Ein Zeichen gegen Gewalt

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Starkes Zeichen: Rund 1000 Bürger trafen sich zu einer Kundgebung gegen Gewalt und Rassismus am Gablonzer Haus.

Kaufbeuren – Es war ein Bekenntnis für den friedlichen Umgang mit Flüchtlingen und gegen Hetze und Gewalt. Rund 1.000 Kaufbeurer Bürger setzen mit ihrer Teilnahme an einer Demonstration in Neugablonz am vergangenen Freitag ein starkes Zeichen der Solidarität für ankommende Asylbewerber. Nach einem vermuteten Brandanschlag auf das für zukünftige Flüchtlingsfamilien vorgesehene ehemalige Haus der Initiative Neugablonz hatte das „Bündnis für Flüchtlinge“ zu einer Demonstration und Solidaritätskundgebung eingeladen.

Bürger von Kaufbeuren und der Umgebung aus allen Teilen der Bevölkerung folgten dem Aufruf und beteiligten sich sowohl am Umzug als auch an der abschließenden Kundgebung am Gablonzer Haus. 

Es war ein buntes Bild, das sich den Veranstaltern bereits an der Christuskirche in Neugablonz als Treffpunkt für Demonstration bot, wo die Trommlergruppe der Asylbewerber die Teilnehmer des Zuges begrüßte und auch später am Gablonzer Haus aktiv war. Neben dem Arbeitskreis Asyl hatte auch der Stadtjugendring mobil gemacht und den laut Polizei rund 350 Meter langen Demonstrationszug mit verschiedenen Transparenten begleitet. 

"Toleranz und Miteinander"

 Pastoralassistent Michael Rösch vom „Bündnis für Flüchtlinge“ sagte mit Blick auf den vermutlichen Brandschlag: „Das wollten wir so nicht stehen lassen in einer Stadt, die für Offenheit, Vielfalt und Integration steht. Vielen Dank, dass sie so zahlreich gekommen sind.“ Übergreifend mit vielen gesellschaftlichen Gruppen stehe man zusammen für Toleranz und ein gutes Miteinander. „Es wäre und ist beschämend, wenn wir die hier ankommenden Flüchtlinge bekämpfen“, so Bürgermeister Gerhard Bucher in Vertretung von OB Stefan Bosse, „wir dürfen und können nicht zulassen, dass einige wenige Wahnsinnige Unfrieden in unserer Stadt verbreiten und so auch die ganze Stadt in Verruf bringen.“ Das ehemalige Haus der Initiative werde schnellstmöglich wieder instand gesetzt und bewohnbar gemacht. 

„Wir lassen uns das, was Samstagnacht passiert ist, nicht gefallen. Wer ein Haus anzündet, das für die Aufnahme von Flüchtlingen vorgesehen ist, der zündet auch mein und dein Haus an“, sagte Landtagsabgeordneter Bernhard Pohl (FW) in seiner Ansprache unter großem Beifall. 

"Gutmenschen" und "Brandstifter" 

„Urgestein“ Isolde Rader vom Arbeitskreis Asyl (AK) ließ die bisherigen Aktivitäten Revue passieren und stellte fest: „Deutschland ist kein Paradies und wir können uns vor den Problemen der Welt nicht abschotten.“ Dazu brauche man viele „Gutmenschen“ – unter den Flüchtlingen, Nachbarn, Politik und Wirtschaft. 

Günter Kamleiter als Sprecher des AK betonte, dass die Stimmung in Kaufbeuren bisher trotz gewisser Vorbehalte gut gewesen sei. „Diese Brandstifter dürfen in Kaufbeuren nicht die Oberhand gewinnen“, so Kamleiter, „aber auch nicht die vielen kleinen Zündler an den Stammtischen.“ 

Asylbewerber Achmed Handy aus dem syrischen Aleppo, dessen Frau sich noch in der Türkei befindet, äußerte die Hoffnung auf ein Kriegsende in seiner Heimat. Er sei glücklich und dankbar, Frieden und Freunde in Neugablonz gefunden zu haben. 

Pfarrer Sebastian Stahl von der Christuskirche sprach von der „Ethik der reinen Herzen“, die an diesem Abend Christen, Muslime, Atheisten und Agnostiker habe zusammenkommen lassen. „Wir sagen ‚Nein‘ zur Gewalt und Diskriminierung gegen Flüchtlinge“, so sein Appell. Feige Brandanschläge und Terror sei durch nichts zu legitimieren. 

„Gewalt und Brände sind das falsche Zeichen“, sagte Paul Meichelböck beim kurzen Halt am IN-Haus und spielte „Blowing in the Wind“, wobei viele Teilnehmer einstimmten. Julia Haug sang am Gablonzer Haus zur Musik von Fabian Schäfer und beendete die Veranstaltung mit „Imagine“ von John Lennon.

Stimmen von Teilnehmern:

Ruth Guggenmos-Walter (57), Irsee: „Ich will mit meiner Teilnahme ein Zeichen setzen. Es ist einfach beängstigend, was passiert ist. Alle Anschläge sind schrecklich und durch nichts zu entschuldigen. Ich freue mich und bin beeindruckt, dass so viele Leute dabei sind.“ 

Anke Torsten (54), Kaufbeuren: „Ich finde es ganz toll, dass heute so viele Leute da sind. Ich finde aber auch, dass man dem Oberbürgermeister zeigt, dass man ihn mit seiner Meinung und seiner Politik unterstützt. Es ist schade, dass in Kaufbeuren überhaupt das erste Mal so etwas passiert ist.“

von Wolfgang Becker

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