Stellplätze oder Grünflächen?

Sanierung des Jakob-Brucker-Gymnasiums: Wünsche und Machbares

Jakob-Brucker-Gymnasium
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Hohe Priorität für die Bildung: Die Schulstadt Kaufbeuren nimmt für ihre Schulen enorme Geldsummen in die Hand. Im Bild das in der Sanierung befindliche Jakob-Brucker-Gymnasium.

Kaufbeuren – Es war letztendlich ein Ringen um die Frage, welcher Komfort am Ende der Sanierung des Jakob-Brucker-Gymnasiums (JBG) den Lehrern und Schülern zur Verfügung steht oder was ihnen zugemutet werden kann. Der Bauausschuss hatte in seiner letzten Sitzung die Entscheidung zwischen zwei Vorschlägen zu treffen – zu einem aus Sicht der Verwaltung und einem anderen aus Sicht der Schulgemeinschaft. Und die gewählten Vertreter machten es sich in der sachlich geführten Diskussion nicht leicht, denn für jeden Vorschlag gab es für sich genommen gute Gründe. Am Ende kam es jedoch zu einer klaren Empfehlung für den Stadtrat gegen zusätzliche Pkw-Stellplätze für Lehrer am Bleicherweg. Dies bedeutet eine Ersparnis von 165.000 Euro gegenüber dem Vorschlag der Schulfamilie.

Die Entwicklung der Außenanlagen im Umfeld des Gebäudes A (Bauabschnitt 2a der Gesamtplanung) am JBG ist bis zum Herbst 2021 vorgesehen. Im Bauausschuss ging es jetzt darum, wie dies zukünftig ausgestaltet werden kann. Dazu hatte die Verwaltung einen Vorschlag erarbeitet, der vorsah, südlich von Gebäude A am Bleicherweg nebst 168 Fahrradstellplätzen eine Reservefläche für zusätzliche pädagogische Angebote zu schaffen – beispielsweise ein sogenanntes grünes Klassenzimmer. Die von allen Beteiligten der Schulfamilie– Lehrer, Schüler und Eltern – abgestimmte Stellungnahme seitens der Schulleitung begründete ihre Wünsche sehr detailliert sowohl mit den Zahlen der Schüler als auch den Wünschen der Lehrkräfte nach kostenlosen Parkflächen für Fahrzeuge in Schulnähe. Dieser Vorschlag sah an gleicher Stelle 120 Fahrradstellplätze und in Ergänzung zum bestehenden öffentlichen Parkplatz (35 Stellplätze) am Tänzelfestweg weitere 16 Stellplätze für Kraftfahrzeuge mit Schranke und etwa zwölf Motorrädern vor. Auch ein weiterer Eingang anstelle des bisherigen Notausgangs sollte dort entstehen. Während der erste Vorschlag mit Kosten in Höhe von etwa 280.000 Euro zu Buche schlug, kam die Variante der Schule auf rund 445.000 Euro. Beide Varianten führen dennoch über die von der Schule gewünschten 500 Fahrradstellplätze hinaus.

Wünsche kontra Kosten

Eingangs machte Baureferent Helga Carl deutlich, dass die Gesamtmaßnahme bereits jetzt die ursprünglich veranschlagten Kosten in Höhe von 22,4 Millionen Euro um 2,5 Millionen Euro überschreitet und die „Fragen des Qualitätsstandards bei den Außenanlagen im Lichte der weiteren Kostenentwicklung betrachtet werden“. Catrin Riedl (SPD) hatte zwar „Bauchschmerzen mit den Parkplätzen“, sah aber finanziell Möglichkeiten und wollte daher „eher dem Vorschlag der Schule folgen“. Doch Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) stellte klar, dass aufgrund der aktuellen, durch Corona ausgelösten Situation eine „katastrophale Haushaltslage“ bestehe, die keinerlei Spielraum lasse. „Wir müssen uns die nächsten Jahre auf das beschränken, was unabweisbar notwendig ist“, sagte die Stadtspitze.

Riedl schlug zudem vor, die Stellflächen im nahegelegenen Parkhaus „Am Kunsthaus“ statt für bisher 25 Euro monatlich günstiger oder für Schüler kostenlos anzubieten. Dem widersprach Finanzreferent Markus Pferner insofern, dass der monatliche Tarif für eine Zeit von sechs bis 20 Uhr attraktiv sei. Bernadette Glückmann (FW) warb ebenfalls für mehr „unversiegelte“ Parkplätze für die rund 100 Lehrkräfte und sprach sich ebenfalls für die Variante der Schulfamilie aus.

Dem widersprach Tobias Würfel (GenKF). Er sah einerseits die Gefahr der „Privilegierung“ für die wenigen zusätzlichen Parkplätze. Andererseits wies er daraufhin, dass am Klinikum jeder Mitarbeiter für einen Stellplatz im neuen Parkhaus einen Euro pro Tag zahlen müsse. Das könne man auch Lehrern zumuten, einen Bedarf für Schüler sehe er nicht. Dem schloss sich im Kern Ernst Schönhaar (CSU) an, der aufgrund der Haushaltslage keine zusätzlichen Mittel sah. „Die zusätzlichen Parkplätze reichen auch nicht und der günstige Preis bei rund 150 freien Plätzen im Parkhaus ist für Lehrer machbar“, so der frühere Schulleiter, der ebenfalls kostenlose Parkplätze für Schüler ablehnte und vom Fraktionskollegen Gerhard Bucher unterstützt wurde.

Dr. Ulrike Höhne-Wachter (FW) sagte, sie könne die Wünsche der Schule gut nachvollziehen, aber aufgrund der sehr schlechten Haushaltslage den Schulvorschlag „nicht guten Gewissens unterstützen“. Robert Klauer (KI) wünschte sich einen zweiten Eingang, egal welche Lösung verwirklicht würde. Ulrike Seifert (Grüne) plädierte für ein grünes Klassenzimmer für Ruhe und Entspannung angesichts einer Bildungseinrichtung, die sich an der Zukunft ausrichte.

Weitere Schulen im Fokus

Bei den Sanierungen der Gustav-Leutelt-Schule und der Sophie-La-Roche-Realschule kommt es zu Mehrkosten, wie Christian Mandl vom Hochbauamt darstellte. Im ersten Fall waren beim Rückbau nicht vorhersehbare statische und brandschutztechnische Probleme aufgetaucht, die zusätzliche Kosten in Höhe von rund 92.000 Euro verursachen. Bei der Realschule sind im Bereich der Elektroarbeiten weitere Verteiler erforderlich geworden und zusätzliche Mängel im Bestand aufgetreten. Die Mehrkosten betragen rund 125.000 Euro. Beide Maßnahmen wurden vom Gremium einstimmig durchgewunken.

Wolfgang Becker

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