Für ein attraktives Marktoberdorf

Ein Gymnasiast plant seine Stadt

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Gemeinsam präsentieren der Vorstand von „Mitten in Marktoberdorf“ Dr. Wolfgang Hell und Michael Hohenadl das Papiermodel für die Neugestaltung des Stadtplatzes.

Marktoberdorf – Stadtplaner, Ausschüsse und Bürgerinitiativen haben sich schon an der Gestaltung des Marktoberdorfer Stadtplatzes versucht. Nun begeistert die Facharbeit eines Gymnasiasten Stadtrat und die Initiative "Mitten in Marktoberdorf".

Viel Beifall fand eine Facharbeit aus dem Fach Kunst in der letzten Sitzung des Stadtrates. Gemeinsam mit Dr. Wolfgang Hell, Vorstand von „Mitten in Marktoberdorf“ (MIT) präsentierte der ehemalige Gymnasiast Michael Hohenadl seine persönlichen Gedanken und Empfehlungen für die Innenstadtentwicklung. Während Hohenadl sich bei seiner Facharbeit im Wesentlichen mit der Gestaltung des Stadtplatzes beschäftigte, griff die Empfehlung von MIT etwas weiter und verband dessen Gedanken mit der Weiterentwicklung des Quartiers Rathaus bis zur Meichelbeckstraße. 

Von Scheu, vor so einem Plenum aufzutreten, sah man bei Hohenadl keine Spur, obwohl der junge Mann zuvor wohl regelrecht überredet werden musste, sein Modell vor dem Stadtrat und zahlreichen Zuhörern zu präsentieren. Liebevoll aus Papier und im Maßstab 1:250 gebaut hatte Hohenadl seinen konstruktiven Ideen ein nachvollziehbares Gesicht gegeben. Als besonders beeindruckend schilderte Dr. Hell den feinfühligen Umgang mit alter Bausubstanz, als Ergänzung zu den Vorschlägen professioneller Stadtplaner. So beruhen Hohenadls Gedanken auf der Berücksichtung der historischen Entwicklung der Stadt. 

"Ungünstige Barrierewirkung"

Der Kernpunkt: Auch nach dem Ausbau des Stadtplatzes habe Marktoberdorf nie zu einem vitalen Ortszentrum gefunden. Als besonders ungünstig bewertete Hohenadl die Barrierewirkung der Meichelbeckstraße im Hinblick auf die Ost-West Achse, gebildet durch die östliche und westliche Georg-Fischer-Straße. Ursprünglich habe die Stadt „zwar eine Nord-Süd Ausrichtung gehabt“, aber mit dem Bau des Bahnhofs im 19. Jahrhundert habe sich „diese Orientierung geändert“. Was den Stadtplatz selbst betreffe, so fehle ihm „eine westliche Platzwand und die Belebung durch öffentliche stark frequentierte Einrichtungen“. Als ungünstig bewertete Hohenadl auch, dass der Platz mit Pflanzkübeln zugestellt sei, dass es auf der Sonnenseite keine Sitzgelegenheiten gebe. Zudem habe der Brunnen keinen Bezug zum Platz und werde durch viele Passanten als störend empfunden. Zur sinnvollen Belebung, so der junge Mann, würde sich „als Dreh und Angelpunkt die Verlagerung der Stadtbibliothek auf den Sparkassenparkplatz“ eignen. Ein von Licht durchflutetes Gebäude in Symbiose mit dem – einer hochwertigen Nutzung zugeführten – Emmi-Fendt-Haus würde sich dagegen an alle Bürger richten und wesentlich zur Imagebildung beitragen. Voraussetzung dafür sei allerdings eine „intensive Fußgängerbeziehung“ zwischen den beiden Teilen der Georg-Fischer-Straße, über die Meichelbeckstraße hinweg, beispielsweise durch Anhebung der Meichelbeckstraße auf Gehwegniveau und einen sogenannten „Shared-Space-Bereich“ (öffentlicher Bereich, in dem keine getrennten Ebenen für Autos, Passanten und Fahrradfahrer bestehen). Das gesamte Platzensemble solle in drei Bereiche aufgeteilt werden, deren Zusammengehörigkeit durch eine ausgeprägte Symmetrieachse hergestellt werden könne. Ein Platzteil (Ost) mit ursprünglich ländlichem Charakter, unter Erhaltung des Baldaufgebäudes, der zentrale Platz am alten Rathaus und schließlich der Teil jenseits der Meichelbeckstraße mit der Stadtbibliothek. 

MIT: "Kein zentraler Einkaufs-Magnet"

Nahezu nahtlos hieran knüpft der Vorschlag von MIT an, der sich an den formulierten Zielen der Innenstadtentwicklung orientiert. Im Gegensatz zu den bisher diskutierten Vorschlägen sieht Dr. Wolfgang Hell beim Ziel „Stärkung des Handels“ weniger einen zentralen Einkaufsmagneten im Fokus als vielmehr den inhabergeführten Einzelhandel – ganz nach dem Motto „Die Stadtmitte als Kaufhaus“. 

Dies, so Hell, würde Marktoberdorf ein eigenes Profil verleihen und nicht das Modell anderer Städte kopieren. Vielleicht könnte es so gelingen, dass sich Touristen nicht zufällig nach Marktoberdorf verirren, sondern einen gezielten Besuch ins Auge fassen. von Klaus Bauer

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