"Rückenwind" für die Kunst

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Die Preisträger der diesjährigen Ostallgäuer Kunstausstellung Guido Weggenmann, Sabine Effinger und Christof Rehm (mit Blumen) gemeinsam mit ihren Preisstiftern und Laudatoren (von links) Franz Schmid und Tochter Angelika, Kulturamtsleiter Rupert Filser, Schauspieler und Laudator Jochen Striebeck und Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell.

Marktoberdorf/Ostallgäu – Ein ferngesteuerter Windsack, ein intimer Kuss und scheinbar auf Tafelschwarz Gekritzeltes – die 37. Ostallgäuer Kunstausstellung hat ihre Pforten eröffnet und wartet mit Erstaunlichem, Humorvollem und Virtuosem auf.

Drei würdige Preisträger der überregional bedeutenden Schau lassen die Bandbreite moderner Kunst erahnen, wie sie auch in Schwaben zuhause ist. Und bis zum 3. Januar im Künstlerhaus Marktoberdorf. 

Grafik, Fotografie und Installation geben sich die Hand und sind Höhepunkte einer Ausstellung, die beachtliche 79 Werke unterschiedlichster Temperamente vereint. Ihr gemeinsamer Nenner ist die Herkunft ihrer Künstler: Mit der jährlich stattfindenden Ostallgäuer Kunstausstellung bietet die Stadt Marktoberdorf Künstlern aus Bayerisch-Schwaben die Möglichkeit, sich einem Publikum im musealen Rahmen vorzustellen und sich um drei Kunstpreise zu bewerben. 

Insgesamt 179 Künstler haben heuer ihre Werke eingereicht. Von insgesamt 294 Bildern und Skulpturen hat die unabhängige Jury 79 in die Ausstellung aufgenommen. Länger denn je, insgesamt zehn Wochen lang und auf erweiterter Fläche präsentiert sich die Ostallgäuer Schau im Künstlerhaus und lädt zum Dialog über Kunst, ihre Ideen und Visionen ein. 

Die Preisträger 

Das grafische Werk „4.7.2015_1/2015“ (so der Titel) der Künstlerin Sabine Effinger erhielt im Rahmen der Vernissage den Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis der Stadt Marktoberdorf aus den Händen von Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell, dotiert mit 3.000 Euro. Auf schwarzem Schultafellack winden sich feine weiße, organische Formen. Erst auf den zweiten Blick entpuppt sich das vermeintliche Tafelgekritzel als scharf eingeritzte Kerben, die einen überdimensionalen, auf dem Kopf liegenden Pilz zu erkennen geben. Eine Komposition, die die Jury überzeugte, hier den Hauptpreis der diesjährigen Ausstellung zu vergeben. 

Den Familie-Paul-Breitkopf-Preis, dotiert mit 2.000 Euro, ging des weiteren an den Augsburger Künstler Christof Rehm für seine Fotoarbeit „Amor + Psyche“. Monumental vergrößert, unscharf verwaschen neigen sich zwei marmorne Gesichter zum intimen Kuss. In der kunsthistorischen Tradition des Erinnerns und Verfremdens macht Rehms Fotografie die Skulptur aus dem 19. Jahrhundert wieder lebendig und erzeugt eine atmosphärische Wirkung, der sich auch die Besucher des Künstlerhauses nicht entziehen konnten. 

Wind mit Witz 

„Rückenwind“ wehte durchs Künstlerhaus am vergangenen Freitag, Titel einer Installation des Kemptener Künstlers Guido Weggenmann, der dafür den mit 2.500 Euro dotierten Sonderpreis der Franz Schmid-Stiftung erhielt. Der 91-jährige Franz Schmid, Altbürgermeister, Mäzen der Marktoberdorfer Kunst und Initiator der Ausstellung, überreichte den Preis selbst und würdigte ein Werk, das auf humorvolle Weise die Spannung zwischen Dynamik und Stillstand eines ferngesteuerten rot-weiß gestreiften Windsacks zeigt. 

Mal schlaff herabhängend, mal weit aufgebläht ist dieser Windsack nicht der Unberechenbarkeit des Windes ausgesetzt, sondern dem Witz seines Erschaffers, der auf Knopfdruck das Gebläse in Gang setzen kann. Und damit für frischen Wind im Künstlerhaus und unter den Ausstellungsgästen sorgt. 

Infos zur Ausstellung: Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 15 Uhr bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Heiligabend und Silvester geschlossen. Der Eintritt ist frei.

von Angelika Hirschberg

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