Integration junger Flüchtlinge

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Über ihre positiven Erfahrungen bei der Ausbildung junger Flüchtlinge berichteten bei der Roadshow der EMM e.V. Wolfgang Gabriel (von rechts), Geschäftsführer der Hans Gabriel Bauunternehmen GmbH Buchloe, Martina Wirth von der Handwerkskammer Schwaben, Johann Wagner, Serviceleiter beim Autohaus Haeberlen GmbH in Kaufbeuren, Salim Bayat, Auszubildender Kfz-Mechatroniker aus Afghanistan.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Der Verein Europäische Metropolregion München EMM e.V. unterstützt in seinem Projekt die Integration junger Flüchtlinge in die duale Berufsausbildung. Bei einer Roadshow in Kaufbeuren, dem zweiten Veranstaltungsort nach München, wurden einem interessierten Zuhörerkreis die rechtlichen Rahmenbedingungen und erfolgreiche Aktivitäten aus Bayern und der Region vorgestellt.

Lutz Tokumaru, der scheidende Leiter des Bildungsbüros Kaufbeuren und seine Nachfolgerin im Amt Tanja Stölzle begrüßten über 120 Zuhörer. Der Kauf­beurer Bürgermeister Ernst Holy nannte in seiner Begrüßungsrede „die Sprache als wichtigste Voraussetzung für Integration, um Flüchtlingen bei der Berufsausbildung helfen zu können“. Landrätin Maria Rita Zinnecker berichtete von erfolgreicher Arbeit mit 60 jungen Flüchtlingen in drei Klassen in der Berufsschule in Marktoberdorf.

Einen Überblick über die Aufenthaltsrechte von Asylbewerbern stellte Regierungsoberinspektor Steffen Matthes vom Staatsministerium des Inneren vor. Nach drei Monaten sei eine Arbeitsaufnahme möglich, bedarf aber auf Antrag der Ausländerbehörde der Zustimmung durch die Bundesagentur für Arbeit (BA). „Auch Ausbildung muss genehmigt werden“, betonte Matthes.

Für Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern sei keine Beschäftigung möglich wegen der Schutzvermutung. Für Asylberechtigte ist eine Beschäftigung auch ohne Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit möglich. „Für abgelehnte Asylbewerber besteht Ausreisepflicht und eine Beschäftigung muss zwingend versagt werden“, bestätigte Matthes zusammenfassend.

Die Leiterin der Berufsschule Kaufbeuren, Cornelia Nieberle-Schreiegg, berichtete von einem zweijährigen Beschulungsmodell zum sogenannten BerufsIntegrationsJahr (BIJ) für berufsschulpflichtige Jugendliche von 16 bis 21 Jahren. In ganz Bayern gebe es 440 solcher BIJ-Klassen, davon in Schwaben 44 Vorklassen mit Schwerpunkt Deutsch und Rechnen. „In weiteren 17 Klassen der zweiten Jahrgangsstufe erhalten die jungen Flüchtlinge im BIJ dann berufssprachliche Ausbildung und machen Praktika zum Kennen lernen verschiedener Berufe“, erklärte Cornelia Nieberle-Schreiegg.

Da nach übereinstimmender Meinung der Fachleute dies zur Berufsvorbereitung auch nicht ausreiche, sei ein weiteres Berufsüberbrückungsjahr BÜJ geplant und werde bereits bei verschiedenen staatlichen Berufsschulen getestet. „Wir übernehmen dabei allerdings keine Alphabetisierungsaufgaben!“ stellte die Leiterin der Berufsschule Kauf­beuren klar.

Für die Bundesagentur für Arbeit stellten Dr. Susanne Rodemeier und Helmut Lauber deren Arbeitsmarktprogramm für junge Flüchtlinge vor. Neben Sprachkursen und demnächst auch Integrationskursen sind für nächstes Jahr eine Anzahl von verschiedenen Kursen mit der Dauer von drei bis zwölf Monaten in Vorbereitung. Von zahlreichen Aktivitäten zur Ausbildungsvermittlung von jungen Flüchtlingen berichtete Josefine Steiger von der Industrie- und Handelskammer IHK Schwaben. „Diese Vermittlung verdrängt keine anderen Jugendlichen, da dies Ausbildungsplätze sind, die im Oktober noch frei waren“, betonte Josefine Steiger ausdrücklich.

In diesem Jahr wurden über die IHK 60 jugendliche Flüchtlinge in Ausbildungen vermittelt. „Von der Handwerkskammer wurden sogar 115 Ausbildungsverträge gemeldet“, ergänzte Martina Wirth von der Handwerkskammer Schwaben, die im Anschluss zwei Unternehmer zu ihren Erfahrungen zu Flüchtlingen in Ausbildung befragte. Die insgesamt positiven Erfahrungen können dabei nur mit guten Deutschkenntnissen erreicht werden.

Mancher anwesende Unternehmer und Ausbildungsleiter lies sich von der engagierten Stimmung anstecken und so vermeldeten zum Abschluss die Veranstalter den Eingang von 34 weiteren Ausbildungsplatzangeboten.

von Wolfgang Krusche

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