Warum die Stadt Marktoberdorf 19 Haushalte nicht erschließt

Schnelles Internet – aber nicht überall

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Nach dem Glasfaser-Ausbau durch die Telekom können inzwischen knapp 95 Prozent der Haushalte mit schnellem Internet versorgt werden.

Marktoberdorf – Wenn der aktuelle Breitbandausbau der Telekom in Marktoberdorf abgeschlossen ist und knapp 7000 Haushalte ab heuer ans schnelle Internet anschließen können, möchte die Stadt im nächsten Schritt über das bayerische Förderprogramm die Versorgung im Außenbereich vorantreiben. Weiße Flecken sollen damit bis 2021 beseitigt werden. Eine weitgehende Maßnahme. Aber sie greift nicht überall. Genau 19 Haushalte werden nicht versorgt.

Martina Wilde vom Ingenieurbüro Ledermann (Freising) hatte bei der Beratung im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaft drei Varianten vorgestellt. Die Stadträte haben sich für die Nummer eins entschieden. Diese Variante sieht vor, dass die Stadt zum Glasfaserausbau im Außenbereich 653.000 Euro beisteuert. Vom Freistaat Bayern bekommt sie dafür aus dem Förderprogramm 1,44 Millionen Euro.

Mit dem hohen Betrag von zusammengerechnet 2,1 Millionen Euro wird dafür gesorgt, dass 308 Hausbesitzer – vorwiegend in Ortschaften und Weilern im südlichen Außenbereich Marktoberdorfs wie z.B. Leuterschach und Ronried – Zugang zum schnellen Internet erhalten. Umgerechnet bedeutet das: Pro Gebäude steuert die Stadt 2120 Euro bei, der Staat sogar mehr als doppelt so viel.

Nach dem Glasfaser-Ausbau, den die Telekom in der Kreisstadt auf eigene Kosten vorwiegend im Zentrum und in Bertoldshofen vorantreibt, können inzwischen knapp 95 Prozent der Haushalte mit schnellem Internet versorgt werden. Als Mindeststandard dafür gilt eine Datenübertragungsrate von 30 Megabit pro Sekunde.

Referentin Martina Wilde zeigte noch weitere Optionen auf, was die Internet-Versorgung im Außenbereich betrifft. Die Variante zwei: Wenn die Stadt noch zwölf Gebäude mehr mit Glasfaser erschließt und 320 der 327 noch unversorgten Häuser davon profitieren können, dann würde der Eigenanteil bereits knapp 980.000 Euro betragen. Das entspricht 3060 Euro je Gebäude für die Stadt Marktoberdorf.

Variante drei: Internet für jeden Hof und jedes Haus. Dann hätten alle 327 Betroffenen die Möglichkeit, an das schnelle Internet anzuschließen. Freilich müsste die Stadt dafür einen Eigenanteil von 1,55 Millionen Euro stemmen. Dies entspricht circa 4700 Euro je Gebäude.

Teure Varianten scheiden aus

Die Optionen zwei und drei fanden unter den Stadträten mehrheitlich keine Zustimmung. Allein Christian Vávra von den Grünen votierte für den Komplettausbau. Umgesetzt wird die Variante eins, bei der dann 99,7 Prozent aller Haushalte in der Kreisstadt schnelles Internet buchen können.

Was den Breitbandausbau in bestimmten Bereichen Markt­oberdorfs so teuer macht, ist ähnlich wie bei Wasserleitungen und beim Kanalnetz das große Gebiet; die Kreisstadt hat 95 Quadratkilometer Fläche, wie Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell in Erinnerung rief. In Kaufbeuren, das mehr als doppelt so viele Einwohner hat, sind es nur 40 Quadratkilometer.

Nach der Beratung im Ausschuss für Wirtschaft und Stadtentwicklung wird sich der gesamte Stadtrat auf der nächsten Sitzung – Termin ist am Montag, 19. Februar – mit dem Thema befassen. Carl Singer von den Freien Wählern sagte, die gewaltigen Mehrkosten pro Haus für die Varianten zwei und drei seien nicht vertretbar. Da sei es besser, jedem Immobilienbesitzer 2000 Euro in die Hand zu drücken und ihnen zu raten, sie sollen sich selber um eine andere Lösung kümmern. Gemeint ist damit schnelles Internet per Satellit oder auf LTE-Basis (Funk).

Christian Vávra argumentierte für die Option Nummer drei, also für eine Abdeckung zu 100 Prozent. Es sei nicht gut, die Besitzer der 19 Gebäude zu Eigentümern zweiter Klasse zu deklarieren. Vávra: „Das möchte ich nicht.“

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