Schutzprogramm für städtische Bäume?

Nicht überall im Stadtgebiet Kaufbeuren geht es den Bäumen gut. Foto: Frisch

– Die Gesundheit und Pflege der Kaufbeurer Bäume in Stadtgebiet ist auf der jüngsten Stadtratsitzung eingehend erläutert worden. Wolfgang Hawel, Fraktionssprecher von Bündnis 90/Die Grünen, waren nach eigenen Angaben unter anderem verstärkt „Bäume mit ungewöhnlich lichter Krone, abgestorbenen Ästen und geschädigte Bäume, vor allem Ebereschen im Stadtgebiet“ aufgefallen, zudem würden häufig gefällte Bäume nicht wieder ersetzt. In seinem Namen wurde der Antrag verlesen, zu überprüfen, ob „neue Handlungsprogramme für den Erhalt des Baumbestandes notwendig“ seien. Auch die aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger solle von einem solchen Programm mit einbezogen werden.

In der Sitzung vertreten wurde der Antrag von Hawels Fraktionskollegin Ulrike Seifert. CSU-Stadtratsmitglied Gerhard Limmer nahm als Forstdirektor und Beauftragter für Umwelt Stellung zu den Ausführungen. Er legte dar, es sei prinzipiell nicht vonnöten, ein solches Programm zu starten. Die häufige Schädigung der Ebereschen in Kaufbeuren sei zwar tatsächlich der Fall, dies liege aber an einer Baumkrankheit, die im ganzen Bundesgebiet verbreitet sei. Zudem sei die Anpflanzung gerade von Großbäumen in Stadtgebieten per se problematisch: „Nicht immer können die Bäume gehalten werden, aber Menschenschutz geht vor Baumschutz – wenn ein Baum wegen Umsturzgefahr gefällt wird, gibt es keine Alternative!“ Daher gebe es auch in Kaufbeuren bestimmte Plätze, an denen nach einer Fällung kein neuer Baum gepflanzt werde, weil sich die Stelle als prinzipiell ungünstig erwiesen habe. Auch der Klimawandel spiele eine Rolle. Besonders sprach sich Limmer gegen eine so genannte Baumschutz-Verordnung aus: „Dann muss über jeden einzelnen Baum diskutiert werden – diesen Aufwand sollte man lieber in konkrete Maßnehmen stecken!“ und verwies dabei auf die „sehr kompetenten Zuständigen“ beim Bauhof. Limmer schlug vor, zukünftig auf eine Auswahl rubuster Baumsorten bei Neupflanzungen zu achten. Ansonsten tue die Stadt bereits jetzt alles, um „das Grün zu halten“. Gegen eine aktive Miteinbeziehung der Grundstückseigentümer, wie Seifert sie ansprach, sei aber sicher nichts einzuwenden. Am Ende wurde vom Stadtrat der Beschluss gefasst, es seien „für den Erhalt des städtischen Baumbestandes, für Pflege und Neupflanzung“ keine neuen Handlungsprogramme notwendig. Soweit keine akuten Gefahrensituationen bestehen, hätten weiterhin Pflege und Erhalt der städtischen Bäume Vorrang vor privaten Interessen. Gegen den Beschluss stimmten zwei Stadtratsmitglieder.

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