Schockierendes Video von Tierschützern

Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach steht im Verdacht Tiere massiv misshandelt zu haben

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Ein großer Milchbetrieb in Bad Grönenbach steht im Verdacht, Tiere massiv misshandelt und sogar kranke Tiere an einen Schlacht­hof veräußert zu haben.

Allgäu – Ein großer Milchviehbetrieb aus dem Unterallgäu steht im Verdacht, Tiere misshandelt zu haben. Dies berichtet der Tierrechtsverein „Soko Tierschutz“. Das Landratsamt Unterallgäu bestätigte in einer ersten Stellungnahme, dass bei Kontrollen tierschutzrechtliche Verstöße festgestellt und entsprechend beanstandet wurden. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen. Es werde geprüft, ob die Videoaufnahmen des Tierrechtsvereins authentisch seien. Teils scheint aber auch Fleisch von kranken Kühen sogar in den Handel gelangt zu sein. Davon betroffen soll auch der Schlachthof des Konzerns Vion in Buchloe sein.

Nach den vorliegenden Informationen der „Soko Tierschutz“ handelt es sich bei dem betroffenen Betrieb um den größten Milchbauern in Bayern mit rund 1.800 Tieren. 30 Tage lang im Mai und Juni 2019 beobachteten versteckte Kameras den Milchviehbetrieb. Das Video soll zeigen, wie der Betriebsleiter persönlich Kühe misshandelt hat. Dabei sollen Tritte, Stiche mit einem spitzen Gegenstand und Gewalt mittels eines Traktors zum Einsatz gekommen sein. Mit dem Traktor sollen Tiere gewaltsam umhergeschleift und mutwillig schwer verletzt worden sein. Anstatt durch Entbluten nach Betäubung, soll man Kühe an den Kopfverletzungen des Bolzenschusses über Stunden grausam verenden lassen haben.

Käserei stellt Zusammenarbeit ein

Die Milch des Hofes wird unter anderem von der Käserei Champignon verwendet. Das Unternehmen zeigt sich nach den öffentlichen Vorwürfen gegen den Milchviehbetrieb „sehr betroffen“. „Diese Bilder entsprechen in keiner Weise unseren Forderungen und Ansprüchen. Wir bekennen uns eindeutig und unmissverständlich zum Tierwohl und distanzieren uns von jeglichen Missständen in der Tierhaltung oder Verstößen gegen das Tierschutzgesetz.“ Die Käserei Champignon kündigte am Dienstag an, „aus ethischen und moralischen Gründen“, ab sofort keine Milch mehr von diesem Hof annehmen und verarbeiten zu wollen und die Zusammenarbeit einzustellen.

Fleisch von kranken Tieren im Handel?

Aber auch eine kranke Kuh des besagten Milchviehbetriebes soll beim Großschlachthof Vion in Buchloe abgeliefert worden sein. Das Schlachtunternehmen teilte mit, nach Bekanntwerden der Vorwürde wegen Tierquälerei die Geschäftsbeziehungen zu dem Landwirt überprüfen zu wollen. „Bis zur vollständigen Klärung der vorliegenden Verstöße gegen das Tierschutzgesetz werden wir ab sofort von diesem Betrieb keine Tiere mehr annehmen“, sagt Jürgen Lieb, Standortleiter von Vion Buchloe.

Das Unternehmen teilt ferner mit, dass ein auf dem landwirtschaftlichem Betrieb notgeschlachtetes Tier bei Vion in Buchloe angeliefert wurde. „Die über vier Wochen verdeckt aufgenommenen Videos aus dem Stall des Landwirts weisen dar­auf hin, dass dabei womöglich die rechtlichen Voraussetzungen für eine Notschlachtung nicht gegeben waren. Vion hatte davon keinerlei Kenntnis“, so das Unternehmen in einer Presseerklärung.

Anzeige erstattet

Vergangene Woche hatte die Tierrechtsorganisation „Soko Tierschutz“ Anzeige gegen den Betriebsleiter und zahlreiche Mitarbeiter des Milchviehbetriebes im Unterallgäu wegen besonders schweren Fällen von Tierquälerei gestellt. Auch gegen den Schlachtbetrieb Vion laufe eine Anzeige wegen des Verdachts auf illegale Krankschlachtungen. Zudem wurde der Betreuungstierarzt angezeigt, da er laut „Soko Tierschutz“ unter Verdacht steht, die Taten gedeckt und durch Unterlassen ermöglicht zu haben.

Das bayerische Verbraucherschutzministerium schaltete inzwischen die Staatsanwaltschaft ein und forderte bei der Regierung von Schwaben einen Sonderbericht über den Betrieb an. „Hier steht kriminelles Verhalten im Raum. Tierquälerei ist nicht hinnehmbar“, teilte Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) mit.

von Kai Lorenz, Eric Schneider und Susanne Lüderitz

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