Saskalerball in Neugablonz unter dem Motto „Auf der Reeperbahn“

Rote-Lampen-Viertel

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Eingang zum Neugablonzer Rote-Lampen-Viertel.
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An den Fenstern hängen überdimensionale Portraits der „Hauptmannissimusse“ Willi Lang und Dr. Roland Zasche, auf der anderen Seite der Musikerbühne ist der aktuelle Hauptmann Atze Vorbach zu sehen.
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Kaufbeuren-Neugablonz – Auch die Saskaler Armee treibt einen beträchtlichen Aufwand, um den Gästen des Saskalerballs einen einzigen vergnügten Abend zu bereiten. Wer vergangenen Samstagabend die Neugablonzer Turnhalle betrat, erkannte sie kaum wieder. Bereits im Eingangsbereich begann das Rotlicht-Milieu und man begegnete all den berüchtigten Namen, die anständige Bürger selbstverständlich bloß vom Hörensagen kennen: St. Pauli, Große Freiheit, Münchner Freiheit, Herbertstraße, Dollhouse, Zur Ritze...

Die Kostüme der rund 250 Ballgäste spiegelten das richtige Leben „Auf der Reeperbahn“ wieder: Zur Hälfte sah man Matrosen aller Dienstgrade, die auf der Herbertstraße ihre Heuer verbraten wollten. Die andere Hälfte stellten die dar, die dort arbeiten, Luden, Transvestiten und natürlich die Damen vom horizontalen Gewerbe einschließlich einer „Bordell-Chefin“. Lackleder-Ladies, Federboas und Glitzer und jede Menge „Pretty-Woman-Perücken“ in Neonfarben. Ein paar einsame Polizisten und die Geistlichkeit waren ebenfalls vertreten, um verirrte Schäflein weltlich und himmlisch auf den rechten Weg zu führen, und sogar ein FC-Bayern-Fan, der sich bei einem Auswärtsspiel ins Amüsierviertel verirrt hatte. Eine Damengruppe um eine männliche Braut feierte mit Leucht-Hosenträgern Junggesellenabschied und ein paar Vermummte forderten den Stopp von Holzgewehr-Exporten. Ein grimmiger Pate ging seinen Geschäften nach und Sophia vom Feuerwehrball vertickte fröhlich aus der Innenseite ihrer Jacke alle möglichen bunten Pillen.

Die neue Mission der ru(h)mreichen Saskaler Armee begann auf der von der Karibik zurückkehrenden „S.M.S. Saskal“. Als dort eines Tages die Armee zum Appell antrat, vermisste Hauptmann Atze Vorbach seinen gewohnten Fahnenträger – ausgerechnet in der Nähe der Reeperbahn. Sofort wurde Spezialagent „00S“ (= Null Null Stups alias Stefan Maiwald) entsandt, um den „Gemejnen Krüger“ wieder herbei zu schaffen. Als ausgebildeter Verkleidungskünstler warf der sich mit Hut und hochgeschlagenem Mantelkragen sofort in Agenten-Zivil.

Zunächst beobachtete er als Froschmann die S.M.S. Saskal, die zu seiner Unterstützung ebenfalls die Reeperbahn ansteuerte und sich gerade auf Kollisionskurs mit einem unbekannten Objekt befand. Die Schiffsfunker (Moritz Klemm und Gregor Zasche) verlangten, dass der andere ausweichen solle. Dieser weigerte sich stur und forderte, dass das Schiff den Kurs ändert. Das ging dreimal hin und her, bis dem Gegner die Geduld riss und er der S.M.S. Saskal lapidar mitteilte: „Hier ist der Leuchtturm Hamburg-Altona, ihr Döspaddel, und wenn ihr nicht gleich den Kurs ändert, rauscht ihr volle Kanne auf die Küstenfelsen auf!“

In seinem nächsten Abenteuer war 00S als Staubsaugerfee verkleidet, weil das Putzgeschwader des Amüsierviertels angeblich die beste Informationsquelle sei. Die Putzbrigade wurde natürlich von den Saskaler Hupfdohlen unter der Leitung von Petra Venturini verkörpert. Sie zeigten gekonnt Pole-Dancing – am Besen. Das ist ja schließlich auch eine Stange... Anstelle einer Zugabe animierten sie dann die Ballgäste, zu „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ nachzutanzen, was sie vortanzten, diesmal ohne Besen. Der Turnhallenschwingboden schwang ordentlich mit.

In einer zwielichtigen Bar schließlich entdeckte 00S – diesmal als rothaarige Diseuse verkleidet - den vollkommen betrunkenen Gemejnen Krüger. Barkeeper Matthias Müller (mit überzeugendem Hamburger Zungenschlag) wollte ihn jedoch nicht fortlassen, bevor nicht seine Schulden beglichen wären. Atz-Theken akzeptierte er nicht, aber die inzwischen eingetroffene Armee könne ja etwas tanzen, um ihren Kameraden auszulösen. Als Schuhplattler und Polka bei Müller nicht so gut ankamen, zogen die Saskaler ihre Uniformjacken aus. Darunter kamen rosa Tütüs zum Vorschein, und die Armee erfreute das Publikum mit einem bemerkenswerten Can-Can. Barkeeper Müller gefiel auch das nicht und er schmiss entnervt alle ‘raus. Sie sollten ihren betrunkenen Gemejnen und ihre Atz-Theken nehmen und in der Ritze verballern.

Damit war der offizielle Teil beendet und die Bar eröffnet. Das machte sich jedoch auf der Tanzfläche kaum bemerkbar. Der Hallenboden bebte zu den Klängen der Diamonds Revival-Band noch ziemlich lange. Die letzten Gäste sollen die Bar dem Vernehmen nach gegen vier Uhr verlassen haben.

von Ingrid Zasche

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