sicherheitsgefühl nicht immer identisch“, so Bosse. Aktionen wie die Umfrage „Dunkle Ecken“, bei der seit 2004 alle Bürger Orte benennen können, an denen sie sich aus irgendeinem Grund unsicher fühlen, seien daher für das Lebensgefühl in der Stadt nicht zu unterschätzen. Umso erfreulicher, dass die Zahl der gemeldeten Stellen stetig abnimmt: „Wir haben die meisten Plätze bereits abgearbeitet, momentan liegen uns nur fünf Neumeldungen vor“, berichtete der Rathauschef. Hauptsächlich durch bessere Beleuchtung sei man den „dunklen Ecken“ Herr geworden. Um die sehr gute Sicherheitslage auch zukünftig gewährleisten zu können, wurde die Kaufbeurer Sicherheitswacht von sechs auf 15 Mitglieder aufgestockt. Einen Überblick über die aktuelle Statistik gab der stellvertretende Dienststellenleiter der Polizei, Reinhard Janko. Diese deckt sich weitestgehend mit dem Bericht des Präsidiums Schwaben Süd/West vor einigen Monaten (wir berichteten). So liegt die allgemeine Aufklärungsrate bei rund 64 Prozent, auch bei den Verkehrstoten konnte zu 2010 zumindest keine Verschlechterung verzeichnet werden. Die Zahl der verletzten Personen habe sich allerdings um rund 20 Prozent auf 239 erhöht. Als Reaktion auf diese Entwicklung wurden aber laut Janko noch für dieses Jahr sogenannte „Verkehrstage“ angesetzt, bei denen Experten und Verantwortliche über entsprechende Maßnahmen beraten. Gewalt zwischen Fans Handlungsbedarf sieht der Polizeihauptkomissar momentan weniger bei den „klassischen“ Straftaten wie Diebstahl oder Betrug, sondern beim Gewaltpotenzial extremistischer Fans. „Wir stellen hier eine Steigerung fest – sogenannte ‘Ultras’ kommen zu Spielen des ESVK und machen Randale. Einmal ist sogar ein Fantrupp des FC Augsburg zu einem Eishockeyspiel extra nach Kaufbeuren gekommen, um hier die Leute aufzumischen“, erzählte Janko. Erschreckend sei zudem, dass bereits in der Nachwuchsliga entsprechende Tendenzen festzustellen seien. „Wir möchten natürlich nicht alle Fans in einen Topf werfen, es handelt sich hierbei um ganz bestimmte Gruppierungen“, so Janko. Für solche Fälle sei man allerdings von Seiten der Polizei ausreichend gewappnet. Für bestimmte Großereignisse, bei denen eine verstärkte Anreise von Gästen mit der DB erwartet werde, gebe es eine enge Kooperation mit dem Sicherheitsdienst der Deutschen Bahn, betonte Bosse. So gebe es einen jährlichen Austausch, regelmäßige Kundenbefragungen und sogenannte „Flächenraumstreifen“, die gegebenenfalls im Bahnhofsbereich vor Ort seien. Party-Müll im Jordanpark Ein vergleichsweise eher harmloses, aber nicht desto trotz drängendes Problem kam zum Ende der Ausschusssitzung zur Sprache: die inoffiziellen Parties der Schulabgänger im Jordanpark. Wie schon seit einigen Jahren, trafen sich auch heuer wieder die jeweiligen Absolventen am Monopteros im Zentrum der Kaufbeurer Parkanlagen – für Unbeteiligte vor allem daran erkennbar, dass der Müll von Getränken und anderen „Party-Utensilien“ um den Monopteros verstreut lag. Elke Schad von der Abteilung Gleichstellung & Familie im Rathaus war am nächsten Tag vor Ort gewesen und berichtete: „Es sah einfach übel aus!“ Als problematisch sehen die Ausschussmitglieder zudem den unkontrollierten Alkoholkonsum an. Oberbürgermeister Stefan Bosse bittet daher die Schulen, die entsprechenden Prüfungstermine der Stadt mitzuteilen, damit Maßnahmen ergriffen werden können. „Es bringt sicher nichts, diese Feiern zu verbieten, da sie dann nur an einem anderen Ort stattfinden werden. Aber es muss ein Mindestmaß an Regeln geben“, so das Statement des Rathauschefs. Als praktikabel schien dem Gremium das Verfahren an der FOS/BOS: Dort räumen jeweils die Schüler des nachfolgenden Jahrgangs die Überreste der Abschlussparties am Monopteros auf – und dürfen dann ein Jahr später auf den gleichen ‘Service’ hoffen. Handlungsbedarf sah Bosse hier vor allem, weil immer öfter auch die Absolventen der Real- und Mittelschulen am Monopteros feiern. „Wenn sich alle auf ein sinnvolles Konzept zur Müllbeseitigung einigen können, sind wir auf einem guten Weg“, so Bosse. fr

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