Heino Ferch leiht einem toten Star im Film "Coco" seine (Sing-)Stimme

"Der Tod gehört zum Leben"

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Schauspieler und Synchronsprecher Heino Ferch gibt gegenüber Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch zu, dass die Lieder eine Herausforderung waren.

Heino Ferch (*18. August 1963) zählt zu den bekanntesten deutschen Schauspielern. Sein Spielfilmdebüt feierte er 1988 mit einem Kurzauftritt in „Schloß Königswald“. Es folgten Rollen in „Wedding“, „Deutschlandlied“ und im Kinofilm „Der Unhold“. Für seine Rolle im Fernseh-Zweiteiler „Der Tunnel“ wurde Ferch mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet.

Als Synchronsprecher lieh er unter anderem Woody Harrelson in „Palmetto – Dumme sterben nicht aus“ und dem Agenten Geheimsache (Benedict Cumberbatch) im Animationsfilm „Die Pinguine aus Madagascar“ seine Stimme. In dem Disney-Pixar-Film „Coco“ spricht und singt Ferch den toten Star Ernesto de la Cruz. Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch traf Heino Ferch zum Gespräch in Berlin.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Pixar?

Ferch: Ich bekam eine Anfrage für die Sprechrolle. Bei Pixar habe ich schon aufgehorcht, weil die immer tolle Filme machen. Im September habe ich einen Test gemacht und eine Woche später kam das Okay von Pixar. Im Oktober waren die Aufnahmen. Die vier Wochen zwischen dem Test und den Aufnahme habe ich mit Gesangsauffrischungstraining und Vocal Coaching verbracht. Ich habe mich anschließend eine Woche lang mit dem Dialogregisseur Axel Malzacher ins Synchronstudio begeben. Es hat großen Spaß gemacht, aber die Lieder waren aufgrund der Höhe eine Herausforderung.

Was kann man an der Figur Ernesto de la Cruz mögen, ohne zu viel über die Handlung zu verraten?

Ferch: Ernesto ist sehr menschlich. Er hat eine dunkle Ecke in seinem Leben, die jedoch erst im Jenseits offenbart wird. Er ist der größte Star in Mexiko gewesen. Im Jenseits gibt er noch immer Konzerte und schmeißt Partys – er darf den Starkult auch nach dem Tod weiterleben. Der Tod gehört zum Leben und das setzt Pixar um. Solange man an die Lieben denkt, die bereits gegangen sind, geht es denen im Jenseits gut. Pixar zeigt mit Miguel, der uns durch den Film führt und durch den Gitarrenschwung in dem Mausoleum ins Jenseits gebeamt wird, eine sehr kluge Art, um damit umzugehen. Der Film enttabuisiert das Thema und zeigt, wie die Mexikaner mit dem Tod umgehen.

Bestand die Möglichkeit, eigene Ideen bei der Sprechrolle einzubringen?

Ferch: Es gab einige Worte, die geändert wurden. Im Großen folgt man aber den Regularien. Das Synchronbuch war auch sehr gut. Es gab klare Vorgaben. Ich habe den fertigen Film vor den Aufnahmen gesehen. Ich fand ihn sehr emotional.

Sie sprechen nicht nur den mexikanischen Superstar, sondern singen auch. Ist der Wunsch groß, demnächst einen Film zu machen, in dem Musik eine Rolle spielt?

Ferch: Das wäre lustig. Wenn so ein Angebot kommen würde, hätte ich Lust darauf.

„Coco“ startet zu einer Jahreszeit im Kino, wo man besinnlich wird und sich an die bereits Verstorbenen erinnert. Sind Sie emotional in dieser Beziehung?

Ferch: Ich bin emotional und denke auch an die Verstorbenen. Eine Party in Mexiko zu feiern ist natürlich etwas anderes, als bei uns in aller Stille im schwarzen Mantel bei Allerheiligen am Grab zu stehen. Dieses Jahr freue ich mich auf die Weihnachtszeit, weil ich im November und Dezember bis auf wenige Tage komplett Zeit für die Familie habe.

Im Januar startet „Hot Dog“ mit Til Schweiger in den Kinos. Nach welchen Kriterien wählen Sie ihre Projekte aus?

Ferch: Spaß an der Geschichte und an den Leuten, die den Film machen. Drehbuch, Rolle und Regie ist ganz wichtig.

Vielen Dank für das Gespräch.

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