Heimatgeschichtlich wertvolle Schriftensammlung

Einblicke in die Fischeriana

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Der wohl fleißigste Forscher der Geschichte des Landgerichtes Oberdorf im 19. Jahrhundert: Ludwig Wilhelm Fischer.

Marktoberdorf – Fischeriana: So wird die heimatgeschichtlich wertvolle Schriftensammlung genannt, die aus 54 Bänden besteht und in der die Aufzeichnungen des ehemaligen Oberdorfer Landrichters Ludwig Wilhelm Fischer niedergeschrieben sind. Erste Einblicke in das bedeutende Werk vermittelt die Ausstellung im Marktoberdorfer Rathaus, die am Freitagabend eröffnet wird und bis Sonntag, 26. November, geht.

Obwohl er nicht im Allgäu geboren wurde, sondern in Rain am Lech, war der spätere Landrichter Ludwig Wilhelm Fischer ein fleißiger Forscher der Geschichte des Landgerichtes Oberdorf im 19. Jahrhundert. Bereits nach seiner Ankunft in Markt Oberdorf – das war im Jahr 1856 – wuchs in Fischer das Interesse an der Geschichte seiner neuen Heimat. Aus diesem Jahr ist eine detaillierte Zeichnung überliefert, die er vom inneren Markt überliefert angefertigt hatte.

Von Fischer sind jedoch nicht nur Zeichnungen vorhanden, er hinterließ vor allem eine umfangreiche Handschriftensammlung, die sogenannte Fischeriana. Diese Bezeichnung hat damit zu tun, dass der Nachlass von Ludwig Wilhelm Fischer an die Bayerische Staatsbibliothek ging, die sämtlichen Nachlässen an den Nachnamen ein „-iana“ dazu gesetzt hat.

Fischer wurde nicht müde, den Erzählungen alter Oberdorfer zu lauschen, die aus eigenem Erleben oder aus Berichten ihrer Eltern vieles zu dem beitrugen, was er geduldig niederschrieb. Dadurch hat er für die Nachwelt ein großes Stück Geschichte bewahrt: Seine Aufzeichnungen reichen von Sagen und Bräuchen über Altertumsfunde und Flurnamen, Kriege und ihre Folgen, und nicht zuletzt über die kurfürstliche Hofhaltung am Oberdorfer Schloss.

Diese aus 54 Bänden bestehende heimatgeschichtliche Sammlung wird in der Bayerischen Staatsbibliothek München aufbewahrt. Anlässlich des 200. Geburtstages von Ludwig Wilhelm Fischer (1817 bis 1890) hat die Stadt Marktoberdorf die Fischeriana digitalisieren lassen und in das Internet eingestellt. Erste Einblicke in die Sammlung gibt es in der Ausstellung im Marktoberdorfer Rathaus.

Im Internet auf die Seiten zu gelangen, ist relativ einfach. Die Aufzeichnungen aber auch lesen zu können, ist wesentlich schwieriger. Das liegt dran, weil Fischer in der Sütterlinschrift, wie sie damals üblich war, seine Aufzeichnungen fertigte. Die Ausstellung soll gleichsam der Auftakt sein zur Aufarbeitung des Nachlasses.

Ausstellung mit vier Themenbereichen

Josephine Berger, die bei der Stadt Marktoberdorf für Archiv, Registratur und Museen zuständig ist, brachte im Kulturausschuss bereits vorab einige Informationen zu der Sonderausstellung, die am Freitagabend eröffnet wurde (nach Redaktionsschluss für diese Ausgabe). Die Präsentation ist in vier Bereiche gegliedert.

Zum einen gibt es einen Überblick zu den bedeutenden Marktoberdorfer Heimatforschern. Da sind neben Fischer auch Namen wie Simon Baumann, Johann Nepomuk von Schaden, Franz Schmid senior oder Martin Dömling aufgeführt. Der zweite Bereich behandelt Ludwig Wilhelm Fischer und seine Zeit. Im dritten Abschnitt geht es um die Sammlung Fischeriana. Schließlich werden noch handgezeichnete Flurkarten gezeigt, die der ehemalige Landrichter gefertigt hat. Dazu gehört der Vergleich, inwieweit diese mit aktuellen Plan­karten übereinstimmen.

Dass Fischer in mehr als 50 Bänden die Geschichte Oberdorfs und umliegender Ortschaften niedergeschrieben hat, bezeichnete Rupert Filser vom Haupt- und Kulturamt der Stadt als „eine wahnsinnige Leistung“. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell, ergänzte, der von außen zugezogene Landrichter habe Marktoberdorf so geschätzt – mehr als so mancher, der hier geboren sei.

Das Digitalisieren der Fischeriana hat 12.500 Euro gekostet. Der Bezirk Schwaben gab 5000 Euro Zuschuss, die Stadt Marktoberdorf gewährt laut Beschluss des Kulturausschusses 3500 Euro. Genauso viel steuert auch der Heimatverein bei. 600 Euro kommen von der Sparkassenstiftung Allgäu.

jj

Zur Ausstellung

Die Ausstellung im Rathaussaal geht bis zum Sonntag, 26. November. Geöffnet ist sie jeden Donnerstag von 14 bis 16 Uhr sowie am Sonntag von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr. Begleitend dazu hält Siegfried Laferton (Marktoberdorf) am Montag, 13. November, um 19 Uhr den Vortrag „Aus Fischers Werkstatt“. Josephine Berger vom Stadtarchiv wird am Donnerstag, 23. November, zu Ludwig Fischer und zur Fischeriana referieren. Beginn ist um 18.30 Uhr im Rathaussaal.

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