Schulamtsleiter Andreas Roth zum Schulstart und die Herausforderungen in der Coronakrise

„Die Schulen sind gut vorbereitet“

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Schulamtsleiter Andreas Roth sieht die 50 Schulen im Landkreis und in der Stadt Kaufbeuren gut auf den Schulstart am Dienstag vorbereitet.

Landkreis/Kaufbeuren – Sechs Wochen Sommerferien gehen am Montag zu Ende. Es war wohl die außergewöhnlichste Zeit überhaupt, die Eltern und Kindern hinter sich gebracht haben. An Urlaub in Ägypten oder Tunesien war nicht zu denken. Es ging entweder in die Berge nach Österreich oder alternativ an die Nord- oder Ostsee. Ab Dienstag drücken wieder tausende Kinder im Ostallgäu und in Kaufbeuren die Schulbank.

Eine herausfordernde Zeit wartet nicht nur auf sie, sondern auch auf die Lehrkräfte während der anhaltenden Coronakrise. Der Kreisbote sprach mit Schulamtsdirektor Andreas Roth, der für die Grund- und Mittelschulen im Ostallgäu und in Kaufbeuren zuständig ist.

Herr Roth, müssen Schulleiter in Zeiten wie diesen auch Krisenmanager sein?

Roth: Da es sich bei der Pandemie um eine sehr dynamische Situation handelt, bleibt es nicht aus, dass immer wieder auf Veränderungen oft auch sehr kurzfristig reagiert werden muss. Der Begriff Krisenmanager dürfte somit nicht ganz unpassend sein. Natürlich haben unsere Schulleitungen die Zeit genutzt, um ihre Schulen bestmöglich vorzubereiten. Alle Schulen haben dazu Konzepte für Alternativszenarien entwickelt: Ausgehend vom Regelbetrieb mit Hygieneauflagen, über den Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Distanzlernen bis hin zu hoffentlich nicht notwendigen Schulschließungen. Von daher sehe ich unsere Schulen und Schulleitungen gut vorbereitet, um auf Entwicklungen im Infektionsgeschehen reagieren zu können.

Wie herausfordernd wird Ihrer Meinung nach das nun am kommenden Dienstag beginnende Schuljahr 2020/21?

Roth: Dass es mit Sicherheit herausfordernd bleibt, davon ist auszugehen. Es lässt sich nicht absehen, wie sich die Pandemie in den nächsten Monaten entwickeln wird. Auch die Auswirkungen auf die personelle Versorgung der Schulen, die zum Start in das neue Schuljahr als gut zu bezeichnen ist, lässt sich nicht absehen. Das Hauptaugenmerk unserer Schulen und Lehrkräfte wird zu Beginn des Schuljahres darauf liegen, alle Schülerinnen und Schüler dort abzuholen, wo sie gerade stehen. Eventuell vorhandene Lücken oder noch nicht bearbeitete Lehrplaninhalte des letzten Schuljahres, aufzuarbeiten. Dazu wird es an den Schulen, insbesondere bis zu den Herbstferien auch Brückenangebote geben, die zusätzlich zum normalen Unterricht stattfinden werden.

Die Mund-Nasen-Bedeckung ist derzeit das polarisierende Thema. Was können Lehrer und auch die Eltern tun, um den Kindern verständlich zu machen, warum die Maske getragen werden muss?

Roth: Natürlich ist es nicht angenehm, mehrere Stunden lang eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Doch ist die Maske ein wirksamer Schutz überall dort, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Die Maske hilft insbesondere dabei, andere zu schützen. Das Tragen der Maske ist für unsere Schülerinnen und Schüler nichts Neues. Bereits im letzten Schuljahr gab es das Maskengebot. Nur wenn die Schüler an ihrem Platz im Klassenzimmer saßen, konnten sie die Maske abnehmen. Nun gilt für die ersten neun Tage ab der fünften Klasse auch die Maskenpflicht im Unterricht. Verständlich machen können Lehrkräfte und Eltern sicher, wenn sie mit den Schülerinnen und Schülern über die aktuelle Entwicklung der Infektionszahlen sprechen. Sicher spielen dabei auch Urlaubsrückkehrer eine Rolle und steigende Infektionszahlen in beliebten Urlaubsgebieten.

Am Dienstag kommen viele neue ABC-Schützen in die erste Klasse. Eigentlich ist das ein schönes und unvergessliches Erlebnis, das wegen Corona nun getrübt wird. Brauchen die Kleinsten gerade jetzt eine besondere Betreuung?

Roth: Unsere Schulen und Lehrkräfte werden mit Sicherheit dafür sorgen, dass der erste Schultag auch für die neuen Erstklässlerinnen und Erstklässler ein schönes und unvergessliches Erlebnis werden wird. Es ist auf jeden Fall schön, dass die Kinder mit ihrer Klassenlehrkraft und der ganzen Klassengemeinschaft – und nicht in geteilten Gruppen – starten werden. Auch für die Kinder, die jetzt neu in die Schule kommen, sind Corona und die damit verbundenen Einschränkungen nicht neu. Sie kennen das auch schon von den Kindertagesstätten und bekommen das auch im Alltag mit.

