Aufschrei gegen Windkraft

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Initiatoren und Referenten (v. li.): Colin MacKenzie, Leo Hiemer, Hans Häfner und Dr. Christoph Greifenhagen.

Ruderatshofen/Allgäu – „Es geht um unsere Heimat!“ Das wurde bei der Informationsveranstaltung der Initiative Landschaftsschutz Kempter Wald und Allgäu e.V. (ILKA) in Ruderatshofen deutlich. Mit der Frage „Windräder auf Sattlers Buckl?“ setzten sich der Allgäuer Filmemacher Leo Hiemer und der Ornithologe Colin MacKenzie aus Kaufbeuren auseinander.

Hintergrund sind zwei durch das Landratsamt Ostallgäu bereits genehmigte Windkraftanlagen (WKA) auf dem Höhenzug zwischen Apfeltrang und Wenglingen südlich des „Sattlers Buckl“ Gegen diese Genehmigung haben die Gemeinde Ruderatshofen und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) beim Verwaltungsgericht Augsburg Klage eingereicht (wir berichteten). Außerdem ist eine Unterschriftenaktion angelaufen, bei der sich bereits über 300 Bürger eingetragen haben.

Zur Einstimmung auf die Thematik sahen die gut 200 Besucher Ausschnitte aus dem Film „Heimat unter Strom“ von Hiemer, der das Allgäu mit seiner prägenden Wald- und Hügellandschaft und bereits existierenden sowie weiter geplanten WKA präsentierte. Hiemer zeigte in einer Chronologie die Entwicklung der Antragstellung für die WKA von 2013 bis heute auf (siehe unten). Dabei wurde auch deutlich, dass es sich bei den nun genehmigten Anlagen um völlig andere, mit 30 Prozent größerer Rotorfläche und höheren Leistungsdaten versehene Windkrafträder handelt. Laut Landrats­amt (LRA) Ostallgäu sei aber kein neuer Antrag erforderlich. Dieser würde dann jedoch unter die sogenannte „10H-Regelung“ fallen – zehnfacher Abstand der Höhe der WKA von Wohngebieten – und damit keine Chance auf Genehmigung. Er zeigte auf, dass die Modwind Energiesysteme AG als Investor mit „lokalen Bürgerrädern“ auf ihrer Homepage werbe, welche jedoch eine Energiegesellschaft aus Remstal nahe Stuttgart seit 2014 „dominant“ vorantreiben will.

Störche bereits zurück

Außerdem geht es neben zwei genehmigten und einem im Verfahren befindlichen WKA auf dem gesamten Höhenzug um weitere sieben geplante im Umkreis des Sattlers Buckl.

Jakob Haug, stellvertretender Vorsitzender des Vereins ILKA und Mitinitiator der Veranstaltung, rief den Besuchern zu: „Es geht um viel: um Heimat und Lebensqualität! Es lohnt sich, zu kämpfen!“ In seinem Vortrag berichtete der für den Landesbund für Vogelschutz tätige Colin MacKenzie über die Beeinträchtigungen für die Natur. Er bezeichnete den Sattlers Buckl als „Kleinod für Vögel“ und einen „Ort der Ruhe“. Der Vogelkundler zeigte Bilder der zum Teil seltenen Vögel und verwies auf die durch Turbulenzen der WKA besonders gefährdeten Schwarzstörche, von denen einzelne Revierstörche seit Ende Februar bereits wieder im Ostallgäu sind. Entscheidend seien die Flugkorridore, die laut Behörde zwischen 2012 und 2016 keine Kartierungsergebnisse ergeben hätten. Den Gegenbeweis lieferte er anhand einer Vielzahl solcher selbst kartierten Ergebnisse allein von 2015. „Das verstehe ich nicht“, sagte der Experte.

Ingenieur Hans W. Häfner aus Aichach hatte bei seinem Vortrag weniger die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Sattlers Buckl für Mensch und Tier im Blick. Im Fokus stand die Energiewende, die seiner Meinung nach falsch verlaufe und der Ruf nach fünf Atomkraftwerken, die 2023 für etwa neun Gigawatt Leistung benötigt würden. Horst Holzhauer aus Apfeltrang erklärte, ihn habe die Genehmigung der WKA „umgetrieben“. Er ärgere sich über die weit über 100 Auflagen wie beispielsweise Flachwassergewässer und Abschaltzeiten und bezeichnete sie als „hirnrissig“. Was ihn am meisten störe sei, dass das LRA das einstimmige Gemeindevotum gegen die WKA ignoriert. „Und da reden wir von Demokratie“, sagte er wütend.

Hans Wüstendörfer vom Skiclub Kaufbeuren skizzierte die Gefahren, die trotz vorgeschriebener Abschaltung bei Eisbildung führen können. Vom drehenden oder stehenden Rotor und wenn Eis in der Loipe liegt. Unter diesen Umständen könne der Skiclub als ehrenamtlicher Verein die Verkehrssicherungspflicht rechtlich nicht sicherstellen und müsse daher die Loipen aufgeben.

Unterschriften für Petition

Abschließend richtete Hiemer einen Appell an die Besucher, sich mit Unterschriften gegen die WKA auf einer vorhandenen Liste einzutragen. Nachdem sich bereits im Vorfeld über 300 Personen gegen die Vorhaben auf dem Sattlers Buckl ausgesprochen hatten, hoffen die Initiatoren, genügend Stimmen für eine Petition beim Bayerischen Landtag zusammen zu bekommen. „Wir geben die Hoffnung nicht auf“, so Hiemer.

Die Historie

"19. Dezember 2013: Modwind stellt Anträge für vier Windkraftanlagen (WKA)

"4. Februar 2014: Stichtag 10H-Regelung

"4. Februar 2015: Ablehnung Anträge durch Landratsamt (LRA)

"2015 Klage gegen LRA

"18. November 2015: Gericht weist Klage zurück

"2016: Neues Gutachten Büro Sieber

November: Drohung wegen Schadensersatz

13. Dezember: Keine Zustimmung d. Gmd. Ruderatshofen

29. Dezember: Genehmigung von zwei WKA des LRA

"Februar 2017: Klage

von Wolfgang Becker

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