Schießen nicht immer erlaubt

Weil er einen freilaufenden Hund in seinem Revier erschossen und einen zweiten verletzt hat, wurde ein Jäger vor dem Amtsgericht in Kaufbeuren zu einer empfindlichen Geldstrafe von 45 Tagessätzen à 25 Euro verurteilt.

Entgegen der landläufigen Meinung, dass freilaufende Hunde oder auch Katzen in einem Jagdrevier vom zuständigen Jäger ab/angeschossen werden dürfen, erklärte Richter-in Claudia Mainzer, dass dies ausdrücklich nur dann der Fall sei, wenn der Hund tatsächlich gerade einem Wild hinterher hetze. Die bloße Anwesenheit des Tieres ohne Leine reicht dafür offensichtlich nicht aus. Der angeklagte Landwirt und Jäger, ein 75-jähriger Fuchstaler, war am Tattag von zwei ihm bekannten Spaziergängern alarmiert worden. In seinem Revier nahe Waalhaupten würden zwei Hunde wildern. Nachdem der Beschuldigte im Wald eingetroffen war, bot sich ihm ein unschöner Anblick. Ein Rehkitz lag mit einer großen Bisswunde sterbend auf dem Boden, in geringem Abstand dazu hielten sich zwei Hunde auf. Die beiden Tiere seien „ruhig“ gewesen, erklärte der Jäger während der Verhandlung: „Ganz so, wie sich Hunde verhalten, die gerade erfolgreich eine Hetzjagd beendet haben.“ Er habe dann von seinem vermeintlichen Recht Gebrauch gemacht und auf den größeren der beiden Hunde, der auf ihn zugelaufen sei, geschossen. Der Schuss traf das Tier tödlich, der zweite Hund wurde bei einem weiteren Schuss verletzt. Später stellte sich heraus, dass die beiden Tiere wohl wertvolle Jagdhunde sind. Der in der Gegend gut bekannte Besitzer erhob aufgrund des Vorfalles Anklage wegen Sachbeschädigung. Ihm sei durch den Vorfall ein Schaden von rund 1.500 Euro entstanden. Zudem lautete die Anklage auf unnötige Tötung eines Wirbeltieres. Der Angeklagte verteidigte sich, er habe später über Dritte erfahren, dass die Hunde schon mehrere Tage allein durch die Gegend gestreift waren, bevor sie schließlich das Kitz erlegten. Es sei daher gar nicht sicher, dass alle Verletzungen des Hundes wirklich von dem einen Vorfall herrührten. Richterin Mainzer dazu: „Das Verhalten des Hundehalters war hier sicher ebenfalls alles andere als korrekt!“ Es sei aber kaum nachzuprüfen und auch nicht Gegenstand der Verhandlung, ob und in welcher Form dieser nachlässig gehandelt habe. Seit der Änderung des bayerischen Jagdgesetzes im Jahr 1996 sei die Rechtslage klar: da von den Hunden im Moment des Schusses keine unmittelbare Gefahr mehr ausging – das Kitz sei ja bereits erlegt worden – musste der Schuldspruch erfolgen. Den Einwand des Angeklagten, ein Reh sei schließlich auch ein Wirbeltier und habe Schutz verdient, kommentierte Mainzer mit den Worten: „Die Hunde können wir leider für ihre Tat nicht haftbar machen!"

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