Schluss mit dem „Schleichverkehr“

Westspange der Ortsumfahrung Bertoldshofen und Marktoberdorf für Verkehr freigegeben

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Teamarbeit von Ralf Eisele (Abteilungsleiter Straßenbau Staatliches Bauamt Kempten), Raimund Reichle (Bauleiter der Baufirma Hubert Schmid), Hubert Schmid (Inhaber der Baufirma), Markus Kreitmeier (Bereichsleiter Straßenbau Staatliches Bauamt Kempten), Stephan Stracke (MdB), Land­rätin Maria Rita Zinnecker, Angelika Schorer (MdL), Marktoberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell und sein Stellvertreter Wolfgang Hannig. Mit einem symbolischen Akt geben sie die Ortsumfahrung westlich von Bertoldshofen frei.

Marktoberdorf-Bertoldshofen – Am Mittwoch schloss sich für den Marktoberdorfer Ortsteil Bertoldshofen ein weiteres Kapitel des Großprojekts mit Tunnelbau. Die Westspange, das heißt, die neue B16 westlich an Bertoldshofen vorbei über einen zentralen Kreisverkehr weiter bis zur Anschlussstelle Marktoberdorf Ost, wurde für den Verkehr freigegeben. Ein feierlicher Akt, dem wegen der aktuellen Lage nur wenige vom Staatlichen Bauamt Kempten geladene Gäste beiwohnten.

Mit dieser Teilverkehrsfreigabe lief zeitlich alles nach Plan, sagte Abteilungsleiter des Bereichs Straßenbau S2 beim Staatlichen Bauamt Ralf Eisele auf Nachfrage des Kreisbote. Denn im Gegensatz zum Tunnelbau lagen die Arbeiten gänzlich in den Händen einer regionalen Firma und es gab keine coronabedingten Lieferschwierigkeiten oder Probleme bei der Einreise von Facharbeitern. „Jetzt ist ein weiteres Stück geschafft und Bertoldshofen profitiert davon“, so Eisele. Das Stück, von dem er sprach, gehört zur aktuell „größten Straßenbaumaßnahme im Allgäu“, erklärte Markus Kreitmeier, Leiter des Bereichs Straßenbau beim Staatlichen Bauamt. Es ist ein Projekt solch großen Umfangs, dass es in Bauabschnitte unterteilt werden musste, um es realisieren zu können.

Planungskriterium für das 54,5 Millionen Euro kostenintenive Gesamtprojekt war die Entlastung der beiden Ortsdurchfahrten Marktoberdorf und Bertoldshofen. Der „Bauabschnitt West“ begann im Frühjahr 2019 und die Kosten dafür betragen 6,2 Millionen Euro. Dieses Stück ist der erste verkehrswirksame Teil des Gesamtsystems der B16/B472 Ortsumfahrung Bertoldshofen. Die Nord-Süd Verbindungen können damit westlich an der Gemeinde vorbeilaufen. Zwei Brücken wurden dafür neu gebaut: die Überführung des öffentlichen Feld- und Waldweges „Am Hart“ über die B16, der auch als Rad- und Gehweg genutzt wird, und die Unterführung der Gemeindeverbindungsstraße nach Kreen unter der B16. Für die 3,2 Kilometer lange und 7,5 Meter breite Straße wurden rund 35.000 Kubikmeter Erde bewegt. Für den Oberbau der 35.500 Quadratmeter Straßenfläche wurden etwa 29.000 Kubikmeter Kies benötigt.

Am vergangenen Dienstag war es noch still auf dem neuen Teilstück der B16. Doch nur einen Tag später gaben die Zuständigen vom Staatlichen Bauamt Kempten den Verkehr auf der westlichen Umfahrung von Bertoldshofen frei.

Renaturierung und „Krötentunnel“

Um die Tier- und Pflanzenwelt kümmerten sich die Ingenieure bei der Planung ebenfalls. So wurden auf dem parallel zur Geltnach liegenden Teil der Straße auf 1.700 Metern Länge Leiteinrichtungen in Form von Betonfertigteilprofilen verbaut, die über sechs rechteckige „Krötentunnel“ Amphibien und Kleintieren ein sicheres Unterqueren der B16 ermöglichen. Auf einer circa 20.000 Quadratmeter umfassenden Fläche werden in den kommenden Jahren umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen erfolgen. Diese Ausgleichsfläche entstand durch ein Abrücken des Neubaus von der OAL5. Zwischen dem Kreisverkehr und der Verbindung südlich von Kreen verschob sich die Straße um gut 800 Meter.

„Das Wasser spielt hier eine große Rolle“, sagte Eisele. Aufgrund der Nähe der Straße zu einem fließenden Gewässer, der Geltnach, mussten Hochwasser wie auch Bewässerung bedacht werden. Zur Ableitung des Hangwassers und als Ersatz bestehender Drainagen wurden 1.600 Meter Entwässerungsleitungen verlegt. Ein zentrales Rückhaltebecken sammelt das neben der Straße anfallende Wasser, dort wird es über Versickerung dem Wasserkreislauf zurückgeführt.

Entlastung der Ortsdurchfahrten

„Die Fertigstellung dieses Straßenstücks bedeutet eine Entlastung der Ortsdurchfahrten von Marktoberdorf und Bertoldshofen vom Nord-Süd-Verkehr“, so Kreitmeier. Nach rund 20 Jahren intensiver Arbeit sei damit ein bedeutender Meilenstein erreicht. So gab es 2011 eine Klage gegen den im Planfeststellungsverfahren vorgelegten Entwurf. Am 15. April 2016 fiel das Urteil jedoch zu Gunsten der Planer aus und die Klage wurde abgewiesen. Daraufhin wurde der Spatenstich im Februar 2017 mit dem damaligen Verkehrsminister Alexander Dobrindt gefeiert. Die Fertigstellung des Gesamtprojekts bestimmt nun der Tunnelbau. Das dauert noch etwa eineinhalb Jahre, schätzt Eisele.

„Ein Puzzleteil“ des Gesamtprojekts

Am Mittwoch feierten Angelika Schorer (MdL), Stephan Stracke (MdB), die Landrätin Maria Rita Zinnecker und Marktoberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell mit den Ingenieuren und der Firma Hubert Schmid. „Es ist ein wichtiges Puzzleteil für die Region“, sagte Zinnecker. Lange sei dafür gekämpft worden. Nun fehle zwar noch der wesentliche Teil des Projekts, der Tunnel, doch mit diesem Straßenabschnitt sei bereits mehr Sicherheit für Verkehrsteilnehmer gegeben und für die Anlieger weniger Lärm und Staubbelastung. Das sei ein Teamerfolg, sagte Bürgermeister Hell, und die Freude darüber sei groß. „Für die anliegende Gemeinde und die Kernstadt bedeutet es eine deutliche Verkehrsentlastung.“ 

Auch waren die Politiker, das Team des Bauamts und die Vertreter der Gemeinde und der Stadt froh darüber, dass einer heimischen Firma der Auftrag erteilt werden konnte. „Hubert Schmid als Lokalmatador“, sagte die Landrätin. Der Dank gelte auch den Grundstücksbesitzern, die die für den Bau nötigen Flächen abgaben. Die Geduld und das Verständnis der Anlieger würdigte Kreitmeier. Denn sie mussten auch „ den regionalen Schleichverkehr“ durch die Sperrung der OAL5 ertragen. Nun solle Kreitmeier schnell die Navigation programmieren, damit der Verkehr bald schon um die Ortschaften geführt wird, scherzte Zinnecker.

von Selma Höfer

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