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Sanierung Kulturwerkstatt: Wagemutige Finanzierung eingefädelt

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Von: Felix Gattinger

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Außenansicht Kulturwerkstatt Winter 2022
Das historische Stufendach soll erhalten bleiben. © Gattinger

Kaufbeuren – Weil das inzwischen fast hundertjährige Gebäude der Kinder- und Jugendkulturwerkstatt dringend saniert werden muss und die vorhandenen Räumlichkeiten das wachsende Angebot von Bildungs- und Kulturveranstaltungen nicht mehr fassen können, plant die Stadt Kaufbeuren seit längerem umfassende Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen. Da angesichts der aktuellen Entwicklungen bei den Energiepreisen und in der Bauwirtschaft jedoch eine deutliche Steigerung bei den Baukosten zu erwarten ist, hatte sich die Stadt Kaufbeuren im November dazu entschlossen, für die Maßnahmen an der Einrichtung in die Rolle des Bauherrn zu schlüpfen. Vergangene Woche verabschiedeten die Mitglieder im Verwaltungs-, Finanz- und Stiftungsausschuss daher einen entsprechenden Empfehlungsbeschluss, der an den Stadtrat weitergeleitet wird.

Planungsentwurf der aufgestockten Kulturwerkstatt nach der Sanierung.
Planungsentwurf der aufgestockten Kulturwerkstatt nach der Sanierung. © stadtmüller.burkhardt.graf architekten

Im Beschluss sind Baukosten für die Sanierung und die Erweiterung der Kulturwerkstatt in Höhe von 5,87 Millionen Euro vorgesehen. Davon entfallen 800.000 Euro auf den gedeckelten Eigenanteil der die Einrichtung mittragenden Antonie-Zauner-Stiftung und 200.000 Euro auf einen Zuschuss durch die Lebenshilfe für den Bau und die Ausstattung des neuen Inklusionscafés. Auch die Sozial­organisation Aktion Mensch wird Fördermittel von 300.000 Euro zum Bauvorhaben beisteuern.

Worst-Case-Szenario

Noch im Dezember soll ein Förderantrag bei der Regierung von Schwaben eingereicht werden, damit über das Programm „Soziale Integration im Quartier“ noch zwei Millionen Euro abgeschöpft werden können. Bedingung hierfür ist jedoch, dass die Maßnahme bis Ende 2024 komplett umgesetzt und abgerechnet ist. Passiert das bis dahin nicht, wird die Förderung zurückgezogen. In diesem Fall könnte das Projekt nur noch mit Städtebaulichen Fördermitteln mit einem Fördersatz von 60 Prozent unterstützt werden. Der Eigenanteil der Stadt würde sich in einem Worst-Case-Szenario (bei erwartbaren Kostensteigerungen von 20 Prozent) dann von geplanten 600.000 Euro auf 1,6 Millionen Euro erhöhen.

Weil die Bauplaner erst mit einer Fertigstellung der Arbeiten Ende 2025 rechnen, soll die Maßnahme in zwei Abschnitte geteilt werden. Der Rohbau mit dichter Gebäudehülle, Fenstern und Dach könnte aus Sicht der Verwaltung bis Ende 2024 fertiggestellt werden. Im Anschluss daran würde dann der Innenausbau mit regulären Fördermitteln in Höhe von 60 Prozent erfolgen.

Die Maßnahmen im Einzelnen

Die Räumlichkeiten sollen auf eine Nutzfläche von insgesamt gut 900 Quadratmeter aufgestockt werden. Der Kopfbau zur Ganghofer Straße soll mit seinem Stufendach erhalten bleiben, der hintere Gebäudeteil mit Bühne und Zuschauerraum jedoch abgerissen und durch einen dreigeschossigen Neubau ersetzt werden. Im Kopfbau ist das Inklusionscafé mit circa 60 Plätzen geplant. Theke, Küche, Kühl- und Lagerräume befinden sich im angrenzenden Neubau unter den hinteren Reihen einer neuen, ansteigenden Zuschauertribüne mit 198 Plätzen. Die Toiletten befinden sich im Untergeschoss, ein Behinderten-WC ist ebenerdig erreichbar.

Der Bühnenraum soll für Verwandlungen mit einer mobilen Trennwand ausgestattet werden und somit Umbauten erleichtern. Im hinteren Bereich werden sich auch das Treppenhaus und ein barrierefreier Aufzug befinden.

In den beiden Obergeschossen ist ein Technikraum geplant, aber auch Büros sowie Kreativräume für kunstpädagogische Veranstaltungen, eine Nähwerkstatt und ein Tonstudio.

Der einstimmige Empfehlungsbeschluss wurde überwiegend mit positiven und optimistischen Wortmeldungen bedacht. Holger Jankovsky (Grüne) bezeichnete die Institution Kulturwerkstatt als festen und wichtigen Bestandteil im Leben junger Menschen aus der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Für Tobias Würfel (Generation KF) ist die Maßnahme eine gute Investition, denn „wir bekommen das Zehnfache zurück“. Einzig Julia von Stillfried (CSU) gestand angesichts der zu erwartenden Kostensteigerungen, „Bauchschmerzen“ zu haben, dennoch stehe auch sie hinter dem Projekt. Ihr Fraktionskollege Christian Sobl betonte abschließend, die bisherigen Leistungen des Teams um Thomas Garmatsch, den künstlerischen und pädagogischen Leiter der Kulturwerkstatt, seien „es wert“, die Risiken einzugehen.

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