Sanierungsstudie zum Marktoberdorfer Bad vorgestellt

Beschluss ist ein "Bekenntnis zum Bad"

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Das Schwimmerbecken im Hallenbad zu Marktoberdorf, das 1967 erbaut wurde und damals vom Bürgermeister mitfinanziert wurde, weil Anton Schmid für diese Investition seine Bezüge zur Verfügung stellte.

Marktoberdorf – „Der Beschluss ist für mich ein Bekenntnis zum Bad und zum Werterhalt.“ So resümierte SPD-Fraktionssprecher Erich Nieberle das einmütige Votum im Bauausschuss, wonach die Stadt in den nächsten Jahren das Budget für den baulichen Unterhalt erhöhen wird.

Der Abstimmung ging eine Präsentation voraus, in der Stefan Schreier vom Büro Ist Energieplan (Augsburg) und Architekt Markus Merz vom Büro MSE-Architekten (Kaufbeuren) wesentliche Auszüge aus der 280-seitigen Sanierungsstudie vorstellten. Zentrale Aussage: Die Sport- und Freizeiteinrichtung, die vor 50 Jahren errichtet worden war und vor 25 Jahren aufwändig generalüberholt wurde, sei in einem „relativ guten Zustand“. Das Bad sei gut gewartet.

Diplomingenieur Schreier führte aus, wenn jährlich ein bis zwei Prozent des Gebäudewertes, der auf 20 bis 25 Millionen Euro beziffert wird, in den Unterhalt gesteckt werden, sei das Hallenbad mit der Sauna noch mehrere Jahre zu betreiben. Der akute Handlungsbedarf der nächsten Jahre sei finanziell überschaubar.

Verschiedene Prioritätsstufen

Dazu zählen der innere Handlauf an der Treppe ins große Becken, die Chlordioxidanlage zur thermischen Desinfektion oder der Blitzschutz, der bereits beauftragt worden ist. In einem weiteren Schritt – Ingenieur Schreier und Architekt Merz sprachen von der Priorität 2 – sollte während der nächsten zwei Jahre im Saunabereich das Areal, wo am Dach Glasfenster und Holz zusammentreffen, repariert werden. Auch in der Schwimmhalle könne Dachluft am Übergang von der Holzkonstruktion zum Glas entweichen. Weitere Punkte: der Austausch der Heizungspumpe und das Optimieren der Lüftung.

In einem dritten Abschnitt (Priorität 3) seien in circa drei bis fünf Jahren weitere Maßnahmen anzugehen. Dazu gehöre, dass sich an einigen Bereichen wegen der feuchten Luft im Keller der Putz von der Wand löse. Am Filterbehälter löse sich zunehmend die Gummischicht auf. Auch müssten Fugen und Fliesen ausgebessert werden.

Für die Zukunft – der Ausblick geht auf fünf Jahre und weiter – ist laut Sanierungsstudie die Dachdämmung ein wichtiges Stichwort. „Da ist ein wahnsinniges Potenzial da zur Einsparung“, bekundete Stefan Schreier vom Büro Ist Energieplan. Verringert werden könne der Verbrauch zudem, wenn die großen Flächen mit einer modernen Dreifachverglasung ausgestattet würden. Ein Energiefresser sei das große Außenbecken, das von Badbesuchern besonders gern genutzt wird, wie Gary Kögel als Betriebsleiter des Anton-Schmid-Hallenbades aufzeigte.

Weiter sieht die Studie Entwicklungspotenzial in einem größeren Gastro-Bereich, in einem geräumigen Foyer, in einem größeren Kinderbecken und in der Variante, vom Freibereich mehr zur Sauna zu schlagen. Schreier meinte auch, für eine Aufwertung des Bades im großen Stil sei zu beobachten, ob z.B. wieder mal Förderprogramme des Freistaates Bayern aufgelegt werden.