Schauen Sie mit Argusaugen auf den ÖPNV? Stehen Sie da im engen Kontakt mit den Verkehrsbetrieben?

Roth: Die Organisation des Schülerverkehrs erfolgt vor Ort unter Berücksichtigung der örtlichen Begebenheiten in enger Abstimmung der jeweiligen Aufgabenträger und der Schulen. Aufgabenträger sind die Landkreise und kreisfreien Städte, in denen die Schülerinnen und Schüler ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben beziehungsweise für die öffentlichen Grund-, Mittel- und Förderschulen die kommunalen Schulaufwandsträger der Schulen. Um das Platzangebot vor allem in den Schulbussen und damit die Abstände zu erhöhen, hat die Staatsregierung den Schulen und deren Aufgabenträgern empfohlen, Schulbeginn und Unterrichtszeiten wo möglich zu entzerren und zusätzliche Verstärkerbusse einzusetzen.

Gibt es für die Schulen einen Leitfaden, wie sie mit der gesamten Schulfamilie im Präsenzunterricht durch diese nicht gerade leichte Zeit kommen?

Roth: Für die Schulen gibt es einen umfangreichen Rahmen-Hygieneplan zur Umsetzung des Schutz- und Hygienekonzeptes. Dieser enthält viele Hinweise zur Wiederaufnahme des Regelbetriebs von den Zuständigkeiten über Hygienemaßnahmen, Gruppenbildung, Regelungen zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, Fach­unterricht, Pausenverkauf und Mensabetrieb, Ganztagsangebote, Konferenzen, Besprechungen und Versammlungen, Schülerbeförderung, Personaleinsatz, Umgang mit Verdachtsfällen bis hin zu Veranstaltungen. Ausgehend von diesem Rahmenplan stellt jede Schule ihr eigenes auf die Situation vor Ort angepasstes Hygienekonzept auf. Grundlage dafür sind auch die Erfahrungen aus dem letzten Schulhalbjahr. Zusätzlich dazu gab es zum Ende des letzten Schuljahres ein umfangreicheres Schreiben des Kultusministeriums mit Hinweisen zum Unterrichtsbeginn im Schuljahr 2020/21.

Haben Sie allen Schulleitern Tipps oder Empfehlungen übersandt, wie sie die Lage vom ersten Tag an perfekt meistern können?

Roth: Nachdem bereits vom Kultusministerium entsprechende Tipps und Empfehlungen kamen, war es nicht notwendig hier noch zusätzliche Empfehlungen zu geben. Natürlich standen und stehen wir unseren Schulen bei allen auftauchenden Fragen beratend zur Seite. Alle unsere Schulen haben uns ihre Konzepte für die möglichen Alternativszenarien im Schuljahr 2020/2021 übermittelt, sodass wir einen guten Überblick darüber haben und unsere Schulen als gut vorbereitet sehen. Im Einzelfall haben wir uns mit den Schulleitungen auch über diese Planungen ausgetauscht. Wir hatten im Juli noch eine Dienstbesprechung mit all unseren Schulleitungen und haben uns bei dieser Gelegenheit die Rückmeldung bezüglich der Corona-Situation eingeholt. Hier wurde es als positiv bewertet, dass die Schulen einen Entscheidungsspielraum für die Umsetzung der Vorgaben an der eigenen Schule haben. Ebenso erhielten wir positives Feedback für die klare Kommunikation und die kompetente Unterstützung in der Krise.

Für den Fall der Fälle: Die Schulen sind auf verschiedene Szenarien vorbereitet?

Roth: Alle Schulen haben Konzepte für die denkbaren Szenarien entworfen. Dies beinhaltet auch die eventuell bei einer Sieben-Tage-Inzidenz notwendig werdende Rückkehr zum Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Distanzlernen und der damit verbundenen Notbetreuung.

Aktuelle Schülerzahlen der Grund- und Mittelschulen im Ostallgäu und in Kaufbeuren

Im Ostallgäu werden ab Dienstag 4780 Grundschülerinnen und -schüler wieder die Schulbank drücken. Das sind 70 mehr als noch zum Schulstart 2019. Sie sind aufgeteilt in 232 Klassen. In der Mittelschule sind es 2495 Schüler bei 125 Klassen. Hier ging die Zahl zum Vorjahr um 55 Schüler zurück. Im Landkreis werden 1210 Erstklässler eingeschult, das sind 14 Kinder mehr als noch 2019.

Kaum große Unterschiede zum Vorjahr gibt es in Kaufbeuren. Während es 2019 1297 Grundschüler gab, so erhöht sich die Zahl heuer auf 1411. Sie sind in insgesamt 70 Klassen aufgeteilt. Keine Veränderung gibt es bei der Anzahl der Mittelschüler. Sie bleibt unverändert bei 802 (43 Klassen). Erstklässler sind es 353. Sie sind aufgeteilt in 18 Klassen. 2019 wurden 331 Kinder eingeschult.

Übrigens: Im Schuljahr 2020/21 unterrichten 841 Lehrkräfte an 50 Schulen (Privatschulen sind hier nicht eingerechnet). 15.032 Unterrichtsstunden werden absolviert, 1214 Stunden stehen in der Mobilen Reserve.

Quelle: Schulamt Ostallgäu/Kaufbeuren

von Stefan Günter

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