Abschlussklassen seit heute wieder im Unterricht

Zurück an die Schulbank: Herausforderung für alle Schulen während der Corona-Krise

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Die Mensa im Buchloer Gymnasium wurde umgestellt.

Landkreis/Kaufbeuren – Rund 60.000 Schülerinnen und Schüler in Bayern drücken seit heute wieder die Schulbank. Sechs Wochen „Home-Schooling“ sind für sie nun erst einmal vorbei. Allerdings kehrten nur die Abschlussklassen in den Unterricht zurück und zwar in halber Klassenstärke: zehn bis 15 Schüler. Ein Abstand von eineinhalb Meter muss gewährleistet werden.

Das Kultusministerium hat sämtliche Schulen im Freistaat mit einem Schreiben vorab informiert, was zu beachten ist. Schon Tage zuvor waren die Schulen auch im Ostallgäu und Kaufbeu­ren damit beschäftigt, alles umzusetzen, um eine bestmögliche Gewährleistung des Infektionsschutzes zu erreichen.

Im Buchloer Gymnasium werden ab heute 73 Abiturientinnen und Abiturienten in jeweils fünf Abiturprüfungsfächern unterrichtet. Bis zum Beginn der Prüfungen am 20. Mai sind noch drei Wochen Zeit. Wie Schulleiterin Dr. Angela Bogner gegenüber dem Kreisbote betonte, können Lehrkräfte die Inhalte individuell auf die Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler, aber auch des jeweiligen Faches bestmöglich zuschneiden. „So kommt es nicht auf die Zahl der Stunden an, sondern auf die Bereitschaft von Schülern und Lehrern, sich auf Inhalte einzulassen und sich mit diesen auseinanderzusetzen“, so die Oberstufendirektorin. 

Üben und Wiederholen

Zudem sei ein Üben, Wiederholen und Vertiefen kurz vor dem Abitur einfacher zu handhaben als eine Stoffneudurchnahme. Sicherheit steht in jeder Schule an erster Stelle. Die Schüler betreten beispielsweise das Gebäude und die entsprechenden Unterrichtsräume zeitlich versetzt und alphabetisch geordnet. Auch das Verlassen der Räumlichkeiten ist wieder strikt vorgegeben. „In Buchloe halten alle Beteiligten im Team mit der Stadt und dem Sachaufwandsträger zusammen und arbeiten Hand in Hand“, sagt Bogner und macht deutlich, dass eine Ausweitung des Schulbetriebs auf die Q11 frühestens ab dem 11. Mai vorstellbar sei. 

„Nachdem dann zunächst nur zwei von acht Jahrgangsstufen im Haus sein werden, ist dies logistisch gut machbar. Darüber hinaus sind ausreichend Räumlichkeiten vorhanden, um die erforderlichen Abstände zu schaffen.“

An den Realschulen Marktoberdorf und Obergünzburg laufen die Vorbereitungen für die Mittle Reife. 129 Schülerinnen und Schüler sind es, die in der Kreisstadt auf insgesamt zehn Kleingruppen aufgeteilt werden. So hat in der Staatlichen Realschule Marktoberdorf jede Klasse einen eigenen Ein- und Ausgang ins Schulhaus und nutzt sogar ihre eigenen Toiletten. 

Täglich gereinigt und desinfiziert

Täglich werden die genutzten Räume gereinigt, selbst Lichtschalter und Türgriffe werden desinfiziert. „Die Lehrer unterrichten in den Abschlussklassen die doppelte Stundenzahl, da sie zunächst im einen Teil der Klasse die Stunde halten und anschließend im anderen Teil. Somit können wir für die Gleichbehandlung der Schüler Sorge tragen“, sagt Realschulkonrektor Florian Klemm. Die Kleingruppen werden in der Pause nicht aufeinandertreffen und haben somit keinen Kontakt zueinander. In der ersten Schulwoche wird es keine Benotung in den Fächern geben. „Wir wollen die Schüler erst einmal ankommen lassen“, so Klemm. 

Geregelt ist auch der ÖPNV. Da die Klassen zu unterschiedlichen Zeiten den Unterricht schließen, ist auch kein Massenandrang an den Haltestellen zu befürchten. Einige Schüler werden auch mit dem Auto gebracht, beziehungsweise kommen eigenständig. Für die Jahrgangsstufen fünf bis neun wird der Unterricht online über die bayernweite Schulplattform Mebis, teilweise auch über Video, weitergeführt. „Bei der Vorbereitung und Durchführung der Maßnahmen wurden und werden wir vom Landratsamt Ostallgäu hervorragend unterstützt“, sagt Klemm abschließend.

Im rund 23 Kilometer entfernten Obergünzburg freut sich Realschuldirektor Stefan Zillerbiller wieder über Leben im Gebäude, „auch wenn dies unter besonderen Umständen geschieht.“ Die Rückmeldungen der Eltern und Schüler über das „Lernen auf Distanz“ seien insgesamt positiv gewesen. Doch für den Großteil der Schülerinnen und Schüler geht es mit dem Home-Schooling weiter. „Unterricht braucht das Unterrichtsgespräch. Eltern können das nicht leisten. Unseren Lehrkräften ist bewusst, dass das selbstständige Erarbeiten und Erlernen von Unterrichtsinhalten unsere Schülerinnen und Schüler deutlich mehr fordert als eine Unterrichtsstunde und passen ihre Anforderung an“, so Zillenbiller. 