Von dringlich bis „zur Kür“

„Ehrlich, schonungslos und trotzdem positiv“: So bewertete Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell die Sanierungsvorschläge. Der umfangreiche Katalog enthalte Vorschläge „von dringlich bis zur Kür“. Allgemein kommentierte der Rathauschef: „Das Hallenbad ist die zentrale Sport- und Freizeiteinrichtung in Marktoberdorf“.

Sie sei „sehr froh“ über die Ergebnisse, drückte Veronika Diepolder (CSU) in der Diskussion ihre Erleichterung aus. Fraktionskollege Andreas Grieser sah es positiv, dass die Maßnahmen der nächsten Jahre ohne eine monatelange Schließung im Bad ausgeführt werden könnten. Eugen Kögel (CSU) wollte vorausblickend schon wissen, wie die Prioritäten für weitere Attraktivitäten aussehen würden. Stichwort sei eine zusätzliche Außensauna.

Franz Barnsteiner (Freie Wähler) wünschte sich mehr Vorschläge zum Außenbecken. Von Ingenieur Schreier bekam er die Antwort, dass man das Außenbecken nicht einhausen solle. Alternativen seien eine Abdeckung für die Nacht beziehungsweise eine Verkleinerung. Georg Martin (Grüne) drückte sein Fazit zur Sanierungsstudie so aus: Kurzfristig seien „Hausaufgaben“ zu machen, mittel- und langfristig müsse man sich darüber klar werden, was man „im Wunschkonzert“ alles angehe.

Badnutzung: Außenbecken sehr beliebt

Dass im Anton-Schmid-Hallenbad das Außenbecken auf der Südwestseite der Schwimmhalle bei den Gästen sehr beliebt ist, zeigte Betriebsleiter Gary Kögel in seinem Bericht vor den Stadträten auf. Dieser Bereich werde von 52 Prozent der Gäste genutzt. Knapp ein Drittel hält sich am liebsten im Schwimmerbecken auf. 17 Prozent sind im Kinderbecken anzutreffen.

Bei gut 100.000 Besuchern im Jahr tragen die Gäste im Bad zu 53 Prozent der Einnahmen bei und die Saunagänger zu 47 Prozent. Kögel plädiert dafür, die Sauna weiter zu betreiben und eventuell auszubauen. Die Einnahmen an der Kasse werden heuer knapp 400.000 Euro betragen, letztes Jahr waren es 409.000 Euro. Der Schulbetrieb ist dabei nicht mitgerechnet. Dieser wird zurzeit neu kalkuliert.

Das Betriebsdefizit machte im Jahr 2015 ungefähr 757.000 Euro aus. In den vier Jahren zuvor lag es jeweils über 800.000 Euro. Bei den Eintrittspreisen liegt das Hallenbad im Vergleich zu umliegenden Einrichtungen im unteren Bereich. Zwei Stunden im Bad kosten 4,50 Euro; nur Obergünzburg ist noch um 50 Cent günstiger. Für zwei Stunden Saunieren werden acht Euro genommen, für eine Tageskarte 15 Euro. Zum Vergleich: Im „Plantsch“ in Schongau kosten drei Stunden für einen Erwachsenen 15 Euro, im „Cambomare“ in Kempten sind es 16,50 Euro für drei Stunden.

Einnahmen erzielt das Hallenbad nicht nur an der Kasse, sondern auch über Schulschwimmen, über Vereine, durch Schwimmkurse und durch die Abgabe von Fernwärme. Zum Beispiel wird auch die Turnhalle am Stadion damit versorgt, wie Gebäudemanager Richard Siegert erwähnte. Diesen Energieträger nutzt man seit 2009. Der Energieverbrauch konnte von früher 5,4 Millionen Kilowattstunden auf mittlerweile 3,6 Millionen Kilowattstunden reduziert werden.

In den vergangenen Jahren wurde aber auch die Barrierefreiheit verbessert – etwa mit der automatischen Eingangstüre, größeren Spinden und höhenverstellbaren Liegen. Auch wurde das Angebot im Saunabereich durch eine Außenkabine erweitert.

jj

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