Privatleute sanieren historische Häuser in der Altstadt

Ein Schatz in Kaufbeuren

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Einmessen des Dachstuhls: Mittels modernster Laser-Scanner-Technik stellt Marc Wietheger den historischen Dachstuhl im 3D-Format dar

Kaufbeuren – "Ein Zeichen setzen" wollen die Privatinvesoren, die sich für die Sanierung zweier historischer, aber bislang verfallender Häuser in der Ludwigstraße entschieden haben. "Das ist ein Schatz", so der aus Günzburg stammende architekt Martin Endhardt.

Die beiden Häuser mit den Hausnummern 11 und 15 in der Ludwigstraße stehen schon seit vielen Jahren leer. Der äußere Zustand lässt ahnen, dass auch im Inneren der früheren Wohn- und Geschäftshäuser die über 600-jährige Geschichte der Bauwerke ihre Spuren hinterlassen hat. Zwei Familien haben die Immobilien im letzten Jahr erworben und wollen mit der bereits begonnenen Sanierung ein Zeichen setzen. „Das ist ein Schatz in Kaufbeuren“, so der aus Günzburg stammende Architekt Martin Endhardt, einer der Investoren. Begleitet wird das Vorhaben von der unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Kaufbeuren. 

Die Baudenkmäler aus dem 14. Jahrhundert werden nun saniert. Ab 2015 soll neues Leben einkehren in die seit etwa 20 Jahren leer stehenden Gebäude. In den Erdgeschossen sind Geschäftsräume vorgesehen. Im 1. Stock und im künftig ausgebauten Dachgeschoss sollen Wohnungen entstehen. Die beiden Brüder Martin und Franz Endhardt haben zusammen mit ihren Ehefrauen für das Vorhaben die „Ludwig GbR“ als rein privates Unternehmen gegründet. 

„Wir haben in der Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde sehr positive Signale erfahren“, so Franz Endhardt, „und erhoffen uns durch unsere Investition Impulse für die südöstliche Altstadt.“ „Wir freuen uns, dass endlich etwas passiert und die Gebäude instand gesetzt werden“, sagt Ulrike Gerber, die Zuständige der Stadtverwaltung. Die neuen Eigentümer haben aufgrund der besonderen Situation der beiden Einzeldenkmäler auch außergewöhnliche Maßnahmen ergriffen, um den Zustand der Gebäude zu erfassen und zu dokumentieren. „Kein Balken gleicht dem anderen“, so Diplomingenieur Marc Wietheger vom Büro „baumass“ in Köln, der mit einem neuen Verfahren für das Einmessen des Dachstuhls die weitere Planung und Sanierung erleichtert. Mit einem Laser-Scanner werden von verschiedenen Stellen jeweils etwa 160 Millionen Punkte innerhalb von 20 Minuten aufgenommen. Nach der Erfassung wird aus einer kugelförmigen Abbildung ein dreidimensionales virtuelles Bild entwickelt. Das Ziel ist ein detaillierter maßstäblicher Plan für die Sanierung. 

Ältester erhaltener Dachstuhl 

Der freiberufliche Bauforscher Bernhard Niethammer hat mit großer Akribie bereits das Gebäude mit der Nummer 11 erforscht und die Ergebnisse in einem umfangreichen Dokument zusammengefasst. Dabei handelt es sich wohl um den ältesten erhaltenen Dachstuhl Kaufbeurens. Der Steinbau datiert etwa um 1385. Während er im 16. Jahrhundert vermutlich Angehörigen des Metzgerhandwerks als Wohnung diente, zählten im auslaufenden 17. Jahrhundert bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Weber zu den Bewohnern. 

Im weiteren Verlauf entstanden immer mehr Wohnräume und kleinere Wohnungen, was nach den Worten des Bauhistorikers auf einen wirtschaftlichen Abstieg hindeutet. Auch im Haus Nummer 15 erwartet er ähnliche Ergebnisse. Die Kosten allein für die Untersuchungen belaufen sich auf rund 60.000 Euro und werden nach den Beschlüssen des Stadtrates gefördert. 

Erster Bezug für 2015 geplant 

Beide Häuser haben eine Gesamtfläche von rund 900 Quadratmetern. Die Balkenkonstruktionen werden nach den Worten der Inhaber „so weit wie möglich als historische Bauteile erhalten“. Um den Sicherheitsanforderungen hinsichtlich der Statik gerecht zu werden, werden sie mit Stahlkonstruktionen verstärkt. „Wir wollen Alt und Neu in einem Spannungsbogen miteinander kombinieren“, erläuterte Franz Endhardt. Die etwa 200 Quadratmeter an verfügbarer Gewerbefläche werden zukünftig von einer Änderungs- schneiderei und einem Fotostudio sowie von einem Dienstleistungsunternehmen belegt. Die insgesamt drei Wohneinheiten liegen in den Größenordnungen zwischen knapp 60 und etwa 120 Quadratmetern Wohnfläche. Das Haus mit der markanten Fassade soll im Frühjahr 2015, das Nachbarhaus etwa ein Jahr später bezugsfertig sein. 

Die Kosten für die Sanierung liegen nach erster Schätzung beim Zehnfachen des Kaufpreises. Verschiedene Fördermöglichkeiten auf europäischer und nationaler Ebene unterstützen das Vorhaben. Auch OB Stefan Bosse freute sich: „Es zeigt, dass es sinnvoll ist, sich mit solchen Gebäuden zu beschäftigen und den Denkmalschutz ernst zu nehmen.“ Als Kommune wolle man unterstützen, so gut es geht. von Wolfgang Becker

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