Jagdpächter Anton Vogel und Helfer suchen zur Heuernete-Zeit Kitze in den Feldern

Rettung vor einem grausamen Tod

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Die Gruppe um Anton Vogel war wieder einmal erfolgreich und hat Rehkitze vor dem sicheren Tod bewahrt: Daniel Vogel (v. li.), Adolf Thoma, Anita Thoma, Siglinde Senser mit Tochter, Anton Vogel, Wolfgang Vogel und Kreszentia Vogel.

Honsolgen – Der Tod lauert oft im hohen Gras. Denn viele junge Rehkitze sind derzeit in Lebensgefahr, wenn die Landwirte zur Heuernte ausfahren. Für den Jagdpächter Anton Vogel ist das nicht akzeptabel. Seit 20 Jahren wirbt er bei den Landwirten rund um seine Pacht in Honsolgen-Hausen, ihn vor der Ausfahrt zur Ernte zu verständigen, damit er mit freiwilligen Helfern vorher die Wiesen absuchen und somit das Leben der Jungtiere retten kann.

Jäger und gleichzeitig Tierretter? Für Anton Vogel ist das kein Widerspruch. „Was gibt es schöneres als Tierleben zu retten“, so der Oberdießener gegenüber dem Kreisbote. Denn der Jagdpächter ist derzeit wieder zusammen mit anderen Freiwilligen unterwegs, um Kitze vor den scharfen Messern der Heuernte-Maschinen zu retten.  Vogel: „Auch eine Geiß trauert um ihr Kind“. Mehr oder weniger zufällig war Anton Vogel vor wenigen Tagen bei einer Aktion nahe Hausen anzutreffen. Zusammen mit zwei „angeworbenen“ Familien aus Buchloe hatte Vogel gerade eine Rehkitz-Suchaktion abgeschlossen und tatsächlich wieder mehrere Tiere gerettet. 

Nun war für die freiwilligen Akteure Picknickzeit angesagt. Den beteiligten Familien konnte man an den Gesichtern ablesen, welch positives Erlebnis die Aktion für sie war. 

Grausamer Tod 

Kommt es wirklich zum schlimmsten Fall, dass ein Kitz in die Messer der Schneidemaschinen gerät, ist das für alle Beteiligten grausam. Das Kitz leidet Qualen ohne Ende. Die Schreie der Kreatur bleiben den betroffenen Landwirten in das Gedächtnis eingebrannt. Auch die Reh- geiß leidet. Sie sucht ihr verlorenes Kitz. Oft haben zudem die örtlichen Jäger die undankbare Pflicht, ein eventuell verletztes, aber noch nicht verendetes Rehkitz von seinen Qualen zu erlösen. Dazu kommt, dass „vermähte“ Rehkitze ein hygienisches Problem darstellen, denn aus Fleischresten im Schnittgras können Leichengifte entweichen, die wiederum zu tödlichen Vergiftungen beim Vieh führen. 

Freiwillige gesucht 

Für die Suche nach freiwilligen Helfern haben Anton Vogel und seine Familie eigens mehrere Informationsblätter entworfen, die im Revier an markanten Stellen ausgehängt werden. Gesucht werden nicht nur „rüstige Rentner“ sondern auch ältere Kinder oder gar ganze Familien. „Gerade in den Ferien ist eine erfolgreiche „Rehkitz-Suchaktion“ für die jungen Menschen ein tolles Erlebnis“, erzählt Anton Vogel. Vogel will auch Spaziergänger für sein Anliegen sensibilisieren. Die Zusammenarbeit mit den Landwirten in seinem Revier funktioniere hervorragend, freut sich Vogel. „Immer wenn ich unsere Landwirte sehe, spreche ich sie an und biete meine Hilfe bei diesem Problem an“, erzählt er dem Kreisbote. Er lobt die Landwirte ausdrücklich für ihr Verständnis gegenüber seinem Anliegen. Manchmal wünscht sich Vogel allerdings, dass er über die Mähtermine etwas früher informiert wird. 

„Ich muss ja die freiwilligen Helfer organisieren, denn alleine oder nur mit ein oder zwei weiteren Helfern komme ich nicht weit“.

"Systematisch Vorgehen" 

Bei den eigentlichen Suchaktionen wird systematisch vorgegangen. Zuerst bilden die Freiwilligen eine Menschenkette. Der Abstand zwischen den Helfern sollte je nach Grashöhe zwei bis vier Meter betragen, denn die kleinen Kitze könne man sonst leicht übersehen, berichtet Anton Vogel, dessen Familie immer bei seinen Suchaktionen mit dabei ist. Vom Einsatz von Drohnen hält der Jagdpächter nicht viel. „Das ist zwar auch nicht schlecht“ wägt Vogel ab – aber der Kosteneinsatz stehe nach seiner Ansicht in keinem Verhältnis zum Erfolg. „Mit zehn freiwilligen Helfern können wir genauso effektiv sein. „Der Erfolg gibt uns recht, zumal schon das Erlebnis an sich für die Helfer unbezahlbar ist“. Vogel ist aber nicht nur ein engagierter Tierschützer, sondern zeigt sich den Unterstützern gegenüber gerne großzügig: „Ich lade meine freiwilligen Helfer nach allen Suchaktionen zu einer Brotzeit in eine Gastwirtschaft ein“, erzählt er. 

Es mache ihm einfach Spaß, mit seinen Helfern über das Erlebnis der erfolgreichen Rettungsaktionen zu reden, betont der Jagdpächter. Er weiß aber auch, dass es kein Patentrezept für das Aufspüren gefährdeter Kitze gibt. Erschwerend kommt hinzu, dass die ganz jungen Tiere sich bei Gefahr absolut regungslos verhalten. Das mag bei Fressfeinden eine gute Taktik sein, nicht aber bei den Erntemaschinen. Erst ab der dritten Woche versuchen die Kitze von sich aus, sich durch Flucht in Sicherheit zu bringen. 

Richtiges Bergen 

Besondere Sorgfalt ist beim „Bergen“ der Kitze unerlässlich. Denn sie sollen auf gar keinen Fall mit bloßen Händen berührt werden. In kleinen luftigen Holzkisten werden die Tiere an den Waldrand getragen und bleiben dort in der Kiste bis zum Mähende eingesperrt. Danach werden die Kitze wieder freigelassen. Oft übernehmen die Landwirte diese Aufgabe. Im Normalfall findet das Muttertier das eigene Kind und die beiden suchen ein neues Versteck. Gefährdet sind bei der maschinellen Heuernte aber nicht nur Rehkitze. Auch Vögel, die in den Wiesen brüten oder Feldhasen gehören zu den Opfern. Anton Vogel wünscht sich deshalb, dass auch andere Jagdpächter seinem Beispiel folgen und aktiv gefährdete Tiere während der Erntezeit retten. von csp

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