Verstärkung des Katastrophenschutzes

Experten beraten am "Runden Tisch" – MdL Schulze fordert Ausbau der Ressourcen und des Personals

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Engagiert und temperamentvoll vertrat Katharina Schulze (Grüne) ihre Argumente im Vortrag vor den Teilnehmern des Runden Tisches.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Auch in diesem Jahr fand im Rahmen einer internen Aus- und Weiterbildung der „Runde Tisch“ der Kreisverbindungskommandos (KVK) Kaufbeuren und Ostallgäu statt. Dazu sind die Vertreter aller am Katastrophenschutz beteiligten Behörden und Hilfsorganisationen eingeladen.

Neben Vorträgen aus den verschiedenen Bereichen der angesprochenen Organisationen dient die Veranstaltung auch der Kontaktpflege. Bei der diesjährigen Veranstaltung referierten Andi Buchmiller von der Kriminalpolizei Kaufbeuren und Kreisbrandrat Markus Barnsteiner mit ausgewählten Themen. Als besondere Referentin hatte MdL Katharina Schulze (BN90/Grüne) ihre Teilnahme zugesagt.

Die Vortragsreihe eröffnete Andi Buchmiller von der Kripo Kaufbeuren mit dem Thema „Richtiges Verhalten bei Schockanrufen“. Dabei zeigte sich, dass sich die Tricks und Manipulationen der Betrüger immer perfider gestalten und sie vor nichts zurückschrecken. Insbesondere bei Senioren der Altersgruppe über 65 sei eine rasant steigende Quote bei „Callcenterbetrug“ zu verzeichnen. Beim „Vortäuschen eines Gewinns“ stiegen die Zahlen aktuell um knapp 90 Prozent, beim „Enkeltrick“ um über 300 Prozent und bei falschen Polizeibeamten seit 2015 in der Region von einem Fall auf über 1.200 Fälle. Sein Rat: Nicht unter Druck setzen lassen. Die Polizei rufe niemals über die Notrufnummer 110 an und hole weder Geld noch Wertgegenstände ab. Im Zweifel immer selber den Notruf 110 anrufen.

Kreisbrandrat Markus Barnsteiner stellte die überarbeiteten Planungsrichtlinien für die Aufstellung von Feuerwehr-Hilfeleistungskontingenten des seit 2007 in Kraft befindlichen gemeinsamen Katastrophenschutz-Sonderplanes vor. Letzteres hatte sich grundsätzlich bewährt, war aber nicht so flexibel. Durch personelle Anpassungen in den einzelnen Komponenten wie Hochwasser, Ölsperren und Waldbrandbekämpfung konnten laut Barnsteiner die Flexibilität erhöht und die Einsatzzeiten verbessert werden.

„Katastrophenschutz stärken“

Katharina Schulze spannte in ihrem Vortrag unter dem Titel „Grüne Perspektiven für den Katastrophenschutz“ zunächst einen Bogen seit der Gründung ihrer Partei über die Rechte der Frauen und der Stärkung der Demokratie bis hin zu den Verbänden und Vereinen. Die Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag und Mitglied des Ausschusses für Kommunale Fragen, Innere Sicherheit und Sport sprach sich angesichts des Klimawandels mit seinen Herausforderungen für eine Verstärkung des Katastrophenschutzes sowohl personell als auch bezüglich der verfügbaren Ressourcen aus. Ebenso für deren Schutz: „Es geht nicht, dass die, die helfen, angegriffen werden!“ 

Sie bezeichnete sich als „Fan von Uniformen“ wie Bundeswehr, Polizei, Feuerwehr und THW und begrüßte deren Zusammenarbeit in Form von Übungen, „damit die Räder ineinander laufen“. Aus aktuellem Anlass stellte sie auf Nachfrage allerdings klar, dass ihre Partei „im Moment“ keinen Bedarf für eine Allgemeine Dienstpflicht sehe. „Wir setzen auf Freiwilligkeit wie den Bundesfreiwilligendienst und möchten, dass alle Menschen in diesem Land frei leben können“, sagte Schulze abschließend.

Für die KVK`s selbst stellt der „Runde Tisch“ nur einen Teil der Weiterbildung im Rahmen einer ein- bis dreitägigen dienstlichen Veranstaltung unter deren Leitern, den Oberstleutnanten der Reserve Stephan Schopf (Kaufbeuren) und Herbert Kriegisch (Ostallgäu) dar. Dabei geht es um eine interne Weiterbildung ebenso wie um die Aktualisierung von infrastrukturellen Veränderungen im jeweiligen Zuständigkeitsbereich. Die rund 70 Teilnehmer am „Runden Tisch“ aus den Verwaltungen der Stadt Kaufbeuren und vom Landkreis Ostallgäu sowie die Vertreter von Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr, der Rettungs- und Hilfsdienste BRK, ­DLRG, THW und Energieversorger zeigen die große Akzeptanz für einen Informationsaustausch.

Der Runde Tisch:

„Der „Runde Tisch“ hat sich traditionell bewährt und findet alljährlich statt. Organisiert wird die Veranstaltung gemeinsam von den Leitern der KVK`s Kaufbeuren und Ostallgäu mit ihren Kameraden. Die KVK`s sind im Katastrophenfall im Rahmen der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit (ZMZ) das Bindeglied zwischen den zivilen Behörden und der Bundeswehr. Dies kommt beispielsweise bei Hochwasserlagen oder anderen Großschadenslagen zum Tragen, wenn personelle und materielle Unterstützung durch die Bundeswehr erforderlich ist und koordiniert werden muss.

Wolfgang Becker

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