Aus vier Klassen entstehen acht Gruppen

Bereits in den vergangenen Wochen wurden die Abschlussklassen auf die Prüfung vorbereitet. „Durch die Teilung der Klassen, die Fichtelung des Unterrichts und die schrittweise Erhöhung der Stundenzahl in den Abschlussfächern können unsere Schülerinnen und Schüler intensiver betreut werden, als dies im normalen Unterrichtsgeschehen möglich ist.“ Aus den vier Abschlussklassen entstehen acht Klassengruppen.

Auch die Mittelschulen begrüßen wieder einen Teil ihrer Schüler. Die Gustav-Leutelt-Schule in Neugablonz fährt einen modifizierten Stundenplan. „Schutzmaßnahmen und Hygiene haben oberste Priorität“, so Schulleiter Frank Hortig. Bis zu 15 Schüler werden in einer Gruppe unterrichtet. Schulbeginn ist um 7.55 und 8.05 Uhr. Unterschiedliche Ein- und Ausgänge sind gewährleistet. Pausen gibt es keine. Die Gruppen bleiben für sich. Unterrichtet werden die Kernfächer Mathematik, Deutsch und Englisch. Hinzu kommen noch die praxisorientierten Fächer. 

Maximal 20 Schulstunden wird es pro Woche geben. Während die Abschlussklassen in der Leutelt-Schule die Schulbank drücken, bleibt der Rest daheim. „Wir haben zu all unseren rund 500 Schülerinnen und Schülern Kontakt“, macht Hortig deutlich. „Ich bin mächtig stolz auf unsere Schulgemeinde. Jeder leistet hier einen unermüdlichen Beitrag“, schließt er damit auch die Lehrer und Eltern mit ein.

Größte Mittelschule Schwabens

In der Mittelschule Markt­oberdorf begrüßte Rektor Stefan Schweidler die 9. und 10. Klassen mit rund 160 Schülerinnen und Schülern. Auch hier wurde alles für die Wiederaufnahme geleistet. „Wir haben Abstandsgebote. Wenn es die Wetterlage erlaubt, können die Schüler in den zeitlich versetzen Pausen auch an die frische Luft gehen“, so Schweidler. Auf die Herausforderungen während der Corona-Pandemie ist seine Schule vorbereitet. „Vieles ist nicht planbar, aber wir werden es gut machen.“ Marktoberdorf hat eine der größten Mittelschulen in ganz Schwaben. 

Wenn man bedenkt, dass allein über 50 Schüler im Fach Wirtschaft ihre Prüfung in der Küche ablegen und nur vier Schüler zeitgleich in den Raum dürfen, steht auch die Mittelschule vor einer logistischen und zeitlichen Herausforderung. Denn jedes Mal muss im Anschluss die Küche desinfiziert werden. Doch was passiert ab dem 11. Mai, wenn die Maßnahmen gelockert werden? „Dann stoßen wir an unsere Kapazitätsgrenzen“, ist Schweidler aber überzeugt, auch diese Hürde zu meistern.

Was den Übertritt von der Grundschule an Gymnasium oder Realschule angeht, haben sämtliche Schulen online alle wichtigen Informationen in Form einer Checkliste zusammengestellt.

Stefan Günter

Regelungen:

Gymnasien

Die schriftliche Abiturprüfungen beginnen am 20. Mai mit dem Fach Deutsch, am 26. Mai folgt Mathematik, ehe das dritte Abiturprüfungsfach (mit Französisch) am 29. Mai geschrieben wird. Die Kolloquiumsprüfungen finden zwischen dem 15. und 19. sowie 22. und 26. Juni statt. Davor finden auch keine benoteten Leistungsnachweise statt – weder in den fünf Abiturfächern noch in den übrigen Fächern.


Realschulen

Mit den schriftlichen Prüfungen beginnen die Realschulen ab dem 30. Juni. Anders als am Gymnasium werden, wenn nötig, noch Klausuren geschrieben, damit die Schüler eine valide Jahresfortgangnote erhalten.

Mittelschulen

Die Prüfungen für den Qualifizierenden Abschluss der Mittelschule beginnen am 6. Juli. Bereits am 30. Juni starten die Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss. In Kaufbeuren machen 50 Schüler den Mittleren Schulabschluss, etwa 130 Schüler wollen am Ende den Qualifizierten Mittelschulabschluss erreichen. Den Mittleren Schulabschluss in Buchloe, Füssen, Germaringen, Markt­oberdorf und Obergünzburg, zum Teil auch in Verbünden, machen etwa 150 Schüler. Der Quali wird an zehn Schulen im Ostallgäu durchgeführt. Rund 500 Schülerinnen und Schüler nehmen daran teil, heißt es von Seiten des Schulamts.

